Fracking: Histerie, Verschwörung oder nur Gewinnoptimierung ?

Bevor ich auf das eigentliche Thema „Fracking“ eingehe, möchte ich noch ein paar Worte zum wertvollsten Gut, unserem Grund- und Trinkwasser, loswerden.

Quelle: bilderzwerg / Fotolia.com

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Dürregebiete in Afrika und Asien zeigen uns unverblümt, wie überlebenswichtig Wasser für das Leben auf diesen Planeten ist. Es heißt, es werden bald nicht mehr Kriege um Rohstoffe wie Öl geführt, sondern das Wasser löst die Stellung des Öls ab, weil es immer wertvoller wird.

Nun kommt es nicht von ungefähr, warum dieser Rohstoff so wertvoll ist. Die Ressourcen verknappen sich, weil wir mit dem Wasser in unserer Gesellschaft nicht sparsam umgehen. Mit Trinkwasser werden Badewannen gefüllt, unsere Kleidung gewaschen, unser Essen gekocht und der Rasen im Garten gesprengt. Der Verbrauch steigt und steigt, die Kosten waren jedoch bisher stabil. Nur bleibt das so?

Hinzu kommt die tägliche Verunreinigung unseres Wasser.

Es geschieht direkt vor unserer Haustüre, auch hier in Duisburg, nur erkennen wir es auch wirklich ?

Enorme Aufwendungen (z.B. ausgefeilte Klärtechnik) sind nötig, das wertvolle Gut Trinkwasser zu erhalten.

Hier einige Beispiele, die nachweislich für die Verunreinigung unseres Wassers verantwortlich sind.

Exzessiver Einsatz von natriumhaltigen und nitrathaltigen Düngemitteln bzw. Pflanzenschutzmitteln in unserer von Monokultur geprägten Landwirtschaft bedroht unser Grund- und Trinkwasser. Punktuelle Proben haben dies unlängst gezeigt.

Der unachtsame Umgang mit Medikamenten und anderen Stoffen der Pharmaindustrie und die damit verbundene Entsorgung durch die Kanalisationssysteme unserer Städte bedrohen unsere Flüsse und Seen und somit auch zwangsläufig, in Überschwemmungsgebieten, unser Grund- und Trinkwasser mit gefährlichen Reststoffen, den relevanten Metaboliten und anderer Pharmastoffe.

Giftstoffe wie Blei, Cadmium, Arsen und andere Schwermetalle, aber auch radioaktive Stoffe, Randprodukte unserer Industriekultur, fallen mit dem Niederschlag auf die Erde und belasten ebenfalls das Grund- und Trinkwasser.

Handgemachte, durch Menschen verursachte Katastrophen, wie der 8,5 Quadratkilometer große, mit PFT belastete unterirdische See im Düsseldorfer Norden (Grenze zu Duisburg-Süd), hervorgerufen durch ein Löschschaumeinsatz beim Brand am Düsseldorfer Flughafen vor ein paar Jahren, tun dabei ihr Übriges bei der Verseuchung des Grund- und Trinkwassers.

600000 Tonnen gelagerter Giftmüll droht das Grubenwasser in den Stollen ausgedienter Bergwerke, wie das in Duisburg-Walsum, mit Dioxinen und Schwermetallen zu verseuchen, was auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anschließend das Grund- und Trinkwasser belasten wird.

Auch oberirdische Deponien, wie die geplante Deponierweiterungsmaßnahme in Duisburg-Wehofen, können mit ihrem Niederschlagssickerwasser bei Undichtigkeiten in ihrer Abdichtung, eine Vermischung von Giftstoffen wie Dioxine und Schwermetalle mit dem Grundwasser hervorrufen und belasten dann angrenzende Flüsse, wie die Emscher, einen regionalen Fluss des Ruhrgebietes.

Ich möchte hier nicht das ökologische Horrorszenario an die Wand malen, aber leider sind diese Gefahren allgegenwärtig. Müssen wir es soweit kommen lassen?

Neben den ökologischen Risiken kommt der ökonomische Wahnsinn, der uns schon phasenweise erreicht hat.

Durch die geplante Privatisierung der (Trink-) Wasserwirtschaft wird das Gut Wasser bald nicht mehr bezahlbar sein. Die Kosten werden für den Verbraucher unweigerlich steigen.

Fest steht, das der Wirtschaftfaktor Wasser einmal wertvoller sein wird, als das heutige Rohöl, weil die bewusst hingenommene Verknappung der Ressource (Trink-) Wasser eine wesentliche Rolle bei der Gewinnoptimierung einiger Großkonzerne an den Börsen dieser Welt spielt.

Einige wenige von uns erkennen bereits die lauernden ökologischen und ökonomischen Gefahren und rufen zu Gegenmaßnahmen auf. Die Politik ist dabei gefordert, denn die Privatisierung der Wasserwirtschaft ist bereits im vollen Gange.
Durch den Verkauf kommunaler Wasserwerke nimmt genau diese ökonomische Apokalypse ihren Lauf, weil damit verbundene staatliche Kontrollinstrumente, im Hinblick auf die Reinheit des Wassers und der Preisgestaltung ausgehebelt werden.

(Trink-) Wasser zu besitzen wird bald nur noch eine Frage des Geldbeutels einiger Weniger sein. Gewinne und Spekulationen gehen halt vor. Wollen wir das ?

Als wäre dies nicht genug, kommt jetzt noch eine weitere ökologische und ökonomische Herausforderung auf die (lokale) Wasserwirtschaft zu. Das so genannte „Fracking“.

Hierbei werden bei Bohrungen, mehrere hundert Meter tief, Flüssigkeiten, so genanntes Fracfluid, in den Boden gepresst, um die Gesteins- und Schiefermassen auf zu brechen und das dort beinhaltete Erdgas nach oben zu befördern.

Diese Flüssigkeiten enthalten giftige chemikalische Substanzen, deren Zusammensetzung der Allgemeintheit vorenthalten werden und deren Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen unerforscht bleiben. Auch das nach oben beförderte Abfallprodukt, das Frackwasser, welches aus den Tiefen kommt, stellt eine Gefahr für die Umwelt dar.

Das Grundwasser wird nachweislich gefährdet, da wo bereits Fracking betrieben wurde. Kanada und die USA bilden einige Beispiele. Spuren von Gasen, wie Methan, Ethan und Propan vermischen sich mit dem Grund- und später auch Trinkwasser. Auch Chemikalien, die beim Fracken benutzt werden, wurden in Trinkwasserproben nachgewiesen und haben dieses verunreinigt.

Längst wurden bereits in Deutschland, in NRW und auch hier im Ruhrgebiet so genannte „Claims“ von den betreibenden Firmen wie Exxon Mobil und anderen abgesteckt. Bei den Claims handelt es sich um die Förder- und Abbaugebiete.

Probebohrungen konnten jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt von der örtlichen Bürgerinitiativen und der rot-grünen Landesregierung erfolgreich verhindert werden.

Einige Sozialdemokraten im Lande, sowie Großteile der Opposition (CDU und FDP) wittern die Goldgräberstimmungen, die von den Fracking betreibenden Unternehmen malerisch an die Wand „gezeichnet“ werden.

Hinzu kommt eine Propagandamaschinerie, die durch Äußerungen des Nato-Generalsekretärs eine neue Dimension erreicht hat. Rassmussen behauptet, die Anti-Frackingbewegung werde von Russland unterstützt, damit Europa vom russischen Gas weiterhin abhängig bleibt. Solche Verschwörungstheorien heizen die Stimmung unverhältnismäßig an. Seiner Rhetorik nach müsste jede örtliche Bürgerinitiative vom Kreml unterwandert und finanziert werden, damit große amerikanische Unternehmen in Deutschland kein Geschäft machen können. Was für ein Quatsch!

Unterstützt werden die Fracking-Befürworter jetzt auch noch von der Bundesregierung. Wirtschaftminister Sigmar Gabriel (SPD) möchte die Fußballweltmeisterschaft dazu nutzen, abseits der medialen Aufmerksamkeit, ein Gesetz zu verabschieden, welches zukünftig den Betreibern den Einstieg ins Fracking auf deutschem Gebiet erleichtern soll.
Das Bundeswirtschaftsministerium macht dabei Druck beim dieser Gesetzesinitiative: Die gesetzlichen Regelungen für die umstrittene Technologie zur Erdgas-Gewinnung könnten nach seiner Zeitplanung bereits im Herbst in Kraft treten. Das Haus von Minister Gabriel will den Gesetzesentwurf dafür möglichst noch in der nächsten Woche ins Bundeskabinett bringen, die Verabschiedung in Kabinett und Bundestag soll dann nach der Sommerpause, die Abstimmung im Bundesrat dazu im September erfolgen. Mit der anschließenden Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt würde das Gesetz dann Rechtskraft erhalten. Gabriel handelt dabei gegen die Genossen in der eigenen Partei. Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin des Landes NRW hat sich vor Zeiten selbst einen Überblick in Sachen Fracking verschafft, indem sie nach Kanada reiste und sich dort die ökologisch verseuchten Gebiete anschaute und mit der betroffenen Bevölkerung redete. Seit diesem Besuch ist sie öffentlich eine bekennende Fracking-Gegnerin. Nun bleibt ab zu warten, wer sich innerhalb der SPD durchsetzt.

Ich persönlich komme zu dem Schluss, Fracking hat in Deutschland keine Chance, die Ressourcen stehen nicht im Verhältnis zu den ökologischen und ökonomischen Risiken und Folgen. Herr Rassmussen, ich bin kein vom Kreml bezahlter Fracking-Gegner, ich bin ein frei denkender Mensch, der für sich zu dem Ergebnis kommt: STOPPT FRACKING !!

One thought on “Fracking: Histerie, Verschwörung oder nur Gewinnoptimierung ?

  1. Vielen Dank für Ihren Artikel, in dem vieles richtig aber auch vieles falsch ist. Trinkwasser ist ein wichtiger Rohstoff, vielleicht neben Nahrunsgmitteln der wichtigste. Im Gegensatz zu andern Rohstoffen wird er aber genau wie Energie nicht verbraucht sondern steht immer in gleichbleibender (nahezu unerschöpflicher Menge) zur Verfügung (wenn auch ungleich verteilt). Er wird verunreinigt aber diese Verunreinigungen werden durch natürliche Prozesse (Verdunstung) wieder entfernt. Es gibt auch viele andere Rohstoffe, die wir für ein uns angenehmes Leben brauchen, angefangen von Baumaterialien bis hin zu den 2000 Rohstoffen, die in einem Handy verbaut sind. Auch die Versorgung mit diesen Rohstoffen (die oft endlich sind) ist eine Aufgabe zur Befriedigung des Gemeinwohls. Nun zum Fracking: In Deutschland ist von den bisher durchgeführten 350 Fracs keine Beeinträchtigung des Grundwassers bekannt. Fracking findet in großen Tiefen statt und Wasser fließt nicht bergauf. Die Bohrungen kreuzen zwar die oberflächennahen Grundwasserleiter sind hier aber Leitungen wie tausend andere auch. Sie können im Ausnhamefall sicher auch mal Undichtigkeiten haben (siehe Gronau). Viel gefährlicher sind die Tausende Kilometer Gasleitungen, die selbst in die Wohngebiete hineinreichen. Auch Abwasserkanäle sind (meist) undicht und tragen einen Giftcocktail aus Kolibakterien, Medikamentenresten, Hormonen, Schwermetallen und vieles mehr. Neben diesen Tausenden von Kilometern undichter Giftleitungen die im Gruundwasser leigen sind die wenigen Zehnermeter in denen die Leitung in einer Bohrung den Grundwasserhorizont kreutzt unerheblich. Nun zur Finanzierung: Umweltverbände brauchen Geld (schon zum Zocken, siehe Greenpeace), wo kommt das her? Bürgerinitiativen brauchen Geld, wo kommt das her? Warum üben diese Gruppen nicht einmal selbst die von anderen geforderte Transparenz und legen ihre Finanzen offen. Kennen sie wirklich jeden Spender persönlich?? Natürlich wird der Spender nicht Putin heissen sondern Müller oder Meier. Also, bitte bei den BIs mal nach den Finanzen fragen.
    Ansonsten nochmals vielen Dank für Ihre weitgehend sachlichen Argumente.