Samstags in Duisburg, Teil 14: Im Herbst fallen von den Bäumen die Blätter – Donnerwetter – bzw. Basta!

Herbstanfang – na und?! Ein Spektakel überall. Herrgott Sakra! Als wenn der Herbst so etwas Besonderes wäre! Tatsache ist doch, dass er – also: der Herbst – ziemlich regelmäßig vorkommt. Ich zitiere aus dem gestern erschienenen Spiegel-Online-Artikel namens „So dreht die Erde in den Herbst“. Die ersten beiden Sätze lauten: „Unser Planet steht am Übergang zu einer neuen Jahreszeit: Am Samstag um 16:49 Uhr beginnt der Herbst.“ Ach, das wussten Sie schon? Na, dann regen Sie sich aber bitte nicht so furchtbar auf! Sehen Sie das positiv! Denken Sie positiv – das ist sowieso immer richtig. So ein Herbst ist wichtig, und: er hat auch seine guten Seiten. Zum Beispiel fallen die Blätter von den Bäumen, Stichwort: Reinigungsfunktion. Und: man sieht endlich viel klarer. Statt dieses Wildwuchses der doofen Natur in ihrem grellen illusionistischen Grün (Farbe der Hoffnung, der Ökos und der Freunde des Propheten) endlich wieder der volle Durchblick, oder – wie es im Schlusssatz des SpOn-Artikel treffend heißt: „Der Planet erscheint in ganzer Pracht (hier geht es zur Fotostrecke)“.

Zugegeben: diese klare Sicht kann mitunter, wie jede Aufklärung, mit einem erheblichen Maß an Frustration verbunden sein. Zum Beispiel auch deshalb, weil, wenn einem diese ganze Pracht so urplötzlich – und beim Ein oder Anderen sogar auch unerwartet – mit voller Wucht erscheint, man geneigt ist, sich zu sagen: „Ich will das alles gar nicht sehen!“ Das nützt aber auch nichts; denn davon geht der Herbst nicht weg. Und Herbst ist nun einmal ab heute überall auf der Welt. Okay, auf der Südhalbkugel genau genommen nicht. Doch erstens haben die da ganz unten auch schon mal Herbst, und zweitens wohnen – ob Sie es glauben oder nicht – die da unten auch noch auf der Nordhalbkugel. Na: die, die da momentan so ein Riesenpalaver abziehen – Nordafrika, Arabien, Pakistanien, Indonesien, Sie wissen schon… Aus dem arabischen Frühling ist mittlerweile ein arabischer Herbst geworden, und so ein paar ganz Schlaue machen jetzt (!) mit dem Hinweis auf sich aufmerksam, dass sie sich das doch gleich gedacht hätten. Wahrscheinlich das mit der Nordhalbkugel, nehme ich an. Boah, was geht mir das alles auf den Keks!

Oder in Duisburg: der Duisburger Frühling – der alte Oberbürgermeister wurde abgewählt. Revolution: Jubel, Trubel, Heiterkeit. Und schon mit Beginn des Sommers hatten wir einen Neuen. Und was hatte der für einen guten Start! Nein, der Sommer doch nicht! Der neue OB. Die richtigen Worte hatte er gefunden. Als es wirklich wichtig war, und auch sonst so. Sogar das Wetter wurde besser, wobei es sich allerdings auch um einen Zufall gehandelt haben könnte. Egal: was für ein schöner Duisburger Sommer! Jetzt ist er zu Ende, dafür ist jetzt Herbst, und das ist ganz bestimmt kein Zufall. Das ist gesetzmäßig, sozusagen. Genauso wie die paar ganz Schlauen, die jetzt damit ankommen, dass sie sich das doch gleich gedacht hätten. Andere wiederum, die sich das ganz bestimmt gleich so gedacht hatten, geben sich so empört und wütend wie ein Salafist, dem man einen Mohammed-Witz erzählt hat. „Zur Hölle mit den Roten!“, brüllen sie. „Und am besten mit den Grünen gleich mit!“ Denn die führen sich ja auf wie die Schwarzen. Und das, wo die so gesagt hatten, dass sie das bestimmt nicht mehr tun werden. Nicht zu fassen! Herbst sogar in Duisburg!

Dabei: im Herbst sieht man endlich viel klarer. Statt dieses Wildwuchses der doofen Natur mit ihren grellen illusionistischen Farben endlich wieder der volle Durchblick – in diesem Fall: die tiefe christliche Einsicht in die Sündhaftigkeit des Menschen. In diesem Fall in die Sündhaftigkeit der „missglückten Helden, die jetzt Beamte sind“, von denen uns Udo Lindenberg dereinst in seinem Lied „Da war so viel los erzählt hatte. Er traf sie auf einem Klassentreffen wieder, den Herrn und die Frau Bieder, um dort feststellen zu müssen: „Die Power von damals ist leider hin. Und Fritz der Cowboy wurde nur Manager bei der Müllabfuhr…“ – das Ende vom Lied. So sang uns Udo das dereinst, weil wir uns so etwas erzählten. Dereinst, doch die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage gilt den Cowboys nicht mehr unser Mitleid, sondern nur noch der blanke Neid. Manager bei der Müllabfuhr, das kommt heute kurz hinter dem Sechser im Lotto. Wahrscheinlich noch vor dem schönen Häuschen auf einem Grundstück direkt am Wambachsee, den die Profiteure früherer Postengeschacher schon weitgehend zugebaut haben.

Jetzt, wo auch noch das letzte freie Grundstück unter den Hammer kommt, beschwert sich das einfache Volk, weil es dann überhaupt nicht mehr an den See ran kann. Man mag dies irgendwie auch verstehen; andererseits: die Stadt braucht Geld. Darüber kann man freilich nicht abstimmen, und schon gar nicht formfehlerhaft. Sinn und Zweck des Frühlings besteht im Grunde darin, den Sommer zu bereiten. Doch jetzt ist der Sommer vorbei. Es ist Herbst in Duisburg, also wieder Alltag. Was will man da an einem See, wo es doch zuhause auch sehr schön sein kann. Wenn man nicht gerade, um es korrekt auszudrücken, Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa in der unmittelbaren Nachbarschaft hat. Kaum fordert man dann einmal, diese Leute „umzusiedeln“, heißt es gleich wieder… Also schickt die Stadt ein paar Sozialarbeiter vorbei, auf dass der Abfall wenigstens einigermaßen in deutschverträgliche Dosen kommissioniert wird, und die Manager von der Müllabfuhr kümmern sich um dessen – so gut es geht – unbürokratische Abholung. Gerhard Schröder lacht dreckig über die Cowboys bei der Müllabfuhr, die er nur „Gas, Wasser, Scheiße“ zu nennen pflegte.

Damals, jetzt macht er bekanntlich selbst in Gas. Na ja, alles alte Geschichten. Aber das mit diesen Hartz-Reformen hatte er ganz toll hingekriegt – vor genau zehn Jahren. Und das lässt er sich auch von niemandem nehmen! Schon gar nicht von diesem Verräter, der damals vorgab, sein Zwilling zu sein. Aus und vorbei. Heute dieser Steinbrück – beachtlich, wie der jetzt auf der Parteikonferenz Flagge gezeigt hatte! „Stolz auf das Geleistete“ hat er diesem Kartell der Mittelmäßigkeit verordnet, aus dem er selbst sich tatsächlich schon seit langem freigeschwommen hatte. Alle Achtung! Hätte man ihm gar nicht zugetraut. Insofern ist es nur konsequent, dass Steinbrück jetzt der Neue wird, wie wir jetzt über den Cicero bekanntgegeben haben. Da könnte diese CDU-Tante noch ganz schön dran zu knabbern haben! Mit ihr will er nicht, mit den Anderen traut ihm kein Mensch zu. So gesehen: ganz schön clever alles. Aber das checken ja nicht einmal die eigenen Leute. Anstatt sich zu freuen, dass jetzt alles klar ist: Herbststimmung. Egal, die können sagen, was sie wollen. So machen wir das. In Duisburg wie in Berlin. Basta!

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