Mülheim: Bus statt Strab: „Auf der Schiene drohen 600 Mio. EURO Miese“

Dr. Hendrik Dönnebrink schockt die Mülheimer Bürger mit einer spektakulären Zahl, die nicht beweisbar ist. Er suggeriert, dass das Defizit der MVG bei einer Umstellung des kompletten ÖPNV-Angebotes auf Busverkehr um 600 Mio. EURO reduziert werden kann. Als BMH-Chef ist er sicherlich verpflichtet, Wege aufzuzeigen, das nicht zu akzeptierende Defizit der MVG in Höhe von fast 30 Mio. EURO/Jahr deutlich zu senken. Trotzdem erwarte ich, dass er mit Zahlen sorgfältiger umgeht.

 

Fakt ist,

dass der ÖPNV zur Daseinsvorsorge der Kommune gehört und aus sozialen Gründen niemals kostendeckend sein kann. Bei den deutschen Verkehrsbetrieben erreichen die Erlöse durchschnittlich nur etwa 70% der anfallenden Kosten. Auch die öffentlichen Busbetriebe erzielen selten einen Kostendeckungsgrad von über 80%, so dass selbst bei einer Umstellung von Schienen- auf Busverkehr weiterhin Defizite anfallen,

 

dass die unterschiedlichen Straßenbahnen der MVG in der Mehrzahl mehr als 30 Jahre alt sind und damit ihre kalkulierte Lebensdauer bereits überschritten haben. Jeder Autofahrer weiß: Je älter ein Fahrzeug, desto höher die Reparatur- und Unterhaltungskosten! Trotzdem wird Herr Dönnebrink nicht nachzuweisen können, dass 2/3 des Defizits der MVG auf den Schienenverkehr entfällt.

Bei neuen Bahnen werden die Unterhaltungskosten selbstverständlich deutlich sinken, so dass die Defizitfortschreibung auf 30 Jahre von Herrn Dr. Dönnebrink unzulässig ist,

 

dass die Kosten der gesamten Infrastruktur, einschließlich der Verkehrswege für den Schienennahverkehr, allein diesem zugerechnet werden. Der Aufwand für die Fahrwege der Busse wird dagegen in keiner Vergleichsrechnung erwähnt. Ein Verkehrsfachmann weiß aber, dass die Lebensdauer einer Straße durch den stark belastenden Busverkehr auf etwa ein Drittel der üblichen Zeit reduziert wird. Die Kosten der Erneuerung erhöhen zwar nicht das Defizit der MVG, wohl aber das der Stadt Mülheim – und der Anlieger. Diese haben also nicht nur die Abgase aus dem Busverkehr und den erhöhten Verkehrslärm zu erdulden, sondern auch einen erheblichen Teil der Straßenbaukosten zu tragen,

 

dass die MVG und die Stadt Mülheim für ihre Verkehrsinfrastruktur erhebliche Fördermittel des Bundes und des Landes bekommen haben, die einer 25-jährigen Zweckbindung unterliegen. Wenn der Schienenverkehr eingestellt wird, sind die dafür erhaltenen Fördermittel, zuzüglich marktüblicher Zinsen, zurückzuzahlen. Das gilt auch für die in den Straßenbau geflossenen Förderbeträge, falls diese Maßnahmen eine Folge des Gleisbaus waren. Die Höhe der Rückzahlungssumme kennt in Mülheim vorläufig niemand, ebenso wenig die für die Umstellung von Bahn auf Bus anfallenden Kosten der betroffenen Linien,

 

dass entgegen wiederholter Darstellungen in der Presse Straßenbahnen kein Verkehrsmittel der Vergangenheit sind. In einer Straßenbahn fährt der Fahrgast pünktlicher, schneller, sicherer, bequemer und umweltverträglicher als in Bussen. Wie modern eine Straßenbahn ist, zeigt ein Blick über die Grenzen Mülheims hinaus:

  • In 17 Städten Frankreichs wurden nach 1990 Straßenbahnsysteme neu gebaut, in weiteren 7 Städten sind sie in Bau oder in Planung.
  • In 13 Städten der USA wurden Straßenbahnen ebenfalls nach 1990 eingeführt.
  • In 11 spanischen und 5 italienischen Städten wurden nach 2000 neue Straßenbahnnetze geschaffen.
  • Auch in England und weiteren Ländern Europas, in Amerika, Kanada usw. wurde die Straßenbahn als so fortschrittlich erkannt, dass entsprechende Systeme neu geschaffen wurden.

Im Übrigen haben sich zahlreiche Städte, die kleiner als Mülheim sind, sicherlich nach gründlicher Prüfung der Vor- und Nachteile, für die Straßenbahn entschieden,. Vielleicht auch, weil sie als moderne Stadt auf sich aufmerksam machen wollen?

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