Der blinde Fleck

Wahl-Coates Elementary School

Wahl-Coates Elementary School (Photo credit: Wikipedia)

In der Politik lassen sich Wahlereignisse nach der Zuträglichkeit bewerten. Zumindest glauben dies manche Politiker. Dass eine niedrige Wahlbeteiligung von ca. 32%, wie die zur heutigen OB-Wahl in Duisburg, auch politische Gründe haben könnte, wird äußerst selten in Betracht gezogen. Der blinde Fleck demonstriert den Bürgern immer wieder die niedrige politische Kompetenz in der Politik und zeigt ein Grundproblem unserer Demokratie auf.

Der Kandidat der CDU, Benno Lensdorf (ca. 21 % der abgegebenen Stimmen), äußerte in der Wahlsendung von Radio-DU die Ansicht, das Interesse der Bürger an der Politik sei zu gering, ‚der Bürger‘ wolle sich damit nicht auseinandersetzen. Ein solches Statement kratzt noch die Krumen aus dem tiefen Graben, der zwischen Bürgerschaft und Politik besteht

Wahlforschungen haben ergeben, dass Unzufriedenheit und gebrochen Versprechungen zu niedrigen Wahlbeteiligungen führen. Das Anliegen der Politik war, nach der bürgerschaftlich engagierten Abwahl von OB Sauerland, sich auf einen überparteilichen Kandidaten zu einigen. Zur Wahl standen schließlich 13 Kandidaten, einschließlich der Idole aller Parteien! Eine Farce, auch abseits von esoterischen Deutungen. Die Politik hatte bereits im Vorfeld der Wahl in erbärmlicher Weise versagt.

Den Parteien kann dies egal sein. Sören Link (ca. 48 % der abgegebenen Stimmen) wird zusammen mit dem Kandidaten der CDU am 01. Juli in die Stichwahl gehen. Die vollständige Wiederherstellung der Pateiendemokratie ist ihnen gelungen. Ein Mindestmaß an Bürgerbeteiligung bedarf es nicht. Und wenn ‚dem Bürger‘ die Politik ohnehin egal ist, dann reicht es, die jeweiligen Parteimitglieder zu mobilisieren. Das ist schon schwer genug!

Wer möchte sich in der Politik dann noch mit Politik belasten?!

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3 thoughts on “Der blinde Fleck

  1. Die SPD hatte auf eine geringe Wahlbeteiligung spekuliert, genauso wie CDU / Grüne bei der Abwahl. Die vermeintliche Politikverdrossenheit ist eine den Parteien gegenüber. Die Wähler waren enttäuscht darüber, dass sich 1. die „BI“ entzweite und diese 2 Kandidaten aufstellte und dass 2. die Parteien ihr Versprechen brachen und so taten wie eh und jäh. Außerdem hatte man spitz gekriegt, dass die BI um Stegmann und Hüsken aus gegensätzlichen politischen Lagern hervorging und Stegmann das nicht gejuckt hatte. Meine Vermutung: man lässt die Stichwahl scheitern und versuchst erneut. Das wäre geil .