„Als Geschäftsführer einer Jüdischen Gemeinde ist Michael Rubinstein auch irgendwie vorbelastet“

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Duisburger OB-Kandidat Michael Rubinstein - Foto: Thomas Rodenbücher

Es geschah am Sonntag um 20:54 Uhr. Bruno Hensellek drückte die Enter-Taste, um damit den folgenden Kommentar abzuschicken:

„1. Ich habe nichts gegen Religionsgemeinschaften, soll jeder denken oder glauben, was er will. Ich mach es auch. 2. Als Geschäftsführer einer Jüdischen Gemeinde ist Michael Rubinstein auch irgendwie vorbelastet. Das ist damit gemeint, und nichts anderes.“

„Das ist damit gemeint, und nichts anderes“ – das ist der Sound des deutschen Mannes, der sich genötigt sieht, irgendetwas ein für allemal klarstellen zu müssen. Es hatte nämlich eine kontroverse Diskussion gegeben zu einem Posting in dieser Facebook-Gruppe. Ein Wort gab das andere. Vielleicht ist Hensellek einfach nur missverstanden worden; vielleicht war er an diesem Punkt der Debatte auch schlicht nur schon ein wenig genervt. Genervt von all diesen Rubinstein-Fans, die ihn partout nicht so verstehen wollten, wie er verstanden werden wollte. Deshalb hatte Bruno Hensellek einfach noch einmal klipp und klargemacht, was er gemeint hatte: „nichts anders“ als dass Michael Rubinstein als Geschäftsführer einer Jüdischen Gemeinde auch irgendwie vorbelastet ist.

 

Aber der Reihe nach. Es geht, wie Insider schon geahnt haben dürften, um den OB-Wahlkampf in Duisburg. Michael Rubinstein ist einer der unabhängigen Kandidaten, der einzige unter ihnen, der sich Hoffnungen machen kann, bei der Wahl am 17. Juni den 2. Platz erlangen zu können und damit in die Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Favoriten Sören Link zu kommen.

Hensellek ist Mitglied der SPD und unterstützt folglich den SPD-Kandidaten. Einst hatte er bei ArcelorMittal gearbeitet, im Knüppelwalzwerk, der Bruno Hensellek. Rubinstein arbeitet als Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde, immer noch. Aber, wie gesagt; er will ja Duisburgs Oberbürgermeister werden, der Michael Rubinstein. In diesem seinen Begehr unterstützt ihn die Bürgerinitiative Neuanfang für Duisburg e.V., die zu diesem Zweck eine Facebook-Seite gleichen Namens unterhält.

Den Kopf dieser Seite schmückt ein Rubinstein-Wahlwerbe-Banner, und schon am Sonntag zuvor postete der Werner Hüsken, der Vorsitzende dieses Vereins, folgenden kleinen Wortbeitrag:

„ECHTER NEUANFANG – Diesmal ohne Parteibuch!
Deshalb MICHAEL RUBINSTEN“

Naheliegenderweise konnte Hüskens wenig bis gar nicht kaschierte Wahlwerbung dem Genossen Hensellek überhaupt nicht gefallen, der deshalb am Montag, den 14. Mai um 10:55 Uhr mit dem Gegenangriff „Rubinstein???? Nein Danke“ konterte. Die vier Fragezeichen im Original. Nicht drei, nein: vier.

 

Hier ´ne Meinung, da ´ne Meinung – das ist in Ordnung, das ist Demokratie. Demokratie ist das Beste, was es gibt, selbst wenn ihre Nachteile offensichtlich sind. Zum Beispiel dieser: Debatten können sich furchtbar hinziehen. An diesem Sonntag, also am 20. Mai, also eine Woche, nachdem Hüsken für einen Neuanfang ohne Parteibuch plädiert hatte, will Hensellek plötzlich wissen: „Hat Rubinstein nicht auch ein Parteibuch in der Tasche ???“ Diesmal nur drei Fragezeichen, gesetzt um 12:36 Uhr.

Es folgen etliche Beiträge, die sich darin gleichen zu glauben, Rubinstein sei parteilos. Womit wir beim Stichwort wären: Glauben. Ist bekanntlich nicht Wissen; also setzt Hensellek unbarmherzig nach. Um 14:20 Uhr mit der knallharten nächsten Frage: „Vertritt er nicht eine Glaubensgemeinschaft???“ Natürlich tut er das, dieser Rubinstein.

Dermaßen in die Enge getrieben tritt er höchstselbst an, Kandidat Rubinstein. Er „verfüge über kein Parteibuch und habe noch nie über ein Parteibuch verfügt“, erklärt er um 14:25 Uhr, um um 14:42 Uhr nachzuschieben, es sei „nicht verwerflich, einer Religionsgemeinschaft anzugehören“. Ja, für so etwas muss der Kandidat persönlich ran, der „einer Religionsgemeinschaft“ angehört – „einer“ wohlbemerkt!

 

Die Rubinstein-Fans beginnen ab jetzt in verstärktem Maße, Henselleks SPD-Mitgliedschaft zu problematisieren. Um 18:57 Uhr weist Hensellek, der etwas zu ahnen scheint, dieses „Problem“ keineswegs als das Konstrukt politischer Gegner zurück, sondern bestätigt es eher mit seiner mannhaften Feststellung: „Auch wenn ich einer Partei angehöre, hab ich meine eigene Meinung, und die kann mir keiner verbieten.“

Der Druck nimmt zu, die anderen Diskutanten werden nicht ausfallend, nicht einmal richtig unhöflich, doch es fallen Wörter wie „braun“. Zwei Stunden später ist es dann so weit: Hensellek bringt das eingangs angeführte Zitat mit dem „irgendwie vorbelastet“. Das bringt freilich noch etwas mehr Leben in die Debatte. Hensellek ergreift jede passende und unpassende Gelegenheit, mal etwas Schlechtes über die CDU oder etwas Gutes über Sören Link zu posten, und versucht so, sich aus der etwas misslichen Lage zu befreien.

Doch diese Mattenflucht will nicht gelingen. Bruno Hensellek muss um 21:23 Uhr noch einmal festklopfen, was er wirklich meint: „Ich habe nichts gegen seine Religionszugehörigkeit, aber als Geschäftsführer einer Religionsgemeinschaft ist er auch nicht mehr neutral.“ Nun ja, das hätte man auch schon früher verstehen können. „Nichts gegen seine Religionszugehörigkeit, aber …“ ist doch wohl deutlich genug. Egal, abermals zu einem Statement berufen fühlt sich der OB-Kandidat, gegen dessen Religionszugehörigkeit keiner etwas hat, aber „vielleicht nicht so genau (weiß), was der Geschäftsführer einer Gemeinde macht“.

 

Rubinstein erklärt, was so ein Geschäftsführer so macht. Und die Gemeinde – nein, nicht die jüdische, sondern die Rubinstein-Fangemeinde – wird auch etwas gnädiger mit dem Genossen, der einst im Knüppelwalzwerk geschuftet hatte. „Ah, jetzt verstehe ich besser, Herr Bruno Hensellek“, räumt Armin um 21:36 Uhr ein, „Sie unterstellen, dass die jüdische Gemeinde über das Mandat von Herrn Michael Rubinstein unerwünschten Einfluss in Duisburg ausübt?“

„Ausüben könnte“, wenn er gewählt würde, müsste es heißen, in das Amt, nicht in ein Mandat. Aber egal – ja logisch! Endlich schnallt es mal einer. Hinter dem Juden stehen die Juden, und dass deren Einfluss „unerwünscht“ wäre, darf ohnehin als unstreitig gelten. Schließlich ist der Einfluss einer jeden Religion auf die Politik letztlich „unerwünscht“, auch wenn sowohl Bruno als auch Armin darauf in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht extra noch einmal ausdrücklich aufmerksam gemacht hatten.

Martina schließt um 21:37 Uhr mit einem soziologischen Diskurs an. Es sei, schreibt sie, „immer schwierig, wenn man sich irgendwo organisiert – dann ist man nie völlig neutral“.Lassen wir einmal dahingestellt, dass man völlig neutral so gesehen vermutlich nicht einmal in einer Krankenkasse organisiert wäre und beim ersten Blindarmjucken statt über die „eigene Position“ im „internen Gruppendiskurs“ völlig frei über die Frage nachdenken darf, wie man an die Kohle für die anstehende OP kommt!

Konzentrieren wir aus auf Martinas Fazit, das da lautet: „Kein Richter, kein Gericht ist neutral, aber er bzw. es sollte sich um Objektivität bemühen.“ Das findet Bruno einerseits irgendwie komisch, andererseits aber trotzdem gar nicht so schlecht, so dass er um 21:38 Uhr großzügig konzedieren kann: „Ok, lasse ich so im Raum stehen.“ Zumal: „Sonst sind wir noch tagelang am Schreiben.“ Das möchte er aber nicht; denn – kann man es ihm verdenken? – er hat „auch keine Lust mehr.“

 

Die ganze Diskussion lief nämlich irgendwie ziemlich beschissen. Na ja, sei´s drum: Bruno Hensellek wäre nicht Bruno Hensellek, würde er in seinem Schlusswort nicht noch einmal klar machen, dass ein Mann ein Wort ist und dass ihm das ganze Gequater der Leute im Grunde sowieso am unbekleideten Gesäß vorbeigeht. Schlusssatz Hensellek: „Meine Meinung behalte ich trotzdem.“

Ach Bruno: ich die meine übrigens auch. Meine Meinung über Dich. Allein: ich sage sie Dir nicht. Erstens gehört es sich nicht. Und zweitens bringt das nichts. Mir nicht, und Dir sowieso nicht.

 

Der 23. Mai ist das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz 23.05.1949) und gilt als Gründungsdatum der SPD (ADAV-Kongress 23.05.1863)

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12 thoughts on “„Als Geschäftsführer einer Jüdischen Gemeinde ist Michael Rubinstein auch irgendwie vorbelastet“

  1. Das interessante an der ganzen Diskussion ist das wenn Herr Rubinstein eben nicht Jüdisch sondern stattdessen Evangelisch oder Katholisch oder Religionslos wäre die Frage oder Irgendwelche Anspielungen auf seine Religionszugehörigkeit Niemals aufgetaucht wären !! Alleine das finde ich Traurig gerade wir in Deutschland sollten gelernt haben das die Religion eines Menschen dessen Privatsache ist ,und kein Mensch das Recht hat Ihn deswegen zu verurteilen oder zu benachteiligen !!

    • Aber sie wissen, dass es Antisemiten gibt und auch Antizionisten, sogar unter Juden und das international?

      Und man ahnt, dass das gar nichts aussagen muss über die politische Gesinnung, wenn man „einen Juden ins Rennen“ schickt, denn der könnte zwar vor den Karren gespannt worden sein, aber den kann man auch in die … fahren lassen, wenn man sich für so mächtig hält das leisten zu können, um dann selber vielleicht aus den eigenen Reihen zu nehmen, falls sich den nicht andere vorgenommen haben, ein Salafist/Dschihadist vielleicht.

      Herr Rubinstein, schauen Sie genau hin, wem sie vertrauen – es sind Feinde da!

  2. Habe ich das richtig verstanden?
    Religion ist eine Vorbelastung?

    Benno Lehnsdorf – evangelischer Christ
    Sören Link – ???
    Habe gerade bei der SPD-Homepage geschnüffelt. Kein Hinweis auf irgendeine Religionszugehörigkeit.

    Wenn Religion eine Vorbelastung ist, will ich von allen Kandidaten
    die Religionszugehörigkeit wissen.
    Sollte das relevant sein, brauche ich diese Information über alle
    Kandidaten für meinen Entscheidungsprozess.

  3. Jetzt frage ich mal : wer ist besser für unserer Stadt ein Mensch wie Herr Rubinstein der sich schon alleine durch seinen Job für die Integration und Aussöhnung der verschiedenen Religionen und somit eben für die Menschen hier in Duisburg einsetzt der durch seinen Beruf Erfahrung in Verwaltung hat , nicht Partei Politisch vorbelastet ist oder
    1. Sören Link der Parteisoldat der SPD dessen ein-zigste Leistung es ist ein Mandat im Landtag zu haben ,
    2 Herrn Wittsiepe der Steuerberater ist, und seine hervorragende Eigenschaft es ist Mittelständischen Firmen Steuern zu sparen und mit dem Duisburg Gefahr läuft zum Abschreibungs-Objekt zu werden ?

  4. Jetzt frage ich mal : wer ist besser für unserer Stadt ein Mensch wie Herr Rubinstein der sich schon alleine durch seinen Job für die Integration und Aussöhnung der verschiedenen Religionen und somit eben für die Menschen hier in Duisburg einsetzt der durch seinen Beruf Erfahrung in Verwaltung hat , nicht Partei Politisch vorbelastet ist oder
    1. Sören Link der Parteisoldat der SPD dessen ein-zigste Leistung es ist ein Mandat im Landtag zu haben ,
    2 Herrn Wittsiepe der Steuerberater ist, und seine hervorragende Eigenschaft es ist Mittelständischen Firmen Steuern zu sparen und mit dem Duisburg Gefahr läuft zum Abschreibungs-Objekt zu werden ?
    3.Herrn Benno Lensdorf von der CDU der extrem nahe an AS ist . Ein Mensch der es ablehnte die Arbeitnehmervertreter zu empfangen mit dem Kommentar “ Auspfeifen lassen kann ich mich auch wo anders „

  5. Wenn ich als OB-Kandidat für Duisburg mit dem Slogan „Neuer Stil. guter Plan. Echt Duisburg.“ werbe und erst einmal das Pressearchiv auf meiner eigenen Homepage löschen muss, damit der Spruch

    „Ich sage dazu ganz deutlich: Wir können von mir aus jeden Tag eine Love Parade in Duisburg machen, solange da keine städtischen oder Landes- oder sonstigen Steuermittel für aufgebracht werden. Das ist eine super geile Party!“

    nicht auftaucht, dann finde ich das nicht irgendwie vorbelastet, sondern unwählbar belastet.

  6. Zitat XN:
    Sören Link: Wir haben nie gesagt, die SPD will die Love Parade nicht. Wir haben gesagt, wir wollen nicht, dass die Love Parade mit Steuermittel finanziert wird. Ich sage dazu ganz deutlich: Wir können von mir aus jeden Tag eine Love Parade in Duisburg machen, solange da keine städtischen oder Landes- oder sonstigen Steuermittel für aufgebracht werden. Das ist eine super geile Party! Sie sollte eben auch wie jede andere Party finanziert werden, nämlich durch private Gelder und Sponsoren.

    Das Round-Table-Gespräch führte für xtranews Thomas Rodenbücher.

  7. ich spar mir die zeit und energie für einen kommentar,wird doch nicht frei geschaltet, weil nicht angepasst!! dieses spiel kannst mit räbbe rubi und dr. flitzpiepe spielen, aber nicht mit unabhängigen, bester thomas rodenbücher! gute nacht noch!

    • Verabschiede Dich in Würde, Rolf.

      Gib‘ doch einfach in dieser Sache mal auf und schanze Deine 1,2 Prozent Stimmen Michael zu.

      Sag‘ einfach irgendwie spektakulär, daß Du aufgibts, weil es einen Besseren gibt. Und ich geb‘ Dir ne Patat Frites Oorlog aus.

      Natürlich mit doppelt Ketchup. (;