Summertime is back in Elm 2012 – Lang lebe der Straight-Jackets Club!

Ein gewisser Bill Flagg aus Waterville in Main ist an allem Schuld. Er war es der 1954 als erster den Begriff „Rockabilly“ benutzt hatte. Knappe 60 Jahre später kamen in Elm knapp 1000 Besucher zusammen um das „Summertime is back in Elm“-Festival zu feiern. Elm? Elm heißt eigentlich auf plattdeutsch „Öölm“  und ist ein Ortsteil von Bremervörde. Hier veranstaltete der Club „Straight-Jackets“ sein alljährliches Sommerfest.

Ich war skeptisch. Was soll ausgerechnet ich auf einem Rockabilly bzw. Psychobilly-Festival? Hat das nicht automatisch Schlägereien und hemmungslosen Drogenkonsum zur Folge? Und klingen die Bands nicht sowieso alle gleich mit ihrem Slap-Bass? Mein Kollege lachte: “ Die sind nicht minder aggressiver als du damals bei den Chaostagen in Hannover. Von den Drogen ganz zu schweigen. Und die Musik klingt gleich? Das sagt ausgerechnet ein Ramones-Fan“. Schon gut. Er hatte ja Recht. In der Tat habe ich einen musikalischen Bezug. Immerhin hatte ich Bands wie Stray Cats, Matchbox, Meteors, Demented are go auch schon live gesehen.

Bei der Ankunft  gegen 17h war die Wiese vor der Bühne schon gut gefüllt und man staunte schon was die ca. 50 Helfer auf die Beine gestellt haben. Neben der Bühne gab es eine riesige überdachte Old School-Wohnlandschaft mit zig Sofas und Sesseln. Drei Spanferkeln drehten ihre Runden am Grill. Daneben die längste Bar Elms mit fleißigen Helfern bei der Bierausgabe. Es war ein schöner, bunter Haufen mit vielen Klischees und Absurditäten. Ein etwas beleibter Rockabilly mit zauberhaften Koteletten hatte seine Jeansjacke in bester Rockermanier doch tatsächlich mit „Rottsau-Pottsau“ verzieren lassen.  Eine immense Anzahl von Flattops zierten das Gelände. Die Girlfraktion zeigten ihre Tattoos en masse wobei ich mich fragte was Kirschenmotive eigentlich mit Rock n Roll zu tun haben? Doch dazu später mehr. Als die armen Schweine ihren Garpunkt erreicht hatten, bildete sich eine irre lange Schlange vor der Ausgabestelle. Manch einer war ganz verzückt nach einer Unmenge Fleisch. Dabei gab es durchaus passablen Salat, ausgegeben von verdammt höflichen Damen in einer Art Campingwagen. Das Bier floss in Strömen was zu reichlich Unprofessionalität  bei mir führte. Man konnte gar nicht anders als mittrinken und wurde mächtig gepusht von der Gute-Laune Stimmung. Das hatte böse Folgen für den Autor dieser Story.  Fünf Bands haben gespielt und drei habe ich bewusst wahrgenommen. „Out of Luck“ hatten keinen leichten Stand zu Beginn des Festivals. Dabei hatten sie so schöne Sozialkritik an der Arbeitsagentur auszusetzen. „The Frogs“ begeisterten das Volk da schon um einiges mehr. Zwischenzeitlich gesellte ich mich zu wahrhaft illustren Gestalten aus der Szene wie z.B. ehemalige Bandmitglieder der Punk n Roll Combo „La Cry“ aus Hamburg, Tätowierer „Sauer“ vom Batlands-Studio in Lüneburg oder wunderbaren Ladies mit seltsamen Namen wie „Kirsche“ oder „Nacktschnegge“.  Als dann „Bloodsucking Zombies from Outer Space“ die Bühne enterten wurde ich ein wenig skeptisch. Angesichts der angemalten Horrorfratzen vermutete ich mehr Show als Klasse. Weit gefehlt. Sie legten eine wunderbare Show hin wobei besonders der Drummer/ Sänger angesichts seines Multitaskings hervor stach. Und siehe da…ich hatten meinen geliebten Punk wieder. Denn die Zombies coverten nicht nur die Horrorpunklegende „Misfits“. Auch das Publikum klaute  eine Eigenschaft der Punks. Pogo war angesagt. Nach der mitreißenden Show begab ich mich auf eine 60iger-Jahre Couch und traf auf ein Pärchen abseits der Vernunft, die dafür sorgten, dass ich nicht mehr lange auf eigenen Beinen stehen konnte. Voll wie eine Kirsche trottete ich über das Gelände und war auf der Suche jener Lady, welche auf eben diesen seltsamen Namen hört. Ich fand weder sie noch das Zelt. Dafür immerhin die Rückbank unseres Autos auf dem ich mich bequemte einzuschlafen. Zig Stunden später ging mein Kissen in Form der hinteren Seitentür auf. Ich sah das Geschehen verkehrt herum aber dafür habe ich die Welt gesehen in Form der zauberhaften „Kirsche“ welche mich nach einem kecken „Guten Morgen“ flugs küsste. Wenn das kein Rock n Roll ist, was dann? Vielleicht noch mein Spaziergang umhüllt in einer Leopardenfelldecke direkt zum Bierstand wo die letzten Drinks  ausgegeben wurden? Wie auch immer…ich habe den Rock n Roll nicht erfunden. Billy Flagg fragen! Oder die Jungs vom Straight-Jackts Club aus dem verträumten Elm. „Summertime in Elm 2013“ ist bereits in Arbeit.

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