„Ich heiße Ilia und will Architekt werden“

illjaDer Wunsch eines Romajungen aus Bulgarien zeigt das Dilemma der Zuwanderung

 

Von Stephanie Hajdamowicz

 

Sie kommen hierher, weil sie Arbeit suchen und eine Zukunft für ihre Familien. Wie der Romajunge Ilia. Er ist jetzt 15, die Eltern kommen aus Shumen, einer Kleinstadt in Ost-Bulgarien. Duisburg ist für sie wie das gelobte Land. Denn Ilia lernt Deutsch, geht in ein Gymnasium und er hat Pläne für die Zukunft. Will Architekt werden. In Bulgarien war es für die Familie schwer. Sie waren in Not geraten. Hatten keine finanziellen Möglichkeiten mehr.

Alle Kinder, die hier nach Duisburg gekommen sind, träumen wie Ilia von einer besseren Zukunft. Zu Hause in ihren Dörfern in Bulgarien und Rumänien wachsen sie unter prekären Verhältnissen auf. Oft fehlt das Geld fürs Essen, die Bleibe ist meist heruntergekommen, sie erleben ihre Kindheit zwischen Müll und Zerstörung.

Für ihre Eltern ist es in diesen Ländern nur sehr schwierig, die Familie über Wasser zu halten. Viele von ihnen sind Handwerker oder Musiker. Doch es gibt zu wenig Arbeit.

Sie sind Grenzgänger, kommen über illegale Transporte nach Duisburg. Wie genau, darüber wollen die meisten nicht gerne reden. Oft haben sie Geld gezahlt, um in Duisburg, Dortmund oder Köln oder woanders in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Viele Strapazen haben sie hinter sich gebracht, um in einer herunter gekommen Wohnung in Duisburg-Hochfeld oder Duisburg-Bruckhausen zu leben.

Schleuserbanden sollen den Transport organisieren. Sie verlangen schon im Heimatland Geld für die Fahrt über die Grenzen. Viele landen erst einmal in Italien. Dort gibt es eine erste Bleibe, ein bisschen Bargeld und die Regelung, sehr schnell das Land wieder zu verlassen. Wohin? Deutschland ist eine Alternative.

Die Familien sind gut vernetzt. Wissen, wo andere entfernte Verwandte leben, orientieren sich an deren Erzählungen. Eine heruntergekommene Wohnung in Duisburg-Hochfeld oder Duisburg-Bruckhausen ist für sie oft ein Paradies. Denn sie ist trocken, hat  fließend Wasser, eine Heizung, auch wenn sie vielleicht nicht immer funktioniert, sie erhalten warme Kleidung und vielleicht Arbeit. Arbeit, die sie in ihren Heimatländern nicht mehr haben. Ab Januar dürfen sie hier auch offiziell arbeiten. Bisher war das noch etwas kompliziert. Die meisten lebten vom Kindergeld. Nur für Selbstständige gab es Unterstützung vom Amt, das hat sich dann auch schnell herumgesprochen unter den Straßenmusikern. Musik spielt im sozialen und kulturellen Leben der Roma eine wichtige Rolle. Kinder wachsen früh in den Musikerberuf hinein.

Auch Ilia macht Musik. Andere als sein Vater. Der macht Jazz, Folklore und Tanzmusik. Ilia liebt Klassik. Er spielt Klavier, hatte sich das schon zu Hause in Schumen beigebracht. Der Junge ist begabt, sagen auch seine Lehrer auf dem deutschen Gymnasium. Lernt schnell. Hat inzwischen von hilfsbereiten Mitmenschen ein Klavier geschenkt bekommen. Darüber ist er glücklich. Anfangs sagte er mir immer, dass er mit seinem Vater nicht zusammen spielen könne. Weil der ganz andere Musik machen würde. Aber jetzt vor ein paar Wochen war Ilias Geburtstag. Und stolz präsentierten die Beiden ihr erstes gemeinsames… Weiter lesen im neuen Magazin 

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