Fünf Jahre Muff oder fünf Jahre Innovation? Das Lehmbruck-Museum und die Frage nach seiner Bedeutung

Wenn Innenansichten und klare Fakten fehlen wuchern die Spekulationen ins Kraut. Für das Lehmbruck-Museum als Institution wäre es heilsam mit einer klaren Darlegung der Fakten endlich reinen Tisch zu machen und einerseits damit endlich offenzulegen wie groß der Schaden Steckers nun wirklich zu beziffern war, den dieser angeblich hinterließ, andererseits aber auch wäre es partout an der Zeit greifbare Fakten zum Thema Besucheransturm, Dauerkartenverkauf und Nutzund der Angebote des Museums dazulegen. Dieser heilsame Schritt unterbleibt aber und damit wird den Fronten rund um das Lehmbruck-Museum immer nur neues Feuer auf die Kanonen gegeben – die Fraktion, die mit Stecker einen herausragenden Künstler gehen sah, der das Museum öffnete und durchaus mit seinen Aktionen und Bemerkungen aneckte, der aber auch durchaus seine Fehler hatte und über die konnte man genüßlich streiten. Und dann ist die Fraktion da, die in der neuen, jetzt auf fünf Jahre gewählten Direktorin Söke Dinkla die Hoffnungsträgerin für das Museum sieht, die die Finanzen wieder richten soll – dass Personalstellen nicht mehr besetzt wurden zeugt für diese Fraktion vom großen Sparwillen des Museums – und die für Ruhe und Ordnung und vor allem für Ausstellungen sorgen soll, die den Geschmack des Duisburger Publikums wieder mehr bedienen und zudem wieder dafür sorgen soll, dass Duisburg in den Reihen der Kunsthäuser wieder nach vorne kommt. Der Erneuerer und die Bewahrende. Oder:

Ein bunter Paradiesvogel, der das Lehmbruck-Museum neu erfindet gegen die graue Maus, die das Museum nur verwaltet. Das sind die Fronten in Duisburg.

 

Und ja, den Vorwurf einer grauen Maus muss sich Dinkla durchaus gefallen lassen. Nicht nur, weil die lichtdurchfluteten Hallen im ehemaligen Cafe jetzt durch etliche Zwischenwände den Blick nach draußen verstellen – vermutlich hat sich der Architekt hier schon irgendwas dabei gedacht als er diesen hellen Raum konzipierte, aber man brauchte Platz für zusätzliche Ausstellungsfläche. Angetreten war „die Neue“ mit dem Statement „brisante und aktuelle neue Themen“ setzen zu wollen. Das Museum, so lässt sich unter anderem im Focus nachlesen – http://www.focus.de/regional/duisburg/museen-neue-lehmbruck-chefin-soeke-dinkla-jede-krise-ist-eine-chance_aid_1041559.html – als „Labor, in dem es um die Zukunft der Gesellschaft geht.“ Welche aktuellen Bezüge die bisherigen Ausstellungen für die Stadt und die Gesellschaft in Duisburg allerdings setzen bleibt fraglich – so mag „Moving Sculptures“ seine surrenden und im wahrsten Sinne des Wortes bewegenden Elemente haben, brisant oder aktuell sind diese Werke allerdings nicht. Mag sein, dass sie „die gewohnte Trennung von Kunst und Betrachter“ in Frage stellen, aber spannend ist anders. Giacometti? Neue Impulse setzt die Studiausstellung nicht. Von einem „Labor, in dem es um die Zukunft der Gesellschaft geht“ ist in den aktuellen Ausstellungen nichts zu sehen. Und ausgerechnet die Veranstaltung, die ein „Labor“ gewesen ist – die plastikBar nämlich – wird aufgrund Personalmangels 2014 nur noch einmal im Monat stattfinden. Das Forum, was sich noch am ehesten ebenfalls – neben der 47/12-Ausstellung 2013 – als Förderung des Nachwuchses und des Ausprobierens von neuen Formaten verstand droht in die Bedeutunglosigkeit zu verschwinden. Ja, es mag durchaus nett und charmant sein den Malstil Lehmbrucks gegen den der Expressionisten zu setzen – allein, was ist der Erkenntnisneugewinn bei dieser Ausstellung? Dass der Expressionismus Bewegung ist, Aufbruch? Was strahlt davon in … Weiter lesen im neuen Magazin 

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