Eine Chance für die Philosophie?

Wikimedia – Diogenes

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Kulturkritik – Neuigkeiten innerhalb der Philosophie beschränkten sich in den letzten Jahrzehnten zumeist auf Vorlesungsankündigungen bzw. -verschiebungen, …

… auf Stellenausschreibungen oder auf Medien-Spektakel, die, so muss man wohl inzwischen einräumen, keiner mehr erleben möchte. Philosophie ist zu allererst ein Fach, das aber im Rahmen der Studienreformen an Berechtigung einbüßte, weil aus Ministerialsicht kein Nutzen absehbar war. Wer braucht so etwas – sieht man davon ab, dass unsere westliche Zivilisation auf Philosophie beruht – oder, so ließe sich einwenden, auf das, was davon hängengeblieben ist? Wofür in pragmatisch verwalteten Gesellschaften noch Philosophie – ja, wofür noch Zivilisation? Die Abschaffung der Sprache ist schon eingeleitet. Bunte Icons reichen völlig aus! Dass auch diese auf Sprache beruhen, durch sprachliche Differenzierung gebildet wurden, wird niemand mehr bemerken wollen.

Haben wir nicht auch längst unser Leben an den Nagel gehangen, den uns die Geheimdienste an den rechten Platz montierten, damit wir säuberlich entledigt die Wohltaten genießen können, die uns die Medienwelt präsentiert? Der Konsumfraß ist derart selbstverständlich, dass kaum noch ein Wort verstanden wird, das über Kommunikation zur Kommunikation zur … hinausreicht! Rein / raus, rein / raus … hahaha. Doch niemand muss sich sorgen, denn schließlich ist – zumindest in Deutschland –, alles Kultur, ersatzweise, damit das mit dem Medienmüll funktioniert, alles was Menschen je angestellt haben. Bis es zu spät ist, uns Erregerkulturen komplexer erscheinen, weil sie uns über den Kopf wachsen, z.B. in Krankenhäusern, obwohl doch ‚der Mensch‘ einst von Gottes Gnaden die Ermächtung erhalten hatte, nur sein Werk als Kultur auszugeben, DIE KULTUR, wie dreckig, versifft und verseucht Hinterhöfe, das Meer, die Luft auch sein mögen, die er letztlich den Bakterien überlassen muss, weil er im eigenen, im künstlich angelegten Sumpf ersticken wird!

Und Philosophie? Sie hat sich längst aus den Universitäten verabschiedet, weil ein Widerkäuen zwar die Grundlage von Weidewirtschaft ist, doch diese Tiere enden im Schlachthaus, wie fast jeder ahnen wird. Philosophie würde nur durch ihre Weiterentwicklung leben. Nein? Dann könnten wir uns auch gegenseitig erschießen, mit Pumpguns im verseuchten Hinterhof! Das würde Spaß machen, wäre der Nachtisch, den uns die Philosophie beließe, wenn wir sie für beendet, für tot erklärten! – Das müsste aber nicht sein, wenn man was wüßte, wie das geht, Weitereichendes zu entwickeln … so etwas ließe sich nicht pragmatisch verwalten, ja überhaupt nicht verwalten, dazu bedürfte es, wie heißt doch das Zauberwort, ‚Kreativität‘ — doch dieses Wort kann nicht helfen, auch dann nicht, wenn man es von einer Backe in die andere lutscht, ist es doch längst wirtschaftlich versüßt, auf eine Befriedigung ausgerichtet, die einer Nachfrage, oder einer hypothetischen – nach Neuem, wer fragt danach, in einer pragmatisch verwalteten Hinterhofwelt. Nicht Hinterhof, sondern Weltstadt Berlin? Also doch ein Hinterhof, ein erbärmlicher Hinterhof der Philosophie!

Vielleicht erstaunt es, dass es noch Winkel gibt, in denen Philosophie engagiert betrieben wird: Das Sprachanalytische Forum ist ein solcher Kreis, der zwar den Universitätsbetrieb abgeschrieben hat, ebenso das Fach, nicht jedoch den Hang zu Neugierde und Irritation. Erschienen ist: „Analytische Philosophie?“, hg. v. Kai Pege, mit besonderer Berücksichtigung des menschlichen Alltags. Der Verlag hält weitere Infos bereit.

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Der Beitrag entstand zunächst für den Freitag.

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