Signalisierte Gesprächsbereitschaft

The history museum of the culture and city Duisburg (Photo credit: Wikipedia)

The history museum of the culture and city Duisburg (Photo credit: Wikipedia)

Gestern, am 25.05.2013, hat sich Thomas Krützberg (SPD) als neuer Kulturdezernent der Freien Szene zu einem ersten Gespräch gestellt. Das Treffen fand im Djäzz statt, einem Veranstaltungsort an der Börsenstraße (DU-Zentrum), der dafür bekannt ist, auch  ungewöhnliche Ereignisse stattfinden zu lassen. Eingeladen hatten die ‘Traumzeitretter’, die sich inzwischen als Förderer der Duisburger Kultur verstehen, ihr Interesse über das Traumzeit-Festival hinaus ausgedehnt haben.

In der Organisation dieses Treffens war es aber wohl zu Abstimmungsproblemen gekommen. Die Veranstaltung wurde für den Samstag als Podiumsdiskussion angekündigt, Beginn 16.00 Uhr, zumindest teilweise. Als ich mich um 15:58 Uhr von der Arbeit lösen konnte und einige Zeit später am Djäzz eintraf, standen mehr Leute auf der Straße als im Veranstaltungskeller. Unten spielte ein Duo (Saxophon / Bass). Von Krützberg keine Spur.

Auf Facebook (Gruppe: Stadtpolitik) hatte eine Teilnehmerin der Vorbereitungsgespräche zudem geworben, dass es sich nicht um ein Szene-Treffen mit Krützberg handeln würde, sondern dass alle Duisburger Kulturschaffenden / -produzenten eingeladen seien, also auch Angestellte der Oper, der Philharmonie, der Museen … Weil der Raum jedoch nur 200 Leute fasst, war es in der Gruppe zu berechtigtem Staunen gekommen.

Nachdem im Djäzz allmählich deutlich wurde, dass die Podiumsdiskussion erst um 18:00 Uhr beginnen würde, verließen einige Wartende den Veranstaltungsort kopfschüttelnd gänzlich. Auch ich verließ den Ort, mich darüber ärgernd, dass ich die Zeit besser für Arbeit hätte nutzen können … kam später allerdings wieder zurück. Kurz vor 18:00 Uhr war der Raum gut gefüllt.

Auf dem Podium nahmen außer Thomas Krützberg jedoch nur Mitglieder der Freien Szene Platz, ein Vertreter der Traumzeitretter, ein Clubbesitzer, der Sprecher des Interessenverbandes Bildender Künstler und ein Musiker, der sowohl im klassischen Segment als auch im Pop-Bereich zu Hause ist.

Gleich zu Beginn verdeutlichte der neue Kulturdezernent, was man nicht von ihm erwarten könne: Aussagen darüber, wie es mit der Kultur in Duisburg strategisch weitergehen soll. Derzeit würde er primär Informationen sammeln, sich mit den verschiedenen Gruppierungen aus Kultur und Politik treffen, um anschließend einen Kulturentwicklungsplan auf den Weg zu bringen. Für diese Arbeit benötige er mit Sicherheit ein ganzes Jahr.

Diese Herangehensweise ist für eine Person, die sich innerhalb der Duisburger Kultur nicht auskennt, durchaus zu begrüßen. Für etwas zuständig geworden zu sein, wovon man keine Ahnung hat, ist kein leichtes Los. Frühere Kulturdezernenten ließen all das, was für sie eher mysteriös war, einfach unbeachtet. Den offensiven Willen zu zeigen, sich mit dem, wofür man ins Amt gewählt wurde, auch beschäftigen zu wollen, ist für Duisburger Verhältnisse geradezu herausragend!

In der Podiumsdiskussion wurde von den Szeneleuten vor allem auf politische und verwaltungstechnische Versäumnisse hingewiesen, die die kulturelle Arbeit der Freien fast unmöglich machen würde. Es fehle grundsätzlich an einer Anerkennung ihrer Leistungen und an einer innerstädtischen Integration. Dass Duisburg die einzige Stadt im weiten Umkreis sei, die keinen Kulturentwicklungsplan habe, hätte auch damit zu tun. Zudem erwarte man, an der Erstellung eines solchen Plans beteiligt zu werden, z.B. im Rahmen eines zu bildenden Kulturbeirats, der Vertreter der gesamten Duisburger Kultur umfassen müsse. Krützberg warf zu Recht ein, dass ein solcher Beirat, um arbeitsfähig zu sein, nur organisiert auftreten könne. Er legte den Finger in eine Wunde, die von den Szeneleuten allerdings nicht weiter beachtet wurde: Es gibt keine Freien, die als Vertreter oder Gesandte fungieren könnten. Die Szene selber ist völlig unorganisiert!

Dieser Zustand hat Geschichte und hängt auch mit den jeweiligen Vorlieben der bisherigen Kulturdezernenten zusammen. Schilling hatte sich auf die Bildenden Künstler der Stadt konzentriert, Magdowski ebenso. Unter diesen Kulturschaffenden war in jenen Zeiten ein relativ hoher Organisationsgrad entstanden, auch wenn die Außenpräsentation und der überregionale Verflechtungsgrad, von einigen Einzelpersonen abgesehen, alles andere als professionell gelten kann.

Versuche, den Organisationsgrad insgesamt zu erhöhen und überregionale Perspektiven zu entwickeln, zu denen auch gehört, sich mit dem auseinanderzusetzen, was außerhalb von Duisburg geschieht, z.B. in Form von Austauschprogrammen, sind immer wieder gescheitert: und zwar an kleinräumigen Eifersüchteleien, die eher an Schrebergartenkulturen erinnern, denn an Ansprüchen, Kunst schaffen und präsentieren zu wollen. Auf dieser Basis hätte die Szene nicht einmal die Möglichkeit, sich an der Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplanes mit einem Abgesandten zu beteiligen, selbst dann, wenn es ein Angebot dazu gäbe.

Mir ist bekannt, dass es innerhalb der SPD eine geheime Arbeitgruppe gibt, die derzeit einen Plan erarbeitet. Krützbergs Ausgangshaltung kann darauf hindeuten, dass er besonders an diesen Ergebnissen interessiert ist; die Bildung eines Beirats lehnte er allerdings nicht ab. Vielmehr betonte er, dass ihm, als ehemaligem Leiter des Jugendamtes, Beiräte von Kindergärten her vertraut seien.

Weitere Themen betrafen vor allem das Clubleben unter verschärften rechtlichen Bedingungen, die z.B. dazu führen würden, dass sich Besucher vermehrt auf der Straße aufhalten müssten, desweiteren die (Zwischen-)Nutzung von leerstehenden Gebäuden. In beiden Fällen hob der neue Dezernent hervor, könne er lediglich vermitteln, weil innerhalb der Organisation der Stadt sein Ressort nicht direkt betroffen sei.

Für eine anschließende Diskussion mit dem Publikum blieb nicht mehr viel Zeit. Das Champions-League-Finale wartete. Und für eine systematischere Herangehensweise an das Thema Kultur, sowohl allgemein als auch nur in Bezug auf die Freie Szene, war die Veranstaltung  unangemessen.

Vielleicht wurden beide Seiten auf dem Podium ihren jeweiligen Ansprüchen gerecht. Meine Erwartungen an die Zukunft sehen als neues Element nicht mehr als eine signalisierte Gesprächsbereitschaft seitens des Kulturamtes. Sonst nichts!

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