In was für Gespräche

The Palazzo della Signoria, better known as th...

The Palazzo della Signoria, better known as the Palazzo Vecchio (English:The Old Palace) (Photo credit: Wikipedia)

In was für Gespräche ich zu Wein und Musik auch gerate, Worte Kultur, die sich auf Geistiges beziehen, sind belanglos. Mehr als jenes kleine Andenken an Cicero ist nicht zu erhaschen. Das heißt aber keineswegs, dass die Leute schweigen. Im Gegenteil: anmutig plaudern, linkisch konversieren und ingeniös schwatzen, das können sie in den Städten, besonders bei Hofe, sehr gut. Ja, all dies gehört zu ihren Aufgaben!

Il libro des Cortegiano (PDF) von Baldassare Castiglione lässt ein ideales Bild von Menschen bei Hofe entstehen. Es ist weit verbreitet und vielfach übersetzt worden. Zu Anmut, Ausgewogenheit und ein Interesse an den Künsten wird ingegno verlangt, lateinisch ingenium, den lexikalischen Bedeutungen nach Begabung, dem Gebrauch nach Esprit, ganz ohne Kultur. Der Anspruch an die Menschen, universal zu sein, ist unverkennbar, sozial steht jedoch die Schaffung einer vorteilhaften, für den Prinzen und seine Gäste angenehmen Atmosphäre im Vordergrund – was immer auch im Hintergrund geschehen mag.

Dreist geht es, wie ich erfuhr, in englischen Übersetzungen zu: ingegno wird mit genius (Genie!) übertragen! Zwar kenne man auch das dämonenhafte, eingeborene Wesen, dem man mit allerhand Künsten auf die Spur zu kommen sucht, besonders mit der Astrologie, aber ingegno damit auszulöschen, sei unverzeihlich!

Den Engländer Dowland hat die Übersetzung vor Dunkelheit nicht schützen können!

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Die essayistische Notiz „In was für Gespräche” steht im Kontext eines Projektes über Kultur. Der erste Text der Reihe lautet: Der Award, der vorgängige: Während des Aufenthalts , der nächste: zum Schmunzeln
Zwei weitere Texte sind bereits veröffentlicht aber noch nicht eingereiht: Musik ist eine Hure und Das Ende einer Ära.

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