Das Sterben einer Fankultur: Wie das klassische deutsche Science-Fiction-Fandom untergeht

Deutsch: Groschenromane im Angebot des Zeitung...

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Michael Gorbatschows Spruch gilt besonders für eine Fankultur deutscher Ausprägung, deren Tod unausweichlich ist – das überwiegend literarisch geprägte Fandom mit der Convention im alten Format stirbt aus. Weil es sich weigert den Dialog mit den Jugendlichen aufzunehmen.

Es ist eine sehr kleine und überschaubare Fanszene in Deutschland. Sie trifft sich regelmäßig im Jahr zu den sogenannten Conventions, über deren richtigen Artikel man sich genüßlich alles Jahre wieder streitet. Sie reden vorwiegend über Literatur, stellenweise kann man noch die ein oder andere Fernsehserie mögen aber gute SF – da ist man sich einig – findet oder fand man doch nur stets im Buch. Die Händler bei solchen Conventions bestätigen das Bild dann auch: Bücherrücken an Bücherrücken, Heftroman an Heftroman reihen sich die Kästen und der interessierte Conbesucher kann hier seine Print-Publikations-Sammlung gut ergänzen. Ab und an auch mal taucht ein Händler mit DVDs oder TV-Serien-relevanten Inhalten auf, die überwiegende Zahl der Händler aber sind dem Printgut verhaftet. Die überwiegende Zahl der Besucher indessen ist selten unter 50. Sie, die sich in SF-Clubs organisiert haben, haben teilweise noch mit Aasimov persönlich gesprochen, kennen Bradbury von Kindesbeinen an und finden, dass Perry Rhodan immer noch eine tolle Serie ist. Diese Fankultur, deren Höhepunkt jährlich der Buchmesse-Convent in der Nähe von Frankfurt ist, wird es in wohl in 20 oder 30 Jahren nicht mehr geben. Damit werden ebenfalls SF-Clubs mit Fanzine-Herausgebern verschwinden. Was allerdings kein Wunder ist: Es ist zwar nicht unmöglich Kontakt in dieses Fandom zu bekommen, das Fandom selbst aber macht es einem auch nicht gerade leicht es zu mögen und hat den Kontakt zu den Jugendlichen längst verloren. Auch wenn der BuCon sich seit einigen Jahren bemüht mit einem Konzert am Ende des Tages junge Leute herbeizulocken – Insider wissen aber: Nachdem der Deutsche Phantastik Preis am Abend verliehen ist, sind die meisten Händler und Fans schon längst auf dem Weg ins Restaurant der Wahl und stehen zu Kontaktaufnahmen nicht mehr zur Verfügung.

Es ist hochgradige Ironie: Einerseits beschäftigen sich die Leser von SF-Literatur ja gerade mit der Zukunft, mit möglichen Spielarten, mit den Modellen, finden sich unter den Konsumierern von Perry-Rhodan ausgeprochene Hardcore-Fans die einem genau erklären können wie ein Transmitter funktioniert oder wo sich die Klos für die Besatzung der Riesenraumschiffe befinden. Sie sind fasziniert von den Möglichkeiten der neuen Technik, denken bestehende Entwürfe voraus, beteiligen sich rege an Diskussionen in Heftromanserien über die möglichen Auswirkungen einer nicht-existierenden Technik und sind damit dem anderen Fandom in Deutschland – dieses begeistert sich eher für Fernsehserien – durchaus gleich. Während aber das Fandom der Fernsehserien Entwicklungen wie dem Cosplay näher steht und sich hier auch Jugendliche begeistern lassen können, schottet sich sich das lesende SF-Fandom in Deutschland gerne gegenüber allen aktuellen Entwicklungen der Jugendkultur ab. Man schmort gerne im eigenen Saft, liefert sich heftige Debatten innerhalb des Fandoms darüber warum man so wenige junge Besucher zu den Conventions bekommt, beklagt die abnehmende Zahl der Print-Fanzines – und ignoriert dabei die digitalen Möglichkeiten – kurzum: Man wehleidigt sich alle Jahre wieder auf die Aussage hin: „Das deutsche SF-Fandom muss gerettet werden“. Etwas, was mindestens seit 2004 als ich dazu schon Stellung nahm immer wieder mal diskutiert wird, aber große Entwicklungen finden in diesem Fandom nicht statt. Es bevorzugt die kuschelige kleine Nische und eine Öffnung gegenüber den Jugendlichen sprengt die eigene Comfortzone, in der man sich all die Jahre lang so hervorragend eingerichtet hat.

Nun ist die Entwicklung im Buchhandel definitiv etwas langsamer als in anderen Branchen, die Buchmesse Frankfurt rief allerdings immerhin mit der „StoryDrive“ – dieses Jahr in Halle 4.0 – eine Konferenz ins Leben, die sich mit dem Erzählen von Stoffen im digitalen Raum und der Verbindung mit dem Print beschäftigt. Ebenso gabs natürlich auch diverse neue eBook-Reader-Modelle und Weiterentwicklungen der Technik zu bestaunen. Die erste Welle von Anfang der 2000er Jahre, die sang- und klanglos verebbte, scheiterte wohl auch daran dass es keine Inhalte für die teuren Reader gab. Bei den aktuellen Preisen – und TXTR gab die sagenhafte Botschaft heraus, man wolle für einen Zehner einen eReader produzieren, aber TXTR hat schon öfters Dinge angekündigt, die nicht realisiert wurden – spielt aber dieser „Second Screen of Publishing“ durchaus eine Rolle. Ebenso sind Facebook, Twitter und Soziale Netzwerke auf der Buchmesse angekommen, ja, die Buchmesse selbst nutzt in ihrem Webauftritt alle Kanäle fürs Marketing.

Die lesende deutsche SF-Szene kommt zwar jetzt nach und nach auf den Geschmack, es gibt genügend Facebook-Gruppen und Auftritte. Allerdings auch nur dort, die Möglichkeiten von Twitter, Pinterest und Co. gehen an den SF-Fans offenbar in der Regel vorbei. Es gibt Ausnahmen, ja, wie es immer Ausnahmen gibt. Doch stellt man fest: Während des diesjährigen BuchmesseCons gab es offenbar keine Live-Bericht-Erstattung fürs Social Web. Es gab keinen Hashtag für Twitter, keine Rückverweise auf der Homepage zur immerhin bestehenden Facebook-Fanpage. Auf der Fanpage findet, das ist legitim, überwiegend Vor- und Nachberichterstattung statt. Man schöpft aber hier nicht aus eigenen sondern aus fremden Quellen. Zumindest hier wäre ein Anknüpfungspunkt an die aktuellen Entwicklungen gegeben – mit den über 1000 Fans sollte der BuCon eigentlich ein Best-Practice-Beispiel sein. Und wie auch andere Fanpages zeigen: Man begreift das Internet nicht als Kommunikations- sondern als PR-Kanalsmedium. Dass Facebook eher an Klicks und Likes interessiert ist, dass man interessante Inhalte zum Mitmachen anbieten muss damit man nicht aus der Timeline der Fans rausfliegt weil Facebook das so möchte – das sind keine neuen Erkenntnisse. Sondern Fakten.

Dabei ist Facebook, wie das White Raven Festival in diesem Jahr bewies, durchaus ein Ort an dem Jugendliche zu finden sind. Vom Spruch: „Gehe dorthin und nutze das, was die Zielgruppe nutzt“ hat das klassische lesende Fandom zwar gehört, setzt es aber nur für die eigene Zielgruppe ab 50 Jahren um: Man macht Flyer, inseriert in Perry-Rhodan oder anderen Heften, macht Anzeigentausch mit Printfanzines und sendet eventuell sogar noch eigene Pressemitteilungen an die Zeitungen im Umland aus. Alles nicht verkehrt. Damit erreicht man aber keine Jugendlichen. Schließlich müssen die ja wissen dass es solche Conventions gibt – und werden mit Sicherheit keine Fanzines abonniert haben. Dies ist einer der Fehler, der rechtzeitig hätten vermieden werden können, aber schon 2004 war man alles andere als dialogbereit und stellte sich auf den Standpunkt: „Wenn wir es bauen, dann kommen die schon.“ Überraschend, dass dann Jugendliche nicht erschienen sind… Das Internet ist in den Augen der Fans eher der Ort für Informationensammeln und -verbreiten. Darin ist sich diese Szene anderen Branchen verblüffend ähnlich: So etwa dem Journalismus deutscher Prägung. Während lesende SF-Fans mit den Fans von TV-Serien nichts anfangen können, haben sogenannte Qualitätsjournalisten bekanntlich ein Problem mit Blogs. Beide Systeme stehen ratlos vor dem, was sich am Horizont andeutet und anstatt aktiv zu werden lässt man sich lieber überrollen oder probiert unsinnige PR-Eventstrategien aus, Hauptsache „man hat ja mal was getan.“ Ergebnis: „Also dieses Internet ist totaler Mist, das braucht man nicht. “ Ohne richtige Strategie kann das ja auch nichts werden, aber wenn man das nicht erkennt…

A – I – D – A. Ohne Attention kein Interest, ohne Interest kein Desire, ohne Desire keine Action. Während Verlage allmählich erkennen, dass sie viel zu lange geschlafen haben was den digitalen Markt anbelangt weigert sich die klassische deutsche Fansparte ebenso wie einige aus ihr entstandene Verlage – Homepagedesign anno 1998, das höchste der Gefühle und klar bestelle ich ein Buch direkt beim Verlag selbst weil es so schön umständlich ist statt bei Amazon und Co. – die Zeichen der Zeit zu erkennen und wenigstens den Dialog mit den Jugendlichen zu suchen. Während man teilweise befremdlich auf den Cosplay-Wettbewerb in Frankfurt schaut, veranstaltet man selbst seit Jahren Kostüm-Wettbewerbe. Was nun lächerlicher ist kann und darf jeder für sich selbst entscheiden, zum Glück. Man vertraut auf die Kraft der Söhne und Töchter, die man zu solchen Conventions hinbringt und die das sicher total interessant finden und später dann mal das Erbe des Fandoms übernehmen werden. Nein. Werden sie nicht. Weil die Söhne und Töchter längst daran gewöhnt sind Inhalte mit ihren „Devices“ zu konsumieren, weil sie gelernt haben: „Sharing is Caring“ und weil sie ein attraktives und gute Programm haben wollen. Ihr gutes Recht, das will man als Conbesucher auch und deswegen wählt man seine Veranstaltungen aus. Wirft man einen Blick auf das Programm des BuCon siehts da eher Mau aus… (Ja, die Webseite arbeitet noch mit Frames. Putzig. Irgendwie.)

Es ist allerdings längst zu spät das Steuer herumzureißen. Das Schiff „Lesende SF-Fankultur“ sinkt eigentlich schon nur die Bewohner der ersten Klassen bemerken das noch nicht. Es ist jedoch faszienierend den Untergang zu beobachten – während es bei den Fußball-Ultras faszinierend war diese Fankultur entstehen zu sehen. Das eine kommt, das andere geht. Retten muss man das SF-Fandom auch gar nicht. Längst haben sich Formen und Spielarten entwickelt, die lebendiger sind als zuvor. In 20 Jahren allerdings wird der letzte Con wegen Aussterbens der Mitglieder schließen, der letzte SF-Club das letzte Fanzine an die Deutsche National Bibliothek geschickt haben. Vielleicht wäre es tatsächlich gnädiger, jetzt schon den Stecker zu ziehen, damit das Fandom sich nicht so leiden dahinquält.

 

 

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21 thoughts on “Das Sterben einer Fankultur: Wie das klassische deutsche Science-Fiction-Fandom untergeht

  1. „Wirft man einen Blick auf das Programm des BuCon siehts da eher Mau aus… (Ja, die Webseite arbeitet noch mit Frames. Putzig. Irgendwie.)“

    Das passt gut dazu, was ich beim Lesen des Artikels empfunden habe: der Autor scheint sich selbst als jung und hip zu empfinden und bemängelt das Eigenbrötlerische und Altbackene der alten Fandom-Säcke – sicher alles richtig, aber es hinterlässt ein schales Gefühl, weil die Art, wie darüber berichtet wird, nichts Liebevolles, sondern nur etwas Besserwisserisches hat.

    Und nein, besagte Website hat keine Frames. Das, was da so altbacken rüberkommt, sind bloß umrahmte Tabellen. Nichts ist peinlicher, als zu glauben, man wüßte etwas besser, und dann auch keine Ahnung zu haben!

    • Christian Heiko Spließ Di, 16 Okt 2012 at 10:50:42 - Author

      Wir sind leider durch das hohe Spamaufkommen gezwungen Kommentare zu moderieren, ein Umstand den wir nicht ändern können.

  2. „Die überwiegende Zahl der Besucher indessen ist selten unter 50.“?

    Der Autor war wohl noch nie auf der FedCon. Da ist jedes Alter vertreten. Und sie wird von Jahr zu Jahr größer.
    Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Fans es doch noch gibt. Auch wenn es in DE immer schwerer wird, dem SciFi zu fröhnen.
    Aber zu Glück gibt es ja auch noch Verlage wie CrossCult die die schon vor langer Zeit in DE eingestellten Star Trek Bücher wieder verlegen.

  3. Christian Spließ war nicht auf dem BuchmesseCon. Deshalb finde ich es höchst unseriös, dass er über diese Veranstaltung berichtet.
    Die Feststellung, dass es bei Twitter und Co keine Live-Berichterstattung gab, ist soweit richtig, denn die Teilnehmer hatten bei der Vielzahl von Lesungen und Programmpunkten schlichtweg keine Zeit, das Internet zu füttern. Der BuchmesseCon ist eine Präsenzveranstaltung, das heißt, man muss hingehen. Wie soll man auch eine Autorenlesung twittern???
    Wäre Herr Spließ auf dem BuchmesseCon gewesen, wären ihm diverse Fehler nicht untergekommen. Beispiel eBooks: Gerade im SF-Bereich und bei den dort aktiven Kleinverlagen wird sehr stark auf eBooks gesetzt, da hier eine positive Marge leichter darstellbar ist.
    Die Aussage über das Durchschnittsalter der Conbesucher ist ebenfalls unseriös. Mich würde interessieren, wie er dieses ermittelt hat – ohne vor Ort gewesen zu sein und auch nur einen einzigen Besucher nach dem Alter gefragt zu haben.
    Der Redaktion empfehle ich dringend zu überprüfen, ob die Autoren die Veranstaltungen, über die sie schreiben, überhaupt besucht haben!

    • Christian Heiko Spließ Mi, 17 Okt 2012 at 08:07:41 - Author

      Steht irgendwo im Text die Behauptung, dies sei ein Bericht über den aktuellen Buchmesse Convent 2012?

  4. „Während des diesjährigen BuchmesseCons gab es offenbar keine Live-Bericht-Erstattung fürs Social Web.“ – Na so was, ein Skandal! – Wie wäre es, wenn jemand, der alles live erleben will, einfach hinfahren würde?
    Mir persönlich ist jedenfalls lieber, die Veranstalter kümmern sich um ihre Gäste (was sie getan haben), als unnötig Personal für Computerbetreuung abzuziehen. Wer nicht dabei sein konnte, wird doch ein paar Tage auf Nachberichte und Co. warten können und wer dabei war, hat lieber den Con genossen, statt aufs IPhone zu starren.
    Ich war übrigens live beim BuCon, ich bin deutlich unter 50, weiblich und Science-Fiction Fan.

  5. Christian Heiko Spließ Mi, 17 Okt 2012 at 07:22:11 - Author

    Bevor man auf Reizwörter reagiert schaue man bitte erstmal nach a) in welcher Rubrik der Artikel steht und b) lese man sich nochmal den Text durch. Das scheint aber von der entrüsteten Kritikermeute etwas zu viel verlangt.

  6. Ja, Herr Spließ, natürlich sind die anderen, wieder die Bösen und niemand hat verstanden, über was er schreibt. Die Einsicht, dass man selbst unreflektierten und unrecherchierten Stuss verfasst hat, das wäre zuviel verlangt, um selbst darauf zu kommen. Aber dass Herr Spließ immer recht haben will, ist ja schon aus anderen Elaboraten des Autors bekannt.
    Egal wie gemeint, der Artikel nimmt sich als Beispiel für einen angeblichen Sachverhalt eine Convention vor, auf der Herr Spließ seit vielen Jahren nicht mehr gesehen wurde und deren positive Entwicklung er bestenfalls aus Conberichten kennen kann (wenn er denn solche liest, was mir nicht so scheint). Oder er war auf einem BuCon in einem Paralleluniversum. Wir hier haben uns jedenfalls gefreut. Gefreut über die deutlich gestiegene Besucherzahl. Gefreut über einen extraordinär hohen Frauenanteil. Gefreut über viel, viel junges Publikum. Gefreut darüber, dass ganze Familien den Weg zu uns gefunden haben. Und dass wir uns erfolgreich mit den Buchblogger/Innen einen Bereich erschlossen haben, der von Veranstaltern in Zukunft unbedingt weiter beackert werden sollte. Aber all das hat der Verfasser in seiner reduzierten Welt- besser: Fandomssicht nicht realisiert. Ebensowenig, dass der BuCon seine Beliebtheit auch aus der Tatsache zieht, dass er so speziell ist, wie er ist. Aber das scheint ja ein Verbrechen zu sein, oder ?
    Wie Herr Zelt schon schreibt: wie soll man eine Autorenlesung twittern ? Bestenfalls kämen da so tiefgründige Aussagen, wie „Es ist spannend“ oder „Der Raum ist voll“ heraus, die in ihrer Flachheit ungefähr dem Artikel von Herrn Spließ entsprechen würden. Aber vielleicht legt die Generation Twitter, der sich Herr Spließ ja so gerne zurechnet, Wert auf solche gehaltvollen Sätze. Wir Veranstalter jedenfalls nicht…
    Ich kenne Herrn Spließ Postings noch sehr gut aus diversen Foren. Fragte man nach, wie man die Ursache der jeweiligen Kritik beseitigen könne, kam keine oder bestenfalls eine ausweichende Antwort. So gesehen, bleiben sich Artikel und Verfasser eigentlich treu.

    Fazit: Ungenügend. Thema verfehlt. Durchgefallen.

    • Christian Heiko Spließ Mi, 17 Okt 2012 at 19:11:20 - Author

      Das ist eine interessante Ansicht, dass die anderen die Bösen sind und ich als unverstandender armer Journalist alles tue um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen – wenn das deine Weltsicht ist, dann kann ich das durchaus akzeptieren. Ich teile sie aber nicht. Wenn du und alle anderen im Fandom so erwachsen sind und mit Sachargumenten statt persönlichen Angriffen diskutieren können wären wir einen Schritt weiter. Dass gerade aber die, die sonst immer selbst mit scharfer Zunge austeilen können es offenbar nicht verknusen können wenn jemand sie selbst kritsiert ist nachdenkenswert.
      Und ich behaupte nicht in allen Punkten Recht zu haben – aber die Reaktionen aus dem Fandom selbst bestätigen durchaus einige Punkte. Insofern: Schlaf ein paar Tage drüber und wenn der Verstand wieder eingeschaltet ist bin ich gerne bereit zu diskutieren. Die persönliche Ebene hat aber hier in dieser Diskussion absolut nichts, wirklich gar nichts zu suchen.

    • Christian Heiko Spließ Sa, 20 Okt 2012 at 18:49:01 - Author

      Wider den Confirmation Bias oder ist meine These stichhaltig?
      Nachdem auch ich etwas über den Anwurf Rogers geschlafen habe gebe ich mir die Mühe auf die sachlichen Argumente einzugehen, sofern sie zum Thema passen – dass allerdings der obige Kommentar gleich auf der persönlichen Beleidigungsschiene daherkommt zeugt davon, wessen Geistes Kind der Verfasser ist und ist nicht wert darauf eingegangen zu werden.

      Auch nur kurz eingangen sei auf die Kritik, dass ich über einen Con schreibe, den ich nicht selbst erlebt habe – eine gründliche Analyse des Texte sollte allerdings auch aufzeigen, dass ich nicht behaupte auf dem Bucon 2012 gewesen zu sein. Dass der BuCon der Höhepunkt des Jahres dieses speziellen Fandom-Zweigs ist, wer wollte dies schon bestreiten? Etwa Roger Murmann, der Veranstalter, selbst? Ist zudem der Stil des Artikels nicht deutlich? (Zudem: Wer ist eigentlich dieser „man“ der meine Einsichten kennt? Nein, Roger, versuche dich nicht hinter allgemeinen Formulierungen zu verstecken, der Text hat dich punktgenau ins Herz getroffen sonst wäre der erste Kommentar-Absatz nicht so formuliert wie er ist.)

      Dieser obigen Artikel, lieber Roger, ist bewußt zugespitzt, sarkastisch und rechthaberisch geschrieben – konstruktive, sachliche Texte zu dem Thema werden nämlich laut meiner Erfahrung – dies ist nur meine Weltsicht, deine Weltsicht hast du ja oben offenbart – vom Fandom ignoriert. Die spitze Feder allerdings – ich behaupte nicht, dass der Ursprungsartikel eine Satire ist, aber die Form des Internet-Rants könnte schon passen – scheint ja doch wenigstens gewisse Denkprozesse in Bewegung gesetzt zu haben. Wobei: Schade, gerade von Dir und anderen Fans, die gerne selbst die sarkastische Wortfeder in die Hand nehmen hätte ich erwartet solche Texte mal genauer lesen zu können. Ich habe zu viel erwartet scheints.

      Stellen wir aber das, was du schreibst meiner These gegenüber und schauen, wie haltbar deine Argumente sind. Du freust dich über einen erhöhten Frauenanteil – kannst du mir eine konkrete Zahl nennen? Einen erhöhten Frauenanteil kann ich zudem nur in Relevanz zu vorherigen Zahlen oder Cons ermessen – für sich allein genommen ist die Aussage: „Wir hatten einen hohen Frauenanteil dieses Jahr“ erstmal nur eine Aussage. Für die Belege bist du zuständig, da du als Veranstalter sicherlich die Veranstaltung monitorst.
      Dies gilt auch für deine anderen Behauptungen in Bezug auf junge Fans und Familien. (Die Frage, wie man jung definiert ist auch eine, die man stellen muss.) Ja, vom Buchblogger-Event auf dem Con oder der Einbindung wußte ich nichts. Stand das im Programm? Stands auf der Homepage? Vielleicht stands auf der Facebook-Fanseite? Ich mag es überlesen haben, aber von einer Außenwirkung sehe ich nichts.

      Ich gönne euch die 500 Besucher. Allein: Meine These besagt, dass die Besucher bei Conventions eher ab- als zunehmen. Diese These müsste ich jetzt – und da gebe ich dir Recht – zumindest mit Fakten belegen können. Würden alle Veranstalter ihre Besucherzahl bennen können wäre das sicherlich auch einfacher. Zahlen vom DarksideCon, vom MarburgCon sind halt etwas schwieriger zu beschaffen – um nur zwei von zahlreichen kleineren Conventions zu nennen, ob der DortCon noch zu dem Fandom gehört das ich beschreibe ist näher zu untersuchen; ich denke seit dem Zeigen von Serienfolgen im Kinosaal nicht, zuvor allerdings waren auch schon Panels zum Herrn der Ringe dort besuchbar lange bevor der Film überhaupt lief. Dies wäre allerdings nochmal gezielt zu untersuchen und ich schweife ab.

      Die 500 Besucher, die Roger gezählt hat, sagen ja erstmal nichts aus. Sie müsste man eben mit zwei weiteren Ebenen koppeln um ernsthaft sagen zu können ob allgemein gesehen die Besucher von Cons dieser besonderen Spielart der deutschen Phantastik – und nur auf die bezieht sich mein Artikel, die FedCon wird als Beispiel genannt weil sie auch außerhalb des Fandoms dank der weitreichenden Berichterstattung auch Nicht-Fans ein Begriff ist, beim BuCon bin ich mir da nicht so sicher aber du hast sicher Clippings zu den letzten Jahren.

      Die zwei Ebenen sind: Die Zeit – du meinst, du könntest beim BuCon einen gleichmäßigen Ansturm feststellen, ich meine das zwar auch festgestellt zu haben, aber dies gilt nur alleine für den BuCon, wie es anderswo aussieht müsste man tatsächlich nachforschen. Bei einigen Reaktionen im Netz hörte ich aber auch Stimmen, die feststellen wollten dass beim ColoniaCon oder an anderen Orten immer dieselben Gesichter zu sehen sind. Zumindest ist dann meine persönliche Einschätzung nicht ganz auf tönernen Füßen stehend.
      Die zweite Komponente habe ich jetzt schon erwähnt: Man müsste die anderen Veranstaltungen des Fandoms, die passenden, mit reinnehmen und dann hätte man einen schönen Graphen mit dem sich meine These beweisen oder nicht beweisen lässt. Es wäre tatsächlich auch meine Aufgabe mal eine Statistik zu erstellen, dazu bräuchte ich aber mehr Zeit und Ruhe – und ausgerechnet die Zeit läuft dieser Fankultur mehr als davon.

      Ich habe den Eindruck, dass außer der Besucherzahl generell kein Monitoring erfolgt, Feedbackbögen etwa sind im Fandom offenbar komplett unbekannt. Insofern: Hier könnte ich Recht oder Unrecht haben. A propos „Rechthaberei um jeden Preis“: Ich beharre nicht darauf Recht zu haben – der entsprechende Anwurf und die Elaborate mein Lieber sind starker Tobak – ich stelle meine These und meine Einsichten zur Diskussion. Wenn sie nicht diskutiert werden sollen, bitte. Nur: Ich bin offenbar nicht der Einzige, der so empfindet. Du kannst gerne mal die Diskussion in meinem Twitterstream mit dem Macher des Phantast nachlesen, ich habe mit Thorsten Küper gesprochen und die Ansicht von Cynx sollten bekannt sein. Natürlich könnte hier der Confirmation Bias, das Wegdrücken anderer Meinungen zugunsten meines Weltbildes eine Rolle spielen, aber gerade deswegen schreibe ich das Elaborat hier ja nieder um nachzuprüfen ob dem so ist. Bisher sehe ich keinen Anlass meine These zu revidieren weil es keine stichhaltigen Argumente – Zahlen, Daten, Fakten, nicht reine generelle Aussagen mein Lieber – zu geben scheint. Insofern: Ja, ich könnte hier Unrecht haben. Gäbe Gott, dass dem so wäre allein…

      Kann man eine Autorenlesung twittern? Da du auch auf mein XING-Profil geschaut hast, yepp, das sehe ich, wirst du vielleicht festgestellt haben, dass ich beim White Raven Festival mitgearbeitet habe. Das ist ein Kinder- und Jugendbuchfestival veranstaltet von der deutschen Jugendbibliothek in München, ein wahres Bücherschloss übrigens. Insofern wäre das Festival dem BuCon relativ nahe, auch hier gibts Autorenlesungen, auch hier gibts Programm. Ich weiß nicht ob der Hashtag – #WRF12 – damit kann man bei Twitter direkt suchen – noch weit genug in die Vergangenheit reicht, aber ja, Roger: Genau bei diesem Festival und bei einigen anderen Gelegenheiten habe ich live Autorenlesungen getwittert. Das geht und das funktioniert. Details werde ich an dieser Stelle nicht erläutern, aber sei versichert – es ist möglich ein Bild von der Lesung und der Atmosphäre via Twitter zu überliefern. Die Generation Twitter – ich wage zu fragen, zu welcher Generation zählst du dich eigentlich, Roger? – vermag das und gerade bei Festivals bin ich oft und gerne eingesetzt und dafür bezahlt worden.

      Der Bucon ist speziell. Richtig. Die Frage ist aber: Ist der BuCon nicht mittlerweile ZU speziell, zu unattraktiv geworden? Darf man diese Fragen im empfindsamen Fandom gar nicht mehr stellen? Darf man nicht mehr versuchen zumindest die Frage zu stellen ob das Fandom ein Problem mit dem Nachwuchs hat besonders wenn diese Frage – oh, Ironie – doch aus dem Fandom selbst kommt? Bilde ich mir die Hilferufe nach Beiträgen in diversen Fanzines wirklich nur ein? Ist die Frage, ob das Fandom nur noch um sich selbst kreist wirklich so ketzerisch? Nein, ich verlange keine Antworten. Die werde ich auch von dir nicht bekommen. Denn ausweichende Antworten sind bisweilen auch bei dem Starcadet anzutreffen.

      A propos: Du kennst also Beiträge aus bestimmten Foren von mir? Das ist schön. Ich bin seit 1993 im Fandom, seit 1998 war ich bei Bastei und in diversen Foren aktiv, aus der Ferne beobachte ich noch ab und an das Treiben der SF-Community. Da häufen sich jede Menge Beiträge in Foren an, manche sind klug, andere sind blödsinnig, manche – wie bei der Diskussion ob der SFCD sein Blog nun wirklich mit Typo3 machen muss – sind tatsächlich hilfestellend gemeint, andere sind mit wütenden Fingern geschrieben. Das kommt halt vor wenn man so lange wie ich im Fandom aktiv (gewesen) ist. Mag sein, dass ich vielleicht ausweichende Anworten gab – und wieder frage ich mich, wie definiert man ausweichend?, ich erinnere mich aber an einen Artikel im Wild-Kingdom aus dem Jahre 2004 in dem ich tatsächlich wagte konstruktive Antworten zu geben. Nicht, dass das irgendjemanden interessiert hätte. Nicht, dass irgendwelche sonst konstruktiven Vorschläge irgendwie wahrgenommen wurden – daher überrascht mich die Reaktion auf den Artikel nicht im Geringsten. Die Heftigkeit allerdings überraschte selbst micht. In dem Fall hat das Internet leider doch eine Gedächtnislücke. (Ich bin sicher, du könntest genauso wie ich irgendwelche dämlichen Postings zu deiner oder meiner Anklage und Verteidigung zitieren.)

      Doch das ist nicht wichtig, denn auch du hast dich in der Vergangenheit bisweilen merkwürdig geäußert und die Vergangenheit mein lieber Freund und Kupferstecher spielt für den Artikel dort oben nur insofern eine Rolle als ich es schade finde dass hier eine Kultur untergeht, die das SF-Fandom in Deutschland lange Zeit geprägt hat. Hic Rhodus, hic salta, mein Bester: Hier und jetzt reden wir über meine Thesen und der Kram, den ich in der Vergangenheit liegengelassen habe spielt keine Rolle. Es geht jetzt und hier auf diesem Platz um meinen Artikel – und wer es nötig hat sich rhetorisch so zu verhalten wie Du, der dürfte an sich eigentlich keine weitere ausführliche Antwort erwarten, mein Bester.
      Nicht dann, wenn er versucht von der Sachebene auf die Beziehungsebene der Kommunikation geht und versucht mich persönlich anzugehen und zu beleidigen. Nein, Roger, das ist definitiv keine Art und Weise wie ein Erwachsener mit Kritik umgehen sollte – wer so argumentiert diskreditiert sich am Ende selbst. Das, mon ami, ist dir perfekt gelungen. Chapeau.

    • Christian Heiko Spließ Mi, 17 Okt 2012 at 19:15:48 - Author

      Das ist wohl wahr. Teilweise kommt auch die notwendige Arbeit im Leben dazwischen – wer sich allerdings für ein Fandom entscheidet sollte doch vorher überlegt haben wieviel Zeit er investieren möchte, oder? Leider sehe ich dann an anderen Beispielen, dass es auch Leute gibt die dann leider nicht „Nein“ sagen können und sich verzetteln – eine Tendenz, die ich bei mir auf feststelle, die ich allerdings versuche zu vermeiden.

  7. Ist das deutsche Fandom am Ende?
    So oder ähnlich lautete ein Vortrag, aif einem meiner ersten cond ano. 1982.
    Viel neues hat sich seitdem nicht getan, die sog. Fans sind heute wie damals gegenüber Veränderung, und neuen Ideen immun.
    Ich selbst war einige Jahre im Orga-Team des Buchmessecon, und bin vor drei Jahren aus eigenem Willen ausgeschieden. Grund war u.a, daß ich es irgendwann als Kampf gegen Windmühlen empfand die selben Fehler wieder zu machen, und sich allem neuen zu verschließen.
    Ausserden will ich nicht mit einer Veranstaltung in Verbindung gebracht werden, bei der Vertrehter einer Sekte den DFP moderieren.

    • Christian Heiko Spließ Mo, 22 Okt 2012 at 09:09:04 - Author

      Man kann das jetzt natürlich auf zwei Arten deuten: Entweder das von mir beschriebene Fandom ist gut so wie es ist, sonst würde es sich nicht gehalten haben oder das Fandom ist Veränderungen gegenüber sehr resistent. Wenn allerdings seit Jahr und Tag darüber diskutiert wird ob das Fandom am Ende ist oder nicht tippe ich eher auf das Letztere. Wie im Nachfolgeartikel geschrieben: Es gibt bisher keine Argumente, die meine These widerlegen bzw. keiner macht sich wenigstens mal die Mühe sachlich zu argumentieren. Es wäre schön, wenn es so wäre…

  8. Hier meldet sich ein Mensch, der mit seinen Freunden einen liebevoll ‚verschnarchten‘ Con organisiert, den Dortcon nämlich. Aber wie ich gerade in den Kommentaren gelesen habe, überlegt sich Christian sogar ob wir überhaupt zu DEM Fandom gehören, das er beschreibt.

    Meine Meinung? Ja, wir gehören dazu. Wir pflegen unsere Bücherbörse, die vielen Reihen Buchrücken, ja, wir haben die DVDs von Robert Vogel und sonst kaum Merchandising. Nicht weil wir es nicht versucht hätten. Aber die besagten Händler waren über den mageren Umsatz enttäuscht und sind nicht wiedergekommen. Bücher gehen bei uns eben noch am besten.

    Mag sein, dass es unsere Veranstaltung irgendwann nicht mehr gibt, weil das Orgacomteam mit klapprigen Knochen im Altenheim sitzt und sich an die schönen alten Tage erinnert, an denen man sich über 250 Besucher gefreut hat – und zwar besonders über die 10 Gäste, die nachweislich ganz frisch den Weg zu uns gefunden haben.

    Haben wir versucht, etwas für die Jugend zu tun? Ich erinnere mich an diverse Wettbewerbe für Schüler, an die Arbeit und an die magere Ausbeute dieser Versuche. Nachdem uns Verschnarchtheit vorgeworfen wurde haben wir uns auf Facebook eine Seite zugelegt und einen Twitteraccount dazu – allerdings haben wir niemanden, der rund um die Uhr das Netz durchforstet und diese Ergebnisse twittert und facebooked. Das Leben, das Leben. Das macht einem immer einen Strich durch die Conarbeit ;D – Ich mache das so gut es geht, erfreue mich an FB und werde den Twitteraccount rechtzeitig in der heissen Werbephase vor dem Con wieder aktivieren.

    Ich erinnere an den Poetry Slam der – jawoll, dieses Mal in die dritte Runde gehen wird! Auch hier hatten wir auf Synergieeffekte gesetzt, aber weit gefehlt. Die Slamverrückte Jugend hatte sich nicht eingefunden – dafür hat sich aber die Schar der sogenannten Oldies begeistert gezeigt. Deswegen machen wir es wieder – weil es Spass macht! Weil sich unsere Gäste wohl fühlen.

    Tja. Vielleicht werden die altbekannten Veranstaltungen in den nächsten Jahrzehnten aussterben. Und? Es werden sich neue Köpfe finden, die neue Veranstaltungen organisieren. Denn treffen wollen sich auch die vernetzten Menschen. Das sehen wir ja immer wieder bei den gut besuchten Roomparties vom SF Fan User Treffen oder der NOVA Redaktion, die neue und alte Gäste gerne bei sich sieht.

    Nochmal meine Meinung? Seien wir doch etwas entspannter. Lassen wir der Jugend (welche Alterstufe meinen wir eigentlich damit? Definition bitte!) ihre Formen der Treffen: Cosplays und anderes. Lassen wir unseren älteren Gästen weiterhin ihre ‚verschnarchten‘ Cons. Lassen wir den Leseratten ihre Bücherbörsen und den Mediafans ihre Autogrammstunden. Das ist doch alles okay!

    Was ich für mich möchte? Ich möchte einen Con, auf dem gelesen wird. Der Platz hat für einen Poetryslam, für Filker, für gute Kunst, für Performances. Ich möchte kreative Workshops, in denen der Gast zum coworker wird – ich möchte einen Con, in denen es um Gemeinsamkeiten geht. Da soll es mal laut sein, dann wieder ruhig und nachdenklich, lustig und ernst. Wenn das mal nicht Leben ist, oder?

    Fazit: Ich sehe kein sterbendes Fandom. Ich sehe nur ein Fandom im Wandel. Durchsetzt mit traditionellen Inseln. Auf denen man sich verschnaufen kann bevor man sich auf zu neuen Ufern begibt. ;D

    • Christian Heiko Spließ Mo, 22 Okt 2012 at 09:43:46 - Author

      Wie definiert man Jugend? Gute Frage. Für manche bin ich das mit 36 noch, für andere bin ich schon ein alter Sack. 😉 Ich meine, ich hätte im Nachfolgeartikel in dem ich mit den Argumenten der Kritiker auseinandersetzte auch geschrieben, dass eine Definition da noch aussteht. Die Definition ist sicherlich gesellschaftlich immer wieder verschoben worden: Es gab Zeiten in denen eine Kindheit überhaupt nicht existierte, es gab Zeiten da gings nach der Konfirmation oder Firmung in den Beruf und in die Verantwortungwelt der Erwachsenen. Heutzutage könnte Jugend durchaus bis zum Lebensjahr von 28, 29 gelten lassen – gemeinhin denke ich aber wir können uns auf das 25. Lebensjahr einigen. Die Werbung möchte natürlich immer suggerieren, man könne ewig jung bleiben.

      Ich glaube, der DortCon hat wie der BuCon eine Sonderstellung – ich weiß, dass ihr im Orgateam schon früh in Schulen gegangen seid und Wettbewerbe veranstaltet habt um das Thema Science-Fiction interessanter zu machen. Ich weiß auch, dass ihr einer der Conventions seid, die tatsächlich von Fans beider Strömungen des Fandoms besucht werden – wie geschrieben: Der typische FedCon-Besucher ist beim BuCon nicht anzutreffen, teilweise liegt natürlich darin, dass die Zielgruppen verschieden sind, aber auch FedCon-Besucher lesen ab und an Perry Rhodan und umgekehrt schauen Perry-Rhodan-Leser auch Serien. Der SF-Fan an sich ist ja eigentlich im Grunde nach einer, der sich rege für sein Feld interessiert – daher finde ich diese Trennung, die von einigen auch schön gehegt und gepflegt wird auch unsinnig. Aber das ist eine andere Diskussion.

      Du sagst das Fandom ist im Wandel. Das bestreite ich nicht, im Gegenteil: Natürlich ist das Fandom im Wandel und wie das bei einem Umbruch immer der Fall ist werden einige Teile diesen Wandel nicht mitmachen – wollen oder können – und auf der Strecke bleiben. Doch der Glaubenssatz „Wir müssen uns nicht ändern, weil alles so gut ist wie es ist“ sollte gerade in Zeiten des Wandels überdacht werden. Das wird aber einerseits nicht getan, andererseits wird seit Jahr und Tag über fehlendes Engagement, fehlenden Nachwuchs, fehlende Fanzine-Beiträge geklagt. Vor kurzem etwa las ich im Fanzines des Marburger Phantastik Clubs – heißt der jetzt so? MVP habe ich da im Kopf als Abkürzung – dass man eine Beiträge von Mitgliedern vermissen würde und gerne mehr abdrücken würden wenns denn mehr gäbe… Dass sich das Paradise des TCEs verspätet kam schon mal in der Vergangenheit des Clubs vor. Es liegt mir auch nicht an hier Clubinterna auszubreiten, aber sie waren sehr massiv. (Im INTERN des letzten Paras stehen diese Gründe detailliert drin, das bekommen allerdings nur die Clubmitglieder.)

      Die Szene wandelt sich. Richtig. Wenn allerdings die klassischen Cons überleben wollen müssen sie sich ebenfalls wandeln – ansonsten werden sie irgendwann nicht mehr vorhanden sein. Und wir wissen heute noch gar nicht welche neuen Organisationsformen für Cons es geben wird oder wie Cons in der Zukunft aussehen werden – Stichwort Barcamp etwa, das hat sich in anderen Szenen rasch etabliert – es wird aber nicht der klassische Con sein, den ich beschreibe. Und die Digital Natives werden mit Sicherheit noch anders ans Fandom herangehen als ich mir das jetzt vorstellen kann – nein, ich meine nicht die jungen Leute von heute, ich meine die, die jetzt Babys oder Kleinkinder sind…

    • Ich denke, es ist günstig, Duisburg im Vergleich zu globalen Trends zu sehen und die Stadt dran zu zu vergleichen:

      LINK, Loser Industrie-Nation & Kommune
      OINCOld Industrial Nations & City

      OINC, (sprich eunck) ist eine Abkürzung für Old Industrial Nation & City (of the Northern Hemisphere) und wird als neuer Begriff angeboten, wirtschaftliche Entwicklungen sprachlich zu klassifizieren – vorerst in der Volks- und Weltwirtschaft. Die Umstände in Duisburg haben die Entstehung des Begriffs maßgeblich geprägt.

      OINC tritt als Antonym zu BRIC an, dessen Bedeutung in ökonomischen Kreisen gut bekannt ist.

      Duisburg – europäische Musterstadt: „Wir sind schon heute die Zukunft von Europa!“

      • Christian Heiko Spließ Do, 25 Okt 2012 at 07:28:23 - Author

        Vielleicht in den falschen Artikel gerutscht der Kommentar? Ich hab ihn dennoch mal freigeschaltet…

        • Danke – es gibt immer wieder Versuche, sich der Vielfalt in Dusburg zu nähern – als Ausbruch aus der einfältigen Monokultur der Parteihochburg, dankenswerterweise von xtranews unterstützt.

          Ich würde den Kommentar gern an passender Stelle schreiben. Wo als Fiction?

          Wenn es ständig den Bach runter geht, ist dann die Entwicklung einer Stadt niederträchtig = voll in die Polder?

          Und wen wundert´s dann? Das Sterben einer Fankultur: Wie das klassische deutsche Science-Fiction-Fandom untergeht

  9. Am 17. Mai wurde die Stadtjuristin Frau Astrid Jochum durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG NRW) gebeten, die Links auf dem Stadtserver zu nennen, wo das IFG NRW und die Einwohnerfragestunde (§22 e der Geschäftsordnung des Stadtrates) erläutert werden.
    Am 13. Juni wurde mitgeteilt, dass die Anfrage als Anregung verstanden würde und „in Kürze“ entsprechende Anleitungen im Internet veröffentlicht würden.
    Diese Antwort ist 88 Tage alt.
    Bei 100 Tagen, 200 Tagen, 300 Tagen … werde ich jeweils über den Stand der Erledigung berichten. Im Tabellenkalkulationsprogramm habe ich mir notiert:
    =TAGE(“2012-06-13″; JETZT())
    Kommentar vom 19. Sept. bei xtranews.de unter Bürgebeteiligung

    Auf eine IFG-Anfrage hin vor 140 Tagen hat die Stadt Duisburg Hoffnungen erweckt: „in Kürze ..,!“

    „in Kürze ..,!“ war eine Falschinformation. Ich betrachte das als Wort- und Gesetzesbruch. Das wird gelegentlich dem LDI NRW vorgetragen. Der LDI gibt an, keine Statistik der Gesetzesbrüche beim IFG NRW zu führen. Er könnte mit der Stadt Duisburg beginnen.