Literaturpreis Ruhr 2015 (Hauptpreis) geht an Sascha Reh

Metropole Ruhr. Der in Duisburg geborene Romancier Sascha Reh erhält den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr für sein Gesamtwerk. Mit seinen bisher erschienenen drei Romanen ist Sascha Reh eine feste Größe unter den jüngeren deutschsprachigen Schriftstellern geworden. Die siebenköpfige Jury des Literatur-preises Ruhr war besonders von der thematischen Bandbreite der Romane Sascha Rehs tief beeindruckt.
Der Literaturpreis Ruhr wird 2015 zum 30. Mal verliehen. Zu den Preisträgern gehörten bisher u. a. Liselotte Rauner und Jürgen Lodemann, Ralf Rothmann und Brigitte Kronauer, Frank Goosen und Fritz Eckenga.

Mit dem Förderpreis des Literaturpreises Ruhr werden Britta Heidemann für ihre Erzählung „Schwimmen mit Seehund“ und Robin Berg für seinen Text „Im anderen Bett“ ausgezeichnet. Die Jury wählte die beiden Beiträge aus 230 Einsendungen zum Wettbewerbsthema „Doppelleben“ aus. Der Förderpreis ist mit je 2.555 Euro dotiert.
Der Literaturpreis Ruhr wird jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut.
Die öffentliche Preisverleihung findet statt am 13. November 2015 um 19.30 Uhr im Gelsenkirchener Consol Theater.

Zu den Autoren:
Sascha Reh
sascha-rehSchon mit seinem Debütroman „Falscher Frühling“ (2010) überzeugte Sascha Reh (geb. 1974) die Literaturkritik. Darin nahm Reh mit der Lebensgeschichte eines Regisseurs am Ende seiner Karriere die Seltsamkeiten und Fallstricke des deutschen Regietheater-betriebs in den Fokus – und entwickelte zugleich eine Beziehungs- und Familien-geschichte großen Formats.
Rehs zweiter Roman „Gibraltar“ (2013) verknüpfte die Finanzkrise des Jahres 2008 mit Schicksalen der Migranten, die übers Mittelmeer nach Europa fliehen. Souverän und leidenschaftlich erzählend verbindet Reh mit seinem in diesem Jahr erschienenen Chile-Buch „Gegen die Zeit“ einen psychologisch subtilen Bildungsroman mit der politisch-historischen Dimension des Putsches gegen Salvador Allende.
Der bereits mehrfach ausgezeichnete, heute in Berlin lebende und als Therapeut arbeitende Preisträger studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. Er hat bereits in den Jahren 2004 und 2008 mit zwei Erzählungen den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr erhalten.

Britta Heidemann
Britta Heidemann (geb. 1971) stammt aus Mülheim/Ruhr und arbeitet als Kultur-redakteurin. Sie ist Mutter von achtjährigen Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in Essen. In ihrer Erzählung „Schwimmen mit Seehund“ jongliert sie poetisch-artistisch mit dem Thema „Doppelleben“:
Marie lernt quasi aus Versehen den Meeresbiologen Simon kennen, der als Ehemann und Liebhaber zwei Leben an zwei Orten lebe, wie er ihr erzählt. Seiner Frau habe er gesagt, er arbeite seit Monaten in der Stadt am Fluss (die Mülheim verdächtig ähnlich sieht), während er in Wahrheit, wie er Marie gesteht, auf einer Nordseeinsel jobbe und dort eine Freundin habe. Marie als vermeintliche Leiterin einer Agentur für Doppelleben hilft Simon, sie sucht ihm eine Wohnung, richtet sie ein und erfindet ihm zunächst Fragmente eines Pseudo-Lebens, das sich jedoch zunehmend verselbständigt. Und das hochkomplexe Spiel um Liebe, Identität und Lebensentwürfe geht weiter .

Robin Berg
Robin Berg (geb. 1989) aus Bochum schreibt seit seinem elften Lebensjahr und studiert an der Ruhr-Universität Philosophie und Literaturwissenschaft.
In seiner Kurzgeschichte „Im anderen Bett“ erzählt er von Claudio Augustino Wagenstein, der eines Morgens nach einer mit Freunden durchzechten Nacht fern von Zuhause in einem anderen Bett, neben einer anderen Frau, in einem ganz anderen Leben aufwacht. Verwirrt muss er feststellen, dass sich außer ihm niemand darüber wundert. Vergeblich versucht der verzweifelte Wagenstein, sich zu orientieren, doch das Vexierbild seines Lebens scheint endgültig verrutscht zu sein – eine ebenso gekonnte wie originelle Interpretation des Themas „Doppelleben“.

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