Düsseldorfer Flüchtlinge beschweren sich über Duisburger Hilfsverein ZOF e.V.

zofIn einem offenen Brief prangern Flüchtlinge, die in der Berger Allee in Düsseldorf  untergebracht sind, die katastrophalen Missstände, für die der Duisburger Verein ZOF ( Zukunftsorientierte Förderung) e.V. verantwortlich ist, an. In einem offenen Brief monieren die Betroffenen u.a. marode Sanitäranlagen, respektloser Umgang durch die Security, sowie eine fehlende Privatsphäre (so sollen sich derzeit etwa 20 Personen ein Zimmer teilen).

 

 

 

Offener Brief an Politik und Medien
Einladung zum Dialog und zur Information der Öffentlichkeit:
– am Samstag, den 03.12.2016 um 14 Uhr, vor der Berger Allee 23 –

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir, Bewohnerinnen und Bewohner der Geflüchtetenunterkunft Berger Allee 23, möchten es nicht weiter hinnehmen in den Zuständen leben zu müssen, die einige von uns nun schon seit vielen Monaten ertragen müssen.
Deshalb wenden wir uns mit diesem Brief nun an Sie: Menschen aus der Politik und der Verwaltung und an die Vertreterinnen und Vertreter der Medien, als Fenster zur Öffentlichkeit.

Diejenigen von uns, die am längsten hier untergebracht sind, wohnen bereits seit 13 Monaten in dieser Unterkunft. Wir haben schon auf unterschiedliche Weisen versucht, die Probleme der Menschen hier mitzuteilen und Änderungen herbeizuführen, aber bisher ohne Erfolg. Seit Dienstag haben wir uns täglich um 18 Uhr vor unserer Unterkunft versammelt, um gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen.
Wir möchten Sie und Euch über unsere Schwierigkeiten informieren und Sie bitten, sich mit uns dafür einzusetzen, dass wir und unsere Familien endlich in Sicherheit und Würde leben können.

Zentrale Probleme unseres Lebens in der Berger Allee sind:

Die fehlende Privatsphäre:
Wir leben mit unseren Familien, teilweise 3 Generationen zusammen in einem einzigen, kleinen Zimmer! Als Alleinstehende müssen wir uns mit 17 Personen einen einzigen Raum teilen! Wir leben mit vielen Personen in einem Raum, ohne die Möglichkeit, einander aus dem Weg zu gehen. Unter diesen Umständen ist es uns nicht möglich, privaten Bedürfnissen nachzukommen,
ausreichend zu schlafen, geschweige denn zu lernen, obwohl wir zur Schule gehen oder Sprachkurse besuchen.

Die fehlenden Möglichkeiten, uns selbst zu versorgen:
In der Unterkunft ist es uns unter strenger Kontrolle verboten, selbst zu kochen oder auch nur einen Wasserkocher zu besitzen, um uns ohne einen weiten Weg Tee oder eine Wärmflasche zu bereiten. Über viele Monate belastet uns dieser Zustand immens, nicht selbst über unsere Ernährung entscheiden zu dürfen (manchmal ist das Mensa-Essen auch alt und nicht genießbar) und für das Essen oft 30-40 Minuten anstehen zu müssen. Insbesondere, wenn schwangere Personen oder Kinder unter uns besondere Bedürfnisse haben. Manche von uns kochen deshalb draußen, unter den Bäumen gegenüber oder am Rhein in der Kälte auf Gaskochern.

Das Verbot, Besuch zu empfangen:
Niemand darf uns in unserem „Zuhause“ besuchen. Selbst wenn wir als Familie Besuch von Verwandten aus einer weit entfernten Stadt bekommen oder etwa die schwangere Frau eines
Bewohners ihren Mann besucht, der hier wohnt: Es ist uns verboten, sie in unser Zimmer einzuladen.

Die fehlende Sicherheit bei gleichzeitig ständiger Kontrolle:
Es ist uns nicht erlaubt und nicht möglich, die Türen unserer Zimmer abzuschließen. Können Sie sich vorstellen, was das zusätzlich für den Schutz unserer Privatsphäre und für die Sicherheit unseres Eigentums bedeutet? Frauen müssen immer wieder erleben, dass fremde Männer einfach ihren Raum betreten… Unsere Sachen werden gestohlen.
Gleichzeitig werden wir bei jedem Betreten der Unterkunft bis auf die Jacken- und Hosentaschen kontrolliert, selbst wenn wir gerade von der Schule kommen. Auch beim Verlassen der Mensa
werden unsere Taschen kontrolliert, ob wir unerlaubt Essen mit in unsere Zimmer nehmen. Security-Mitarbeiter kommen einfach ohne anzuklopfen in unsere Räume, um z.B. zu kontrollieren, ob jemand einen Wasserkocher hat.

Die sanitären Anlagen:
In den Toilettenanlagen fehlt warmes Wasser und auch in den Duschen hängt es von der Etage ab, ob genügend warmes Wasser zum Duschen ankommt.

Umgang einiger Angestellter mit uns:
Wir fühlen uns von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit unseren Problemen häufig alleingelassen. Wir benötigen Unterstützung bei verschiedenen komplizierten Angelegenheiten, die unser Leben in Deutschland oder etwa unsere Gesundheit betreffen.
Dagegen wurden wir sowohl von ihnen, als auch von Mitarbeitern der Security, schon oft sehr respektlos behandelt und empfinden den Umgang mit uns als sehr willkürlich. Auch nicht
nachvollziehbare körperliche Gewalt von den Securities haben wir erlebt.

 

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In der Berger Allee leben wir mit hunderten weiteren Menschen zusammen! Diese Unterkunft soll uns als „Zuhause“ dienen. Wir dachten in den ersten Monaten, dieser Zustand wäre ein vorübergehender, doch wir leben hier nun schon seit vielen Monaten und haben keine Kraft mehr, mit diesen täglichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Wir wünschen uns ein Leben in Frieden und Respekt.
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung und die Teilnahme am Gespräch am Samstag, den 03.12. oder zu einem späteren Zeitpunkt.
Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft Berger Allee 23
Wir danken dem „Unterstützer_innenkreis Berger Allee“

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