• 87
    0

    Ohne eine Konzentration auf relativ konkrete Tendenzen und Sachverhalte wird es mir nicht möglich sein, die Entwicklung von (deutschen) Kulturbegriffen seit der ‘Weimarer Klassik’ zu behandeln. Der Titel beschreibt, worum es mir zentral geht. Die besondere Betonung des Geistigen, die Pufendorf noch fremd war, auch wenn ihm die Vernunft zur Abgrenzung von der Natur diente, ...
  • 83
    1

    Weitgehend offen geblieben ist, was als zivilisiert gelten kann. Eine Klärung ist auch nicht ein für allemal leistbar. Jede Antwort bliebe historisch befangen, übrigens auch ein wissenschaftlicher Anspruch, allgemeine Theorien über Zivilisation oder Kultur zu bilden, unabhängig vom geschichtlich vorfindbaren Sprachverhalten. Betroffen sind nicht nur die wissenschaftstheoretischen Haltungen und die Theorien, auch die Empirie. Es ...
  • 93
    2

    Dem eingangs beklagten babylonischen Niveau im Gerede über Kultur eine brauchbare Alternative entgegenzuhalten, ist das konkrete Anliegen der Notizen. Der historische Exkurs ist noch lange nicht abgeschlossen, ich möchte dennoch eine Zäsur anbringen, bevor weitere historische Begriffe wie Volk und Wesen (Herder) hinzutreten und einen kulturellen Weg eröffnen, der bis in die Weltkriege des 20. ...
  • 74
    1

    Die Provokation lässt sich fortsetzen. Ist Kultur kein allgemein menschliches Unterfangen, sondern abhängig von besonderen geschichtlichen Entstehungsbedingungen, sind die Begriffe historische, die unabhängig davon ausgebildet werden, ob es in Gesellschaften z.B. Künste und Wissenschaften wie im griechischischen Altertum gab oder in manchen Gesellschaften gibt, wäre dann nicht die aktuelle Kultur einer Gesellschaft ein Fall für ...
  • 83
    1

    Je umfangreicher Begriffe werden, um so unhandlicher und ominöser werden sie. Ist ihre Ausbildung zudem noch an konkrete historische Bedingungen gebunden, verliert sich ihre Relevanz leicht in der Historie. Es gibt nur ein Mittel, der drohenden Belanglosigkeit entgegenzuwirken: die Sprache. In der Frühaufklärung (Pufendorf) war ein Bild von Kultur entstanden, das mit den vormaligen Vorstellungen ...
  • 74
    1

    In Reaktion auf den Dreißigjährigen Krieg standen menschliches Verhalten und rechtliche Fragen im Zentrum. Die politische Brisanz von Naturrecht und bürgerlicher Gesellschaft blieb während der Aufklärung erhalten, in England als auch in Frankreich, insbesondere im Zusammenhang mit der Französischen Revolution (1789-1799). Die Interpretation änderte sich jedoch merklich. Die natürliche soziale Freiheit, die ehemals Sorgen bereitet ...
  • 78
    1

    Pufendorfs Konzeption von Kultur und die mangelhafte Rezeption veranlasst mich, kurz innezuhalten. Seine frühaufklärerische Arbeit wurde bislang unterschätzt, kaum zur Kenntnis genommen, eventuell weil seine Schriften nur unzureichend aus dem Lateinischen übertragen wurden. Die in der jüngeren Sekundärliteratur stets wiederholte Auffassung, er habe Kultur zum ersten Mal auf Kollektive bezogen, falls er überhaupt Beachtung fand, ...
  • 68
    1

    Die Zeit von Renaissance und Humanismus ging in Westeuropa in Revolten, schließlich in ein Kriegsgeschehen über, das schier unzählige Schauplätze und unterscheidbare Gründe hatte. Aufstände, Bürgerkriege, hegemoniale Bestrebungen von Staaten zur Ausweitung ihrer Herrschaftsgebiete, erbitterte Religionskriege. Der sogenannte Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 markierte nur eine Phase der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf dem Kontinent, wenn ...
  • 68
    1

    Fragen nach Kultur werden gegenüber der Renaissance auch in spezieller Weise gestellt: hinsichtlich künstlerischer Produkte. Besonders hervorzuheben ist die Rezeption von Shakespeares Werken. In diesem besonderen Fall interessiert nicht selten eine Differenz von Natur und Kultur. Schwierig, diese zu verorten. Angeführt seien The Tragedy of King Lear (PDF) und The Tempest (Der Sturm) (PDF), zwei ...
  • 71
    2

    Wäre es nicht amüsant, die sich in Europa entwickelnden Geniekonzepte, vor allem aber die hohen Kulte, historisch auf einen Übersetzungsfehler zurückführen zu können? Leider ist es dazu noch zu früh, ein Schmunzeln sei aber erlaubt. Es erstreckt sich ebenso auf Anstrengungen, der Renaissance eine Kultur, ja sogar künstlerische Genien zuzusprechen, obwohl die Frage nach Natürlichkeit, ...
  • 94
    2

    In was für Gespräche ich zu Wein und Musik auch gerate, Worte Kultur, die sich auf Geistiges beziehen, sind belanglos. Mehr als jenes kleine Andenken an Cicero ist nicht zu erhaschen. Das heißt aber keineswegs, dass die Leute schweigen. Im Gegenteil: anmutig plaudern, linkisch konversieren und ingeniös schwatzen, das können sie in den Städten, besonders ...
  • 85
    1

    Mich mit Sitten, Ethik und Moral aufzuhalten, war nicht unwichtig, doch die kürzlich unternommene Fahrt reicht nicht aus, die geistige Kultur der Gelehrten jener Zeiten zu skizzieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Mir bleibt kaum anderes übrig, als noch etwas zu verweilen. In der Renaissance wird übrigens hervorragende Musik geschrieben, wie diese reizvolle Villanella ...
  • 90
    5

    Von einer geistigen Kultur zu sprechen, wie dies Cicero mittels eines Vergleichs von Acker und Geist erläuterte, wirkte geschichtlich bis in die Aufklärung: Kant hielt einer in der Frühaufklärung entstandenen Identifikation von Kultur mit Zivilisation die Idee der Moral entgegen. Mein Interesse gilt im Folgenden der Kultur als Geistigem, nicht der Zivilisation, auch nicht Kants ...
  • 80
    3

    Wenn eine solche Frage aufkommt, dann wird es ernst! In Deutschland ist man gewohnt, ein solches Problem psychologisch zu behandeln: Dann werden traditionell Gedanken thematisiert, bzw. ein Denken. Nun folgt aber ein Denken nicht einfach sprachlichen, zumal logischen Regeln, dies kann allenfalls gedachte Sprache, unter außergewöhnlichen Bedingungen und für begrenzte Zeit. Auch kausal kommt man ...
  • 74
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    Der knappe sprachgeschichtliche Rückblick hat deutlich werden lassen, dass Kultur von Anbeginn an kein Gegenstand, nicht einmal ein Sachverhalt war, sondern ein Konzept, das man, wie im entstehenden Rom, ausbilden, haben und später erweitern konnte, oder, wie im alten Griechenland, auch nicht. Es ist schlicht belanglos, weil das gesellschaftliche Leben, auch die Bereiche, die man ...
  • 66
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    Die umgangssprachliche Unterscheidung in Kultur und Natur gehört zu den äußerst seltenen Fällen, in denen sachlich mehr als einige Beliebig- bzw. Zufälligkeiten zum Ausdruck kommen. Diese Differenzierung, die Menschen und ihre Werke einer Natur gegenüberstellt, lässt sich sprachlich bis in das Altertum, sachlich bis in die sogenannte Neolithische Revolution und die Sesshaftwerdung der Menschen zurückverfolgen. ...