Beschneidung für Judentum unverzichtbar

Mit Bestürzung und Entsetzen nahm die ORD (Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland) das Urteil des Landesgerichtes Köln (151 Ns 169/11) zur Kenntnis, in welchem eine religiös motivierte Beschneidung als Versehrung und Körperverletzung zur Straftat definiert wurde.
Die ORD erklärt:

Die Beschneidung ist für das Judentum seit jeher ein unverzichtbarer Bestandteil! Sie führt direkt auf den Vorvater der drei großen abrahmitischen Religionen, Abraham, zurück, als festes Zeichen des Bundes mit G“tt und der Zugehörigkeit jedes Juden zum jüdischen Volk.

Seither wird die Beschneidung fast 4000 Jahre in ununterbrochener Linie ausgeübt! Schätzungsweise fast eine Milliarde Männer weltweit sind beschnitten, meist aus religiösen, kulturellen oder präventiv gesundheitlichen Gründen, aber wohlgemerkt in der Regel ohne medizinische Indikation – handelt es sich hier um millionenfache Körperverletzung? Kann eine so alte und weltweit verbreitete Tradition als unrechtens gebrandmarkt werden?

Beschneidung ist für das Judentum unverzichtbar! Ohne das Recht auf Beschneidung ist die vom Grundgesetz zugesicherte Religionsfreiheit für das Judentum eine leere Hülle und ein reines Lippenbekenntnis.

Mit dem vom Kölner Landgericht gefällten Urteil macht sich eventuell jeder an einer Beschneidung direkt Mitwirkende strafbar, womit die einfache Ausübung der jüdischen Religion kriminalisiert wird! Mit Bestürzung verfolgt die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und weltweit diese Entwicklung – sollte Deutschland in der heutigen Zeit wirklich diese Rolle einnehmen wollen?

 

4 thoughts on “Beschneidung für Judentum unverzichtbar

  1. ich bin kein Jude oder Moslem und ich bin auch nicht beschnitten aber ich muss sagen es wurden in Deutschland schon viele idiotische Gerichtsurteile gefällt – aber dieses Gerichtsurteil spottet jeder Natur, die Richter, die so etwas als Urteil verkaufen sollten schnellstmöglichst die Richterrobe an den Nagel hängen. Ich kenne viele Juden bzw. Moslems, die beschnitten sind, ich hab aber noch nie von irgendeinem derer irgendetwas negatives gehört oder das er es als Körperverletztung an sich aufgefasst hätte.
    Mit diesem Urteil wird die Beschneidung eines Jungen gleichgesetzt mit der grausamen und unmenschlichen Beschneidung junger Mädchen in Afrika und das ist ein Unding.

  2. Auch ich halte das „Kölner Urteil“ für der Welt entrückt.
    Dass die ORD, deren Alltag darin besteht, sich damit herumzuplagen, dass viele jüdische Männer aus den GUS-Staaten nicht beschnitten worden sind, sich über dieses Urteil mächtig aufregt, ist ebenfalls ohne weiteres verständlich.
    Und doch halte ich den Ton der ORD-Erklärung für irritierend. Insbesondere im letzten Satz scheint die ORD den Eindruck zumindest billigend in Kauf zu nehmen, dass die Einstufung der Beschneidung als Körperverletzung in einer Traditionslinie mit der Judenvernichtung der Nazis stehen könnte.
    Das ist selbstverständlich vollkommen absurd.

  3. hier sollte vielleicht unterschieden werden zwischen dem freiwilligen akt eines mündigen oder z.b. einem achttägigen säugling, wie im fall Rubinstein. [1]
    solange das menschenkind seinen eltern religös folgt, wirft das sicher keine fragen auf. und die, die später für sich entscheiden, anders lebe zu wollen?

    religiöse riten sind nicht grundsätzlich ein problem. erst, wenn sie mit unserem rechtssystem kollidieren. vielleicht ist es einfacher das umzubauen???

    ein verwunderter

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    [1] http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/urteil-zur-beschneidung-aergert-duisburger-id6816937.html

  4. Nicht ohne Grund wird in Artikel 2 des Grundgesetzes das „Selbstbestimmungsrecht“ und das Recht auf „körperliche Unversehrtheit“ unter besonderen Schutz gestellt.

    Das ebenfalls im Grundgesetz besonders geschützte Recht auf „Religionsfreiheit“ beinhaltet nicht, dass andere Grundrechte außer Kraft gesetzt wären.

    Die Tatsache, dass ein Ritual seit Ewigkeiten ausgeübt wird, ändert ebenso wenig daran.

    Das Gericht hat mit seinem Urteil klar Stellung zum verbrieften Recht eines Menschen auf körperliche Unversehrtheit bezogen. Und das ist gut so.