Kreativquartier Ruhrort: Sollbruchstellen und Abrisskanten

Wie sich Sachverhalte aus der Technik oder Merkmale von Gebrauchsartikeln in eine Beziehung zu Lebensbiographien setzen lassen, versucht das Kreativquartier Ruhrort beim diesjährigen Kulturfestival der Stadt Duisburg heraus zu arbeiten.

Eine Sollbruchstelle ist ein durch konstruktive Maßnahmen oder Auslegungen vorgesehenes Konstruktionselement. Im Schadens- oder Überlastfall wird dieses Element gezielt und vorhersagbar versagen, um hierdurch den möglichen Schaden in einem Gesamtsystem klein zu halten. An der geplanten Bruchstelle ist häufig eine Kerbe oder eine Einritzung zu finden.

Abrisskanten kennzeichnen beispielweise die Benutzung eines Theater- oder Konzerttickets, können aber auch Abbruchkanten im Gelände, z.B. nach extremen Wetterereignissen beschreiben.

Wie Sollbruchstellen im übertragenen Sinne auch in Lebensgeschichten nützlich sein können, welche Schäden unvorhersehbare Ereignisse hinterlassen oder welche Erinnerungen mit gesammelten Artikeln verbunden sind – das sind einige der Aspekte, die die Reihe musikalisch – literarischer Begegnungen beleuchten wird. Die Auswahl der Orte, an denen diese Begegnungen stattfinden, sind nicht zufällig auch Orte, die in der Vergangenheit oder aktuell Umbrüchen ausgesetzt waren oder sind.

 Wolfgang Hausmann Foto: Köhring


Wolfgang Hausmann Foto: Köhring

So startet die fünfteilige Reihe im Gemeindehaus Ruhrort, das derzeit in neuer Besitzerschaft renoviert wird. Lange Jahre als Kirchengebäude genutzt, finden hier seit einigen Jahren kulturelle Veranstaltungen gemeinnütziger Vereine und Organisationen statt. Zukünftig soll das Haus als Tagungs- und Veranstaltungszentrum auch kommerziell erfolgreich werden.

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„O ho, wie reiff seynt die faulen opffel! O ho, wie morbe synt dye außerwelten worden! Dye zceyt der ernde ist do!“ Solch apokalyptische Stimmungen wie aus dem Mund des wortgewaltigen Thomas Müntzer rütteln durch Entsetzen auf, zugleich sind sie durchzittert von einer rasenden Vorfreude auf den Untergang, auf den ersehnten Tag des Jüngsten Gerichts, in dem sich der göttliche Heilsplan erfüllt und das menschliche Verlangen nach Abrechnung seine Befriedigung findet.

Rezitator und Literaturentdecker Wolfgang Hausmann lässt Zeitgenossen Luthers zu Wort kommen wie Sebastian Brant mit Texten aus seinem „Narrenschiff“, Christoph Kolumbus und den Meistersinger aus Nürnberg, Hans Sachs. Die gewaltige Dynamik der Zeit der Renaissance wird erkennbar: Expansion Europas nach Amerika, der Globus, halbwegs korrekte Weltkarten, die tragbare Uhr, das Schießpulver! Die Druckerpresse sorgt auch für Explosionen – für die von Gedanken!

Der Pop-Chor der ev. Gemeinde Wanheimerort, ‚PraiSing‘, unter Leitung von Daniel Drückes begleitet die Lesung musikalisch.

 

Sollbruchstellen und Abrisskanten #1

Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6

Sonntag, 12. März 2017 um 18 Uhr

Eintritt frei(willig)

 

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