Moms Mind: Eine Runde mit dem Bobbycar…

Die meisten Mütter dürften beim lesen der Überschrift schon die Hände über den Kopf zusammenschlagen, oder genervt mit den Augen rollen. Im übrigen lässt sich das Bobby Car auch durch Dreirad oder Puky ersetzen. -Am Ende läuft’s nämlich alle auf das selbe hinaus, nämlich überall hin, nur nicht geradeaus.

Heute durfte ich mich wieder auf dieses freudige Ereignis einlassen. Da die Sonne gefühlt das letzte Mal vor hundert Jahren zu scheinen schien (scheinen schien- gut, oder?) wurde es heute, nachdem wir, also Kind und seine Frau Mama, den Herbst und Winter damit verbracht haben, vermeintliche Killer-Viren-Epidemien aus der KITA auszustehen (ohne den Verstand zu verlieren) endlich mal wieder an der Zeit, ein wenig ‚Pottsche Frischluft zu schnuppern.

p2_bbc-family_rutscher_1plus (1)Das Kind also unter Protest, immerhin in unter einer halben Stunde, vakuumverpackt in tausenden von Stoffzwiebelschichten für eisige Außentemperaturen gerüstet, und das seit Sommer verschollen geglaubte, mittlerweile nicht mehr ganz so leuchtend rote Rutscheauto (mit Schiebestange wohlgemerkt!) aus der letzten Nische des völlig überfüllten Kellers herausbugsiert! (Hey, ein Klacks während man unter Kiloweise Winterklamotten versinkt und das Kind einen ungeduldig von der Treppe aus anfeuert!)

Nun ja, ich möchte Euch nicht mit Kleinigkeiten aufhalten!

Irgendwann habe ich es dann unter Einfluss eines Wunders hinaus in die weite Welt geschafft.

Die ersten zehn Meter wunderte ich mich noch, wieso ich das geliebte Rutscheauto im Sommer immer so sehr verflucht hatte. Ich sollte doch schon bald eines besseren belehrt werden, denn während ich noch in Gedanken war, ging es auch schon los.

Das Kind nimmt eine scharfe Rechtskurve auf gerader Strecke. Ich stemme mein übriggebliebenes Schwangerschaftskampfgewicht auf die Schiebestange und bringe das Kind auf den rechten Weg, oder, in unserem Falle, auf dem Geradeausweg.

Kaum dass das Rutscheauto wieder Bodenkontakt aufgenommen hat, steuert es wieder in Richtung Häuserwand. Wieder kommt mein rettendes Gewicht zum Einsatz.

Kurz überlege ich, einfach umzudrehen, doch das würde heftige Konsequenzen nach sich ziehen… Für mich!

Ich wäge ein kurzes Pro und Contra ab, und entscheide mich für eine Weiterfahrt. -Wieder in Richtung Häuserwand!

Ich gehe in die Hocke, schaue meiner Tochter in die Augen, und versuche ihr die Lenkung des Bobby Cars schmackhaft zu machen.

Überzeugt von meinen Belehrungskünsten geht es weiter… Gegen die Häuserwand…

Ich lenke ein. -Und ernte Protestrufe. Puuuuh… Na gut… Weiter geht’s.

Mittlerweile fährt das Rutscheauto nur noch auf seinen beiden Hinterreifen, die vorderen sind in der Luft und in meiner rechten Schulter beginnt es zu schmerzen. Das Kind schimpft laut- so hatte es sich seinen Ausflug sicher nicht vorgestellt… Bis zum Ende der Straße haben wir es nun schon geschafft, überholt von Rollatoren, dreibeinigen Hunden und skatenden Mittvierzigern. Meine viel zu beladene Handtasche hängt schon halb in meiner Armbeuge. Aber wir geben jetzt nicht auf! Eine Runde um den Block, das hatte ich mir geschworen!

Die Rechnung hatte ich jedoch ohne meine Kurze gemacht. Prompt steht Sie auf und weigert sich weiterzulaufen. Dicke Krokodilstränen kullern über ihre Pausbäckchen. „Mami, Arm!“ Ich verkneife mir den Gedanken ob es sich hier um einen ‚Ist-Zustand‘ handelt, oder um die Tatsache, dass mein Kind getragen werden will, weil es, milde ausgedrückt, die Schnauze voll halt von diesem dritklassigen Road Trip.

Ich unterbreite 2 Auswahloptionen: Laufen oder Fahren, wobei der Luxus bei zweiterem darin bestehen würde, dass ich das Auto auf 2 Reifen schieben würde.

Das Kind hält nicht viel von dieser engen Auswahl und beschließt sein stärkstes Druckmittel einzusetzen. Eins, das in mir bewirkt, dass ich sauer werde und mich gleichzeitig unsicher und ängstlich stimmt. Es weint! Und das in einer sehr schrillen Tonlage unterlegt mit vielen Schluchzern! Ich als Mutter weiß, dass es sich hier um ein Druckmittel handelt, um nichts wildes. Für Außenstehende mag es sich anhören, als hätte ich dem Kind nicht nur seinen Lutscher geklaut, sondern alles Süße und viele Hundewelpen dieser Welt eliminiert. Schreckliche Mutter. Die Blicke der vorbeigehenden Passanten prasseln auf mir ein wie Nadelstiche. Eine ältere Dame bemitleidet meine Tochter im vorbeigehen, die daraufhin (für mich bis dato Unbekannte) schrille Tonlagen in verschiedensten Oktaven heraufbeschwört. Wir laufen noch einige Meter bis ich einknicke, mich für meine Konfliktvermeidende, Pädagogisch in den Arsch getretene Art verteufele, das Kind unter meinen linken Arm packe, die Handtasche mit Übergewicht über die Schulter schmeiße und elegant das Staubrote Bobby Car nach Hause schiebe.

Und die Moral von der Geschicht:

Mit dem Rutscheauto fahre nicht… (oder lass‘ diesen Part den Papa übernehmen, oder den Opa, oder die beste Freundin, den Onkel, wen auch immer, mich jedenfalls nie, nie mehr!!)

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