Traumzeitretter e.V.: Statement des Vorstandes

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem Schock der Absage der Traumzeit 2012 zeichnete sich in den letzten Monaten – nicht zuletzt durch die Erwartungen, die sich an die Neuwahl des
Duisburger Oberbürgermeisters knüpften – Hoffnung auf eine Auflösung verkrusteter  Strukturen und eine allgemeine positive Neuorientierung der Duisburger Politik und damit auch der Kulturpolitik ab. Wie ist nun der Stand der Dinge, was die Duisburger Festivals, speziell die Traumzeit, betrifft?

Am 24. September wurde die Verwaltung vom Rat beauftragt, im Sinne einer zukünftig weiterhin jährlichen Durchführung der beiden großen Duisburger Festivals (Akzente und Traumzeit)

– die bis dahin zementierten Kostenblöcke aus den bisherigen Konzeptionen aufzubrechen

– ergänzende Förderung durch Dritte im öffentlichen und privaten Sektor aktiv einzuwerben

– die Möglichkeiten einer Revitalisierung, einer stärkeren bürgerschaftlichen  Beteiligung und einer Konzentration bzw. stärkeren Schwerpunktsetzung der Festivals zu berücksichtigen

Als Ergebnis dieser Forderung wird uns jetzt folgende Situation präsentiert: Frank Jebavy ist allein Hauptverantwortlicher für beide Festivals, also kaufmännischer Leiter und jetzt auch künstlerisch Verantwortlicher.

Einen künstlerischen Leiter der Traumzeit gibt es nicht mehr, in diesem Sinne gibt es keinen Platz mehr für Tim Isfort. Er ist somit, nach dem Erfinder der Traumzeit, Wilfried Schaus-Sahm, der zweite kreative Kopf, der dem eigenwilligen Umgang des  Festivalbüros mit der aktiven Einbeziehung kreativer Kräfte zum Opfer fällt.

Inhaltliche Veränderungen, die bisherige außergewöhnliche Programmpunkte des Festivals zukünftig unberücksichtigt lassen, sind jetzt schon deutlich erkennbar. Durch die Absage der Akzente für 2013 sowie einen zu erwartenden Zuschuss aus  Landesmitteln ist das Festivalbüro für die Planung der Traumzeit 2013 hervorragend finanziell ausgestattet. Den Landeszuschuss wird es ab 2014 nicht mehr geben, dann sollen jedoch die Akzente und die Traumzeit wieder jährlich stattfinden. Von der dazu notwendigen Erschließung neuer Finanzierungsmöglichkeiten oder der Entwicklung anderer, nachhaltiger Finanzierungsmodelle ist aber nur wenig zu erkennen.

Alle bisherigen Versuche unseres Vereins, sich mit Fachwissen, kreativen Vorschlägen und auch finanziell einzubringen, wurden bisher von DMG, Festivalbüro und Kulturdezernat zwar tatsächlich öffentlich begrüßt, jedoch in der Realität immer wieder ignoriert. Was stattdessen folgte, war die Androhung rechtlicher Schritte, als wir offensichtlich unbequeme Fragen stellten. In einem wahrnehmbar kooperativen Klima hätte die Stadt gemeinsam mit uns eine positivere Wirkung erzielen können, sicherlich wären wir dann auch auf eine noch höhere Spenden- bzw. Förderbereitschaft gestoßen. Aus Städten wie Moers, Bochum oder Oberhausen gibt es hierzu positive Beispiele.  Aber auch diejenigen, die sich im Rat der Stadt Duisburg um Verbesserungen und Transparenz bemühen, scheinen unserer Beobachtung nach mit ähnlichen Problemen wie unser Verein zu kämpfen.

Das „Angebot“ Uwe Gerstes (Geschäftsführer DMG), die Traumzeitretter mögen doch für die Traumzeit 2013 eine Auftragskomposition an Tim Isfort vergeben und aus den Spendengeldern bezahlen, halten wir nicht für eine kreative Einbindung von vorhandener Qualität und engagiertem bürgerschaftlichen Einsatz, sondern für einen Schlag in das Gesicht des ehemaligen Festivalleiters, der sich um die Traumzeit anerkanntermaßen verdient gemacht hat, und einen Fußtritt in Richtung unserer Spender und unseres bisher gezeigten Engagements.

Insgesamt festzuhalten bleibt, dass im kulturellen Bereich bisher ein Aufbrechen überkommener Mechanismen nicht zu erkennen ist. Im Gegenteil – sie scheinen sogar gefestigt. Und verantwortlich für Traumzeit und Akzente ist jetzt genau derjenige, dem laut eigener Aussage (Kulturausschusssitzung am 4. September) jegliche Vorstellungskraft dafür fehlt, wie beide Festivals jährlich ausreichend zu finanzieren seien, und der in den vergangenen Jahren die alleinige Berechtigung zur Akquise von Finanzen zur Durchführung der Festivals dem Kulturdezernenten zugestanden hat. Dies mit dem bekannten Ergebnis: keine Traumzeit aufgrund mangelnder eingeworbener Mittel. Wird hier der vom Festivalbüro beworbenen Biennalität entgegen dem Beschluss des Rates doch weiter der Boden bereitet?

Weil sich an der viele Fragen aufwerfenden Vorgehensweise des Verwaltungshandelns im kulturellen Bereich unserer Stadt und speziell die Traumzeit
betreffend nichts geändert bzw. sich diese offenbar sogar noch verschlimmert hat, werden die Traumzeitretter ihr Engagement für eine Veranstaltung, die nicht mehr Traumzeit genannt werden kann, einstellen und den Spendern ihr Geld zurückgeben oder, bei entsprechendem Wunsch der Spender, anderen kulturellen Projekten zur Verfügung stellen.

Mit freundlichen Grüßen
Traumzeitretter e.V., der Vorstand
Luise Hoyer, René Wolf

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