Der“ Kaufmann von Venedig“ zu Gast im Stadttheater Duisburg

Die Komödie von Shakespeares ist in der Theaterwelt keine Unbekannte.  Die Geschichte vom reichen Kaufmann Antonio, der seinem Freund Bassanio Geld leihen möchte, damit dieser um die schöne Portia werben kann, ist schon oft gespielt worden.


Und so wissen Theaterinteressierte um den weiteren Lauf der Geschichte. Antonio ist nicht flüssig, weil alle seine Besitztümer auf den Weltmeeren unterwegs sind, vertraut aber darauf, dass seine Schiffe schon bald reich beladen zurück kehren werden. Aus diesem Vertrauen heraus leiht es sich selbst beim verhassten Juden Shylock das Geld für Bassanio und schließt einen Unheil bringenden Vetrag: sollte er das geliehene Geld nicht rechtzeitig zurück zahlen können, so darf Shylock ihm ein Stück Fleisch nahe dem Herzen heraus schneiden. Und es kommt, wie es kommen muss: schlechte Winde lassen die Schiffe nicht zurück kehren und Shylock, als Jude ständig beschimpft und bespuckt, will Rache und pocht auf Erfüllung des Vetrages.

Alles also altbekannt und vorhersehbar. Und doch alles neu und anders. Denn der künstlerische Leiter Michael Steindl wagt sich an ein Experiment. Er nimmt die Mitglieder seines theatereigenen Jugendclubs „Spieltrieb“ und lässt sie gemeinsam mit drei erfahrenen Schauspielern auf die Bühne im großen Haus.

„Spieltrieb“, das sind junge Laiendarsteller im Alter zwischen 19 und 28 Jahre; meist schon seit vielen Jahren in kleineren Produktionen des Hauses zu sehen. Dazu Peter Götz in der Rolle des Antonio, Michael Altmann als Shylock und Dieter Malzacher gleich in drei Rollen. Und das Experiment gelingt!
Die Darsteller befruchten sich gegenseitig. Die Jungen profitieren von der Erfahrung der älteren Kollegen; die „alten Hasen“ lassen sich von der Frische und Spielfreude der jungen Kollegen anstecken.

Und so brilliert ein Behzad Sharifi als Bassanio und Jennifer Riahi gibt eine selbstbewusste und beinahe moderne Portia. Peter Götz schafft es, seine Mitdarsteller nicht mit seiner Kunst und Erfahrung zu überdecken und trotzdem zu überzeugen und Dieter Malzacher besticht vor Allem als alter Gobbo. Überragend im Dialog mit Steffen Köhler als Lanzelot Gobbo, der schon in seinem Monolog zu überzeugen weiß. Herausragend Michael Altmann als Shylock. Er spielt den alten, verbitterten Juden mit ungeheuerer Kraft und totzdem piontierter Zerbrechlichkeit, sich des Balanceaktes der Rolle bewusst.

„Der Kaufmann von Venedig“, veröffentlicht im Jahr 1600, ist aktueller denn je. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus bestimmen auch heute wieder die Schlagzeilen. Der, der das Geld hat, regiert die Welt und die Frage, was ist Recht und muss man um jeden Preis darauf pochen, sind immer noch aktuelle Themen.
Und so legt dieses Stück auch einen Finger in die Wunde der heutigen Zeit; freilich ohne erhobenen Zeigefinger. Das Stück unterhält seine Besucher; und es gilt damals wie heute: Ende gut – (fast) alles gut!

Weitere Vorstellungen am 20.04., 26.04. und 06.07. jeweils um 19.30 Uhr im Stadttheater Duisburg, Neckarstraße 1, 47051 Duisburg.
Karten an den bekannten Vorverkaufstellen, über die Homepage des Theaters oder an der Abendkasse

*Gastkommentar von Brigitte Berger

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