Was plant die Sauerlandabwahl-Initiative?

Die Sauerland-Abwahlinitiative trifft sich in Duisburg-Hochfeld. Im Gemäuer der alten Feuerwache.

Sauerlandabwahl-Plakate: Frisch aus der Druckerpresse - Bild via Claudia Leisse

Sauerlandabwahl-Plakate: Frisch aus der Druckerpresse - Bild via Claudia Leisse

Einst als soziokulturelles Zentrum prunkvoll mit einer türkischstämmigen Moderatorin der Aktuellen Stunde eröffnet. Dann schmachvoll pleite gegangen wie alle soziokulturellen Zentren Duisburgs, die sich parteipolitische Pfründenjäger einverleibten. Wie das Hundertmeister, dessen Relaunch namens Grammatikoff mittlerweile in der Szene Verkackikoff genannt wird.

Raucher schloten vor dem Nebeneingang. Oben innen beginnt am Mittwoch um 20 Uhr die öffentliche Zusammenkunft der Sauerland-Abwahlinitiative.

Diese ist die Klammer formeller und informeller Institutionen.

In der Initiative hat die kommunale Opposition zusammengefunden. Die SPD, die Linkspartei, der grüne Kreisverband, Gewerkschaften. Verschiedene Bürgerinitiativen. Sowie die eine große, diejenige die die 80 000 Unterschriften sammelte, die die für den 12. Februar projektierte Abstimmung in Sachen Sauerland-Abwahl erst ermöglichten.

Es sitzen 18 Wesen rund um das Tischgeviert. Die Sitzung ist auf eine Stunde anberaumt, hier stehen Polit-Profis auf Effizienz.

Den technischen Sachstandsbericht gibt Dr. Hartmut Pietsch, einflussreicher Strippenzieher in der kommunalen SPD, ein Lehrertyp, der Lehrer bleibt:

Die Wahlkampfmaschine, sie würde heute, Donnerstag, anlaufen. Es wären Plakate zur Verfügung und Flyer, Websites würden freigeschaltet werden, es gäbe Meinungsknöpfe für Bekenner und auch T-Shirts.

Es würden in den Stadtteilen Infostände gemacht werden.

Pietsch sitzt am Tischgeviert ganz links außen.

Vorne Mitte sitzt Theo Steegmann, Maximo Lider der Kampagne und verortet diese in die Mitte. In die Mitte der Stadt.

Da würden sie ein Zelt aufstellen wollen, in Nachbarschaft des Livesavers, geöffnet zu Haupteinkaufszeiten, sogar mit Heizpilz.

Theo wird auch grundsätzlich und gibt die Parole aus: „Wenn wir 50 Prozent Wahlbeteiligung erreichen, haben wir die Sache im Sack. Also müssen wir auch auf eine hohe Briefwahl-Beteiligung orientieren.“

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke im Netz der Netze?

Eine große laut Ralf Gilles, dem strategischen Kopf der Kampagne: Nur so käme man an die Jugend ran, bei der liefe alles über Facebook, entwickelte sich via Netz mit Eigendynamik selber. Er streichelt sein IPhone und grinst kryptisch wie die Sphinx.

Ralf Gilles ist ein enttäuschter CDU-Sympathisant, der sich auch in den vereinsmeierischen Dimensionen der Duisburger Karnevalskultur und der Bürgervereine bestens auskennt.

Er weiß zu berichten: Auch bei den Bestallten der Stadtverwaltung sei die Unzufriedenheit mit Sauerland manifest, bis hoch zur Amtsleiterebene reiche dies. Von seinen Christdemokraten würde er hart angegangen werden, weil er gegen Adolf Ketchup Sauerland (CDU) agiere.

Die Guten unter den Grünen bringen sich auch ein. Gerd Schwemm etwa, der ehemalige Vorsitzende des kommunalen Umweltausschusses, nunmehr Basismann aus Understatement will die Sauerland-Abwahl gern unter dem brandtschen Gesichtspunkt ‚Mehr Demokratie wagen‘ betrachtet wissen – Basisdemokratie rules.

Pikant: Gerds ParteifreundInnen sitzen mit Sauerlands CDU auf Ratsfraktionsebene in einem Boot, der grüne Umweltdezernent und Stadtdirektor Dr. Peter Greulich gilt als Sauerlands intimer Freund.

Nach 78 Minuten sind die Karten ausgespielt und die Arbeitsaufträge verteilt. Politprofis arbeiten effizient.

Sie sind frohen Mutes und voller Zuversicht. Es ist ihre Zeit, die neue Zeit wird kommen, für Sauerland tickt die Uhr.

Und ich gehe mit dem Gerd, den ich jahrelang nicht gesehen habe, noch auf ein zwei Bier in die Heimat Hochfeld. Wo wir weiter über die Stadt lästern.

Metakommunikative Bemerkung. Diese Sentenz entbehrt ein wenig der close-upness, weil ich mein Sketchbook mit den Notaten gerade in der Heimat Hochfeld liegen ließ und deswegen aus dem Gedächtnis schreiben muß.

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