Was ist eine naturwissenschaftliche Perspektive?

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Nach der bereits bei Xtranews vorveröffentlichen Einleitung der im Herbst erscheinenden philosophischen Schrift „Über Natur“ von Kathrina Talmi hat mich die Autorin gebeten, auch ihr erstes Kapitel online zu stellen: „Was ist eine naturwissenschaftliche Perspektive?“. Beide Bestandteile werden auch im PDF zu finden sein, das ab Herbst auf der Homepage des Verlages frei zugänglich sein wird.

 

1. Was ist eine naturwissenschaftliche Perspektive?

Perspektivismen sind u.a. als relativierende Erkenntnishaltungen von Philosophen des 19. Jhds. und von Ethnographen des 20. Jhds. berüchtigt. Sie reichen historisch jedoch viel weiter, sind z.B. auch bei Leibniz zu finden (vgl. König, G., 1989, S.362-375). Ohne mich historisch zu verlieren: Was könnte eine naturwissenschaftliche Perspektive sein? Bei den Worten ‚Perspektive‘ handelte es sich in jenen relativierenden Fällen um soziale Metaphern, die auf individuelle oder gruppenspezifische Sichtweisen zugeschnitten waren. Bei Metaphern ist jedoch Vorsicht geboten, wie Kai Pege im Kontext über Metaphern erläuterte (vgl. Pege, K., 2014, S.16-22.). Ob andere Perspektiven wissenschaftlich relevant sein können, ist mit der Wahl ‚naturwissenschaftliche Perspektive‘ nicht gesagt. Als soziale Metapher könnte ihr Bezug den gesamten Wissenschaftsbereich umfassen, in Abgrenzung vom alltäglichen Umgang und von Esoteriken.
Zu betonen ist, dass die naturwissenschaftliche Herangehensweise unter Menschen keineswegs üblich ist. Die Methoden, Zeichen und die Sprache sind relativ vielen Menschen fremd, auch innerhalb der Wissenschaften. Im Zentrum der Naturwissenschaften stehen Fragen nach kausalen Abläufen von Ereignissen, nach relevanten Einflussgrößen, die dabei helfen können, nicht nur vergangene Ereignisse besser zu verstehen als bislang, sondern auch zukünftige. Die aktuell betriebene Klimaforschung ist ein typisches und durch die Medien bekanntes Beispiel solcher Hinwendungen, auch wenn über die konkrete Arbeit, über detaillierte Fragestellungen und Probleme innerhalb der Klimaforschung, öffentlich wenig zu erfahren ist.
Allgemein lässt sich zunächst formulieren, dass es aus naturwissenschaftlicher Perspektive relevant ist, etwas über die konkreten Bedingungen zu erfahren, unter denen etwas Spezielles geschieht. Kausalität zu erforschen, ließe sich als das Auffinden von Bedingungen eingrenzen, die ein bestimmbares Ereignis entstehen lassen können.
Fragen nach kausalen Wirkungen reichen jedoch nicht aus. Die Parameter der Bedingungen müssen prüfbar sein, und sei es durch wiederholte Messungen. Es würde keineswegs ausreichen, eine Meinung oder einen Glauben zu vertreten, wie es z.B. in den Perspektivismen des 19. und 20. Jhds., im Journalismus oder in einer Religion üblich sein kann, oder in einem belletristischen Essay.
Außer einer Relation zur Empirie ist jedoch noch etwas erforderlich, das sich nur in der relevanten Sprache und in der Mathematik findet, etwas, das zu einem zweiten Kriterium taugt: Logik. Weil es um zwei unterscheidbare Kriterien ginge, wäre es fatal, das Wort ‚Wahrheit‘ zu einem Sammelbegriff werden zu lassen, eventuell ähnlich einem Müllsack. In diesem Kontext wäre es angemessener, auf die Vokabel ‚Wahrheit‘ zu verzichten und konkret zu werden (vgl. ders., 2016, S.9-19). In Frage stünde die abstrakte und eineindeutige Abbildungsfunktion eines wissenschaftlichen Modells, das sich im Vergleich ermitteln und durch einen Vergleich prüfen ließe (vgl. ders., 2015, S.7-27) und die logische Vereinbarkeit des sprachlichen und des mathematischen Materials.
Die gegeben Erläuterung der naturwissenschaftlichen Perspektive reicht allerdings philosophisch nicht aus. Außerhalb stände die Frage nach geeigneter, nach sachlich angemessener Sprache, die bezugsrelevant wäre. Diese Aufgabe lässt sich nicht auf die Erläuterung von naturwissenschaftlichen Modellen begrenzen.
Historisch gibt es ein Wort, ‚Interpretation‘, Davidson hat sich z.B. damit philosophisch beschäftigt (vgl. Davidson, D., 1994). Ich möchte die Frage nach ‚Interpretation‘ in diesem Kontext jedoch nicht detaillierter stellen, lediglich darauf hinweisen, dass die Philosophie keine naturwissenschaftliche Perspektive und damit keine naturwissenschaftliche Forschung verfolgt. Ihr Material ist primär die Sprache, analytisch und erläuternd, vielleicht sogar analytisch differentiell, wie Pege dies im Kontext der Frage nach Angemessenheit vorgeschlagen hat (vgl. Pege, K., 2015 S.8). Um die naturwissenschaftliche Perspektive jedoch abzugrenzen, war es erforderlich, eine Alternative anzuführen.

Literatur

Davidson, D., 1994, Wahrheit und Interpretation, Frankfurt.
König, G., 1989, Perspektive, Perspektivismus, perspektivisch, in: Joachim Ritter u.a., Hg., Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 7, Darmstadt, S.362-375.
Pege, K., 2014, Analytische Philosophie?, in: ders., Hg., 2014, Analytische Philosophie?, eBook, Duisburg, S.9-49.
Pege, K., 2015, Eine Theorie des selektiven Bezugs, eBook, Duisburg.
Pege, K., 2016, Was sind philosophische Essays?, in: Talmi, K., Hg., 2016, Im Wettbewerb, eBook, Duisburg, S.9-19.

2 thoughts on “Was ist eine naturwissenschaftliche Perspektive?

  1. Wissenschaft?! Utopia ist ein Ort, an dem noch nie jemand gewesen ist. Das Hoffen der Judend und der freiheitliche Wahn demografisierter Bürger in der untergehenden Industriekultur einer Parteihochburg. Duisburg urbibus notus et populis (stadt- u. weltbekannt) – wo jeder kleine Duisburger SPD-Racker mit Mandat seinen Kochlöffel in einer antidemokratischen Pampe schwingt und seinen Brei „Populis Mus“ kocht.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mus

    Die untergehende Industriekultur der Parteihochburg signalisiert in DS 18-057: Lebensqualität in Duisburg und die Utopie eines Lebens in Freiheit versagt. Die Politik Duisburg vergleicht sich mit den Versagern der Nation und fühlt sich dabei wohl.
    https://sessionnet.krz.de/duisburg/bi/vo0050.asp?__kvonr=20078218

    Moni Ovadia Italienischer Schauspieler, Regisseur und Musiker, interviewt beim Materadio Festival, dem Festival „Utopias and Dystopias“ 2016. Utopia wurde von Abraham geweiht, der den Menschen zum Meister seines eigenen Lebens machte: Der Gott Abrahams ist das Bewusstsein des Menschen, das sich offenbart und uns einlädt, die Strukturen der Macht aufzugeben, um zum Gemeinschaftssinn zu gelangen, und dann ist das Christentum ein revolutionärer Staat. Jesus sagt: „Was du mit dem Fremden tust, das tust du mit mir“.

    Ich bin eine Minorität in Duisburg, der Oberbürgermeister macht mit mir bürger-bullying wie bei einen Fremden – als sei ich ein Link-beschimpfter Südost-Europärer in einem bayrischen CSU-Dorf, weil ich nicht die marode Industriekultur der untergehenden Parteihochburg unterwürfig anbete.

  2. Stadtgeschichtenerzähler 19. Juli 2018 at 21:35:54 -

    Duisburg. Die Tageszeitungen, WDR-Radio und -Fernsehen haben sehr große Erfahrungen bei der Selektion von Nachrichten und Kommentaren. Das Fußvolk macht es nach. Das hat die Wissenschaft nie behandelt, waren sie doch selbst Teil des Systems.

    Zu Anfang des neuen Jahrtausend gab es dann zunehmend große Sorgen, dass es bei der Europawahl 2019 und NRW-Kommunalwahl noch mehr Erfolge für den Populismus gäbe. Bei Wikipedia, den Kirchengemeinden und der SPD laufen die Leute weg; ein Allzeittief nach dem anderen! Wissenschaftlich ist das keine gute Perspektive.