Piratenfraktion NRW: „Gewalt in Fußballstadien“

In der Diskussion um Gewalt in Fußballstadien setzt die Piratenfraktion im Landtag NRW auf den Dialog: Bereits zum vierten Mal waren am Abend (06.03.13) Fußball-Fans zu Gast in der Piratenfraktion, um gemeinsam mit den Piraten Probleme und Lösungen zu erörtern.

 

Anlässlich dieses Fanhearings und der heutigen Anhörung zum FDP-Antrag sagt Frank Herrmann, Sprecher der Piratenfraktion im Innenausschuss:

 

„Zahlreiche Experten geben uns recht: Es gibt keinerlei Belege für die Zunahme von Gewalt rund um Fußballspiele. Fußball zu genießen ist viel sicherer als z. B. der Besuch eines Dorffestes; auch ist der Umgang mit Dorffest-Randalieren ein ganz anderer: Wenn es auf einem Dorffest zu Gewalttaten kommt, erhalten diese Straftäter kein Dorffestverbot und auch keinen Eintrag in eine Gewalttäter-Dorffest-Datei. Es gibt 18 Millionen Besucher in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga, und gemessen an dieser Zahl passiert in den Stadien praktisch nichts. Es dürfen nicht einzelne Gewalttaten pauschalisiert werden. Stattdessen wächst die Datei „Gewalttäter Sport“ rasant an: 16.000 Menschen sind dort gespeichert, obwohl es im Jahr 2012 tatsächlich nur 2.800 gewaltbereite Gruppe-C-Fans gab. Wie passt das zusammen?

 

Prävention und Dialog muss das Motto sein. Die Fanprojekte machen bereits eine hervorragende Arbeit – einen größeren Erfolg würden sie erzielen, wenn man sie besser unterstützen würde: neun von zehn Fanprojekte sind personell unterbesetzt. Die meisten haben 1,5 bis zwei Stellen statt der im NKSS geforderten vier. Hier sind nicht nur die Vereine gefordert, endlich ihren Beitrag zu leisten, auch die Kommunen müssen ihren Anteil leisten. Fußballstadien sind die größten Jugendzentren der Stadt!

 

Zahlreiche Politiker dramatisieren immer mehr und fordern immer härtere Maßnahmen. Ausgerechnet die FDP, die mal als Bürgerrechtspartei angefangen hat, fordert in ihrem völlig überflüssigen Antrag rechtswidrige und sinnlose Aktionen gegen Fußballfans. Die Debatte muss dringend sachlicher geführt werden.

 

In den vergangenen Monaten wurde vor allem aus der Politik massiv Druck auf die Verbände ausgeübt und damit eine Kettenreaktion ausgelöst: Die Verbände geben den Druck weiter auf die Vereine, und die Vereine auf die Fans. Kein Wunder, wenn die Fans dagegen protestieren und sich gegen weitere Gängelung wehren. Damit wollen sie zeigen, dass ein Dialog auf Augenhöhe fehlt.

 

Politiker aller Parteien sind jetzt gefordert, nicht über, sondern mit den Fans zu sprechen – so, wie wir es gestern Abend wieder getan haben. Nur Kommunikation kann Probleme lösen! Bei diesem Fanhearing haben die Fans gestern berichtet, dass sie das Gefühl haben, als Testobjekte für die Terrorbekämpfung herhalten zu müssen. ‚In dem Moment, wo ich mir eine Eintrittskarte kaufe, gebe ich meine Bürgerrechte ab‘ war nur eine, aber häufig gehörte, Aussage der Fans.“

 

 

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