christlich-muslimischer Gesprächskreis Duisburg: „Nein zu Hass und Gewalt im Namen der Religion!“

Mit Fassungslosigkeit haben wir Kenntnis genommen von den in Paris verübten, dschihadistischen Attentaten, denen Menschen unterschiedlichster Weltanschauung zum Opfer gefallen sind. Wir sehen darin zugleich einen gewaltsamen Angriff auf die Meinungsfreiheit in einer offenen und religiös pluralen Gesellschaft.
Wir verurteilen auch die Art und Weise, wie nun andere Kritiker der offenen und religiös pluralen Gesellschaft, die wir u.a. in der PEGIDA-Bewegung, ihren Ablegern und rechtsextremen Zuarbeitern ausmachen, diese Anschläge ausnutzen, um Islamfeindlichkeit und ein Klima des Hasses zu schüren.

Die muslimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Kreises werden schon längere Zeit mit anti-islamischen Ressentiments konfrontiert. Nach den terroristischen Attentaten von Paris befinden sie sich in einer bedrückenden Situation. Die durch nichts zu rechtfertigenden Morde in Frankreich (oder in Nigeria!Oder Syrien!) haben nichts mit ihrem Verständnis des Islam und ihrer Praxis zu tun, nach der sie hier in Deutschland ihr Leben gestalten. Dennoch werden sie ständig gedrängt, ihre Friedfertigkeit durch öffentliche Distanzierungen unter Beweis zu stellen. Diese Forderung wird zunehmend als Ausgrenzung erfahren. Das Misstrauen, das hinter solchen Forderungen steckt, erschwert das Zusammenleben im Alltag. Gerade auch jüngere Musliminnen und Muslime, die vielfach mit diskriminierenden Vorurteilen zu kämpfen haben, registrieren dies sehr genau. Ihre legitime Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe am Leben der Gesellschaft verhallt und zeigt, dass die Gesellschaft sich trotz aller Lippenbekenntnisse immer noch nicht auf die Präsenz des Islam in Deutschland eingelassen hat. Auch die christlichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen unseres Kreises bemerken, dass die Reduzierung ihres Glaubens auf den kulturellen Begriff eines „christlichen Abendlandes“ oder einer „westlichen Wertegemeinschaft“ ihrem Glauben nicht gerecht wird. Ihr christlicher Glaube lässt sie Anteil nehmen an den Bedrängnissen und Nöten ihrer muslimischen Partner.

Als Mitglieder des christlich-muslimischen Gesprächskreises
• wehren wir uns gegen alle Versuche, religiöse Überzeugungen für Gewalt oder soziale Ausgrenzung zu missbrauchen.
• wenden wir uns auf Grund unseres Glaubens gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte.
Wir haben erfahren:
• dass wir als Christen und Muslime viele Glaubensüberzeugungen und Werturteile miteinander teilen und dass wir uns über religiöse Unterschiede austauschen können, ohne dass unsere
gegenseitige Wertschätzung Schaden nimmt.
• dass uns die Vielfalt in unserem Kreis bereichert und ein Vertrauen gewachsen ist, das positive Auswirkungen auf unseren Alltag hat.
• dass unsere Erkenntnis Gottes begrenzt ist und zur Bescheidenheit nötigt. Absoluter Wahrheitsanspruch ist eine ungerechtfertigte und gefährliche Anmaßung. Aus einem
konstruktiven Dialog gewinnen wir Einsichten, die für die friedliche Gestaltung unserer Stadtgesellschaft hilfreich sind.
Aus langjährigen Erfahrung als Mitglieder des christlich-muslimischen Gesprächskreises sagen wir Nein zu Hass und Gewalt im Namen der Religion! DIALOG JETZT ERST RECHT!

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