Niederrheinpokalfinale: Fans verwandeln Hafenstraße zum „Hexenkessel“ – RWE holt sich den Pott

rwo rweBereits Stunden vor Beginn der Partie machten sich etliche Zuschauer auf dem Weg in die umliegenden Bars, aber auch Restaurants. Die Anfahrt wurde zur Geduldsprobe, denn es staute sich ganz schön um das Stadion Essen. Ein Fan gegenüber XN: „Endlich ist die Bude mal wieder voll“, ein anderer äußerte folgenden Satz: „Heute wird es laut an der Hafenstraße“. Emotionen vor dem Spiel die bestätigten, dass die Partie mehr als nur ein Derby sein würde. Der Gewinner des Finals qualifiziert sich direkt für den DFB-Pokal.

Die Partie begann sehr rasch, beide Teams gingen sehr zweikampfintensiv in die Partie. Den anwesenden Zuschauern wurde schnell übermittelt, dass es hier nicht locker zu gehen würde, sondern beide Teams mit Tugenden, wie Kampf und Leidenschaft die Partie bestreiten werden.

Essen war das offensiv ausgelegte Team, während die Gäste aus Oberhausen eher auf Konter lauerten. Über die gesamte Spielzeit, sprich den 90. Spielminuten sahen die 18.500 Zuschauer ein intensives 0:0. Kein Team wurde für das hohe Engagement belohnt. Die Konsequenz lautete: Verlängerung, da auch hier kein Treffer erzielt worden ist ging es ins Elfmeterschießen. Hier konnte RWE-Keeper Niclas Heimann den letzten RWO-11er parieren. Mit der Folge, dass praktisch der Heimverein den „Pott“ in die Höhe strecken konnte. Nach der Partie wurde ordentlich gefeiert, Spieler, Trainer und Betreuer zeigten sich den Zuschauern. Fakt ist mit dem Sieg über RWO konnten sich die Essener für den DFB-Pokal qualifizieren.

Beeindruckend war die Stimmung im Stadion Essen. Stimmung, die sich wohl nur im Ruhrgebiet realisieren lässt.

Fans sorgen für „Hammer-Kulisse“ – „Das war Gänsehaut pur“

Einen großen Beitrag für eine herrliche Kulisse rund um das Niederrhein Pokalfinale trugen die anwesenden Fans bei. Mit lautstarken Gesängen sowie anderen Fan-Utensilien sorgten beide Fan-Lager für eine herrliche Kulisse, die quasi an alte „Schlachten“ aus dem Georg-Melches Stadion erinnerten. Ex-Coach Wrobel äußerte nur: „Das hier ist Gänsehaut pur“.

Thomas Kufen (CDU und OB Kandidat der Stadt Essen):Wir haben ein tolles Fußballspiel gesehen über 120 Spielminuten + Elfmeterschießen. Es ist beeindrucken, wie die Zuschauer hinter dem Club stehen, dazu der Zusammenhalt auf dem Feld. Fußball ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft“.

Steinmetz-Impuls reichte nicht aus – „Er verkörpert RWO“

Als die beiden Trainer Zimmermann/Langerbein sich dazu entschieden in der 53. Spielminute den jungen Raphael Steinmetz für „Ausfall“ Haas zu bringen, erhofften sich die Verantwortlichen an der Seitenlinie neue Impulse. Steinmetz brachte auch frischen Wind in die Truppe, aber es reichte einfach nicht. Es sollte einfach nicht sein an diesem Donnerstagmittag für RWO. Positiv ist jedoch der Umbruch in Oberhausen, nach vielen Rückschlägen musste sich der Club konsolidieren. Mit Erfolg, denn der neue Weg auf talentierte Kicker aus der Region zu setzen trägt bereits erste Früchte. Steinmetz ist das „Aushängeschild“ der Entwicklung. 2014 wechselte er von der DJK Arminia Klosterhardt (Landesliga) zu seinem „Traumverein“ RWO. Der gebürtige Oberhausener ist durch seine emotionale Art bei den Zuschauern des Traditionsclubs „Kult“. „Er verkörpert Oberhausen und ist für den Verein eine Bereicherung. Genau der richtige Weg, um sich innerhalb des Vereins einen Adler-Status oder Terranova-Status zu erarbeiten.“ So Ex-RWO Spieler Julian Lüttmann.  

rwo anhängerKühn der Rückhalt bei RWO – „Schade, dass es nicht gereicht hat“

Für Philipp Kühn geht es nach der Saison 2014/2015 zurück zum Zweitligisten SV Sandhausen, wo er den nächsten Schritt seiner Laufbahn gehen wird. Bereits in Essen vor Ort waren die SVS-Verantwortlichen Ottmar Schork (Geschäftsführer) sowie Daniel Ischdonat, Torwarttrainer der Sandhäuser. „Philipp hat große Qualitäten, die er bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat.“ So der Torwarttrainer des SVS.

In der Tat war es am Donnerstagnachmittag Philipp Kühn der die offensiven Essener zu halt brachte. Mehrfach reagierte der sympathische Schlussmann mit Glanztaten, gerade in 1/1-Situationen sowie bei hohen Bällen strahlte der RWO-Keeper Souveränität aus, Stärken die sich sein neuer sowie alter Arbeitgeber wohl genauestens notiert haben werden.

Philipp Kühn gegenüber XN nach der Partie: „Es ist schade, dass wir im Elfmeterschießen gescheitert sind, aber wir hätten einfach in der regulären Spielzeit vor dem Tor der Essener mehr Druck ausüben müssen. Fakt ist, dass wir nun verloren haben. Die Zuschauer haben aber insgesamt eine sehr attraktive Partie gesehen. Vielen Dank an unsere Fans, die uns fantastisch unterstützt haben.“

Lucas der „Glücksbringer“ – „Geschichten, die es nur im Fußball gibt, insbesondere im Ruhrpott“

Ja, was macht denn der Lucas da? – Eine Frage, die sich viele RWE-Anhänger wohl beim Niederrheinpokalfinale gestellt haben dürften. Mit recht, denn zur Aufklärung: Jürgen Lucas ist bereits seit einigen Jahren bei RWE als Jugendcoach beschäftigt (stieg mit der U19 in die Bundesliga auf), nach Entlassung von Erfolgslos-Coach Marc Fascher baten ihn die Verantwortlichen an der Hafenstraße interimsmäßig das „Zepter“ bei den Rot Weissen zu übernehmen. Lucas überlegte nicht lange und sagte zu, mit der Voraussetzung, dass „Kumpel“ Markus Reiter sein gleichberechtigter Partner sein würde, quasi die „Doppelspitze“ Lucas übrigens ohne Trainerlizenz. Beide Coaches übernahmen den „Trümmerhaufen“ von Fascher und formten in kurzer Zeit eine reife Mannschaft, die es versteht, dass in der Regionalliga Laufbereitschaft sowie Kampf eine große Rolle neben der fußballerischen Qualität spielen. Lucas konnte den Job als Chef-Trainer bei RWE nicht lange ausüben. Grund: Jahresurlaub verbraucht! Bei seinem Arbeitgeber, wo Lucas in der Vertriebsleitung agiert bekam der sympathische Coach keinen „Sonderurlaub“, die Folge lautete, dass Lucas nach nur wenigen Wochen als Interimstrainer den Hut nehmen musste, sich für das Vertrauen bedankte und dem Umfeld der Essener das Beste wünsche. Tolle Geste von Reiter: Er nahm den Coach bei dem so wichtigen Spiel wieder in sein Team und wie er dabei war, so sehr, dass Lucas sehr aktiv in der Coaching-Zone agierte. „Es war einfach herrlich dabei zu sein.“ So Lucas nach der Partie gegenüber XN. Übrigens die Zuschauer in Essen honorierten so viel Engagement. Lucas wurde nach der Partie lautstark gefeiert.

Aufstellungen

RWE: Heimann, Binder (65. Treude), Weber, Grund (77. Freiberger), Grebe (95. Kreyer), Platzek, Studtrucker, Zeiger, Huckle, Dombrowka, Baier

RWO: Kühn, Herzenbruch, Haas (53. Steinmetz), Weigelt, Caspari, Reinert, Fleßers, Scheelen, Brisevac (106. Schneider), Bauder, Jansen

Schiedsrichter: Winkmann – Kötter, Schwanicke (XN-NOTE 4)

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