„Betreutes Wohnen statt Populismus“ – Offener Brief von Michael Willhardt an den Innenminister

Sehr geehrter Herr Innenminister,

wie es scheint wird in Deutschland und in Europa mit der Armutsmigration und dem möglichen Missbrauch von Sozialleistungen bei der aktuellen Tagung vor allem populistische Politik mit der Angst gemacht. Wir sind sicher, es gibt außerhalb der Mikrofone mehr Substanz.

Wir melden uns aus Hochfeld, einem mittlerweile bekannten Stadtteil in Duisburg, der massiv mit Begleiterscheinungen der begrüßten und gewünschten europäischen Öffnung zu kämpfen hat, mit der so genannten Armutsmigration.

Armutsmigration ist statistisch für Deutschland nicht von Bedeutung. Das ist unser Problem in Hochfeld. Deutschland nimmt gerne junge und gut gebildete Zuwanderer auf, um die demografische Entwicklung unseres Landes und den stetigen Bedarf an Fachkräften zu decken. Dabei kann es nicht ausbleiben, dass im Rahmen der Personenfreizügigkeit auch Menschen aus Armut migrieren, so wie dies gut gebildete Zeitgenossen in der Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen tun. Aus Gründen der Freiheit, der Moral und nicht zuletzt der Prosperität ist das zu akzeptieren.

Unser Problem in Hochfeld und in einigen anderen Stadtteilen im Ruhrgebiet und in Berlin ist, dass sich Armutsmigranten hier konzentrieren. Dafür gibt es eine Reihe von Ursachen, die den Beibehalt dieser Tendenz an wenigen Brennpunkten auch in Zukunft erwarten lassen.

Die Lösung ist nicht die Einschränkung der Freizügigkeit, sondern der adäquate Umgang mit den Begleiterscheinungen. Wir in Deutschland können das leisten. Konkret wünschen wir uns hier in Hochfeld Betreutes Wohnen im Sinne einer Willkomenskultur, die diese Menschen aktiv in Empfang nimmt und sich darum bemüht, das Beste aus der Problemlage zu machen. Es geht um mehr als um die reine Versorgung mit Sicherheit, Gesundheit und Bildung. Es gilt, Identität zu stiften, ohne die keine Verantwortung für das eigene Lebensumfeld entsteht. Ohne Engagement in den entstehenden Brennpunkten in der Sache und mit evaluierender Begleitung der Entwicklungen bieten wir ansonsten viel Spielraum um unsinnige Ängste zu schüren und nicht wünschenswerte Beschränkungen der Freiheit zu fördern.

Wir wollen die Personenfreizügigkeit. Deutschland ist in der Lage, die statistisch überschaubaren aber lokal brisanten Begleitumstände aufzufangen und adäquate Maßnahmen zu entwickeln.

Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Europa gerne.

Mit freundlichen Grüßen

(Dr. Michael Willhardt, 1. Vorsitzender)

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