Der Präsident im Wulffspelz – Auch Politiker sind Menschen

Keine Frage: Auf die Mailbox Kai Diekmanns in der Art und Weise zu sprechen, wie es unser Bundespräsident getan hat, war nicht klug. Der langwierig-schleppende Umgang mit den Vorwürfen aus der Welt der Medien war auch nicht gerade das, was man als geschickt betiteln mag. Bei einer Anhörung im Landtag die Wahrheit nicht beim Namen zu nennen, war nicht vorbildlich. So dürfen sich Politiker nicht verhalten, auch ein Bundespräsident nicht.

Aber wie verhält man sich denn als Bundespräsident?

Ziehen wir uns selbst den Wullfspelz über und gönnen uns einen Perspektivwechsel :

Mehrere Auslandsbesuche in wenigen Tagen, weit weg von zu Hause, zehn Termine pro Tag, Anrufe, wichtige Gespräche, Stress pur und plötzlich droht die Heimatpresse mit vollendeten Tatsachen. Journalisten wildern in der Privatsphäre und auf einmal sollen Freunde und Familie öffentlich bloß gestellt werden. Die Trennung von Beruf und Privatleben wird radikal gestürmt. Berufliches und Persönliches droht sich zu vermengen. Es folgt der wütende Anruf beim verantwortlichen Chefredakteur. Dieses Verhalten offenbart im Politiker Wulff den Menschen Christian Wulff. Wer hätte sich in dieser Lage anders verhalten können?

Dass man da klarere Sprache spricht und auch laut wird, liegt in der Natur des Menschen. Dass man dabei auch übers Ziel hinausschießt, kann passieren. Man – ob Wulff oder Bürger- ist und bleibt in einer derartigen Situation ein Mensch. Auch Politiker sind in der Evolution schließlich– und das ist auch gut so – noch keine Maschinen. Er hat die Contenance verloren und sie schon am nächsten Tag wiedergefunden, als er sich für den fraglichen Anruf entschuldigte. Und die Entschuldigung wurde angenommen.

Nun hat er darüber hinaus öffentlich Reue gezeigt. Warum also dieser Negativ-Hype? Jetzt sogar werden Vergleiche mit anderen Politikern laut:  So zum Beispiel „Wulffenberg“ in Anspielung auf den zurückgetretenen Verteidigungsminister. Im Zuge seiner Plagiatsaffäre nahm dieser 2011 seinen Hut. Andere Politiker traten zurück, weil sie anderen Menschen Unrecht antaten. Weil sie Menschen verletzten oder gegen geltendes Recht verstießen. Können wir Christian Wulff überhaupt in diese Reihe stellen? Wem hat er wirklich weh getan? Wem hat er Unrecht zugefügt? Er hat keine Molotowcocktails auf Polizisten geworfen. Er hat keine Demonstranten verprügelt.

Die Schwere seines Missverhaltens steht in keinem Verhältnis zur Schwere solchen Verhaltens. Trotzdem werden die Rufe laut, dass besser andere Politiker sein Amt hätten antreten sollen. Aber wer von den Schreihälsen kann denn sagen, dass ein Herr Gauck oder eine Frau Käßmann in der gleichen Situation viel besonnener reagiert hätten?

Die mit dem Wulff tanzen

Es wird ein Medienrummel betrieben, als hätten wir einen Diktator oder Unmenschen im Amt!

Beispiel: Interview vergangene Woche!

Ein reines Kreuzverhör par excellence, welches die Kripo selbst kaum hätte drastischer führen können. Die Fragen trieften vor Bitterkeit und Zerstörungswillen. Was war schließlich das Ansinnen der fragenden Journalisten?

Ein derartiges Verhalten, solch bedrängende und erniedrigende Fragen können nur einem Ansinnen entspringen: Ihn zu Fall zu bringen. Ihn zu stürzen, obwohl keine erkennbaren Rechtsverstöße vorliegen. Dies hat mit moralischen Umgangsformen und objektiv geführten Journalismus nichts mehr zu tun. Ging es wirklich nur um die Vorwürfe an Wulff oder vielmehr um den Machtkampf zwischen Medien und Politik? In diesem öffentlichen Gerangel verschaffte das Journalistenverhalten eher den Eindruck, den Bundespräsidenten vor laufender Kamera zur besten Sendezeit vor der ganzen Nation bloßstellen zu wollen. Das ist selbst für den Skandaljournalismus, der derzeit in Deutschland ein historisches Hoch erlebt, ein zu niederer Beweggrund.

Es wird in der Privatsphäre herumgewühlt wie bei kaum einem anderen Politiker: Ehefrau, Verwandte, Freunde. Alle stehen in der Schusslinie. Es wird gefragt nach dem Hauskredit, nach dem Hochzeitskleid, nach den Urlauben bei Freunden. Wer aber fragt, bei welchen (einfluss-)reichen Freunden Journalisten gastieren/Hochzeit feiern/Urlaub machen? Das gehört in den Schutzbereich des Privatlebens von Journalisten. Es drängt die Frage nach der geschützten Privatsphäre von Politikern. In diesen Bereich fallen auch Freunde und Vermögen. Solange er in Bezug auf beides nicht gegen geltendes Recht verstoßen hat, darf und kann man ihm keinen derartigen Vorwurf machen. Dass unter seinen Freunde auch vermögende Personen befinden, ist kein Verbrechen, auch moralisch nicht. Ebenso ist es völlig legitim, nicht 150 € pro Nacht bei Freunden zu zahlen, auch wenn eine bestimmte Journalistin dies anders hält.

Die ganze Diskussion sollte von einem objektiveren Standpunkt aus betrachtet werden: Was wäre, wenn es um eine Frau Kraft oder einen Herrn Trittin ginge: Auch hier gelte das Prinzip, dass es sich Menschen handelt, die sich fehlerhaft verhalten können. Es sind Menschen, denen per Amt eine besondere Verantwortung zukommt, der sie sich stellen müssen. Und genau das hat Christian Wulff getan. Er hat sich mehrmals entschuldigt und die Entscheidung getroffen, nicht zurückzutreten, sondern weiter sein Amt auszuführen und seine Verantwortung nicht einfach aufzugeben. Wenn ein Politiker zurücktritt, verlangt das nach einem triftigen Grund, wie etwa einem rechtspolitischen Schaden. Dies liegt im konkreten Fall nicht vor.
Der ganzen Debatte fehlt es definitiv an Menschlichkeit. Hape Kerkeling ist gut nachzuvollziehen, wenn er von einer degenerierten Presse- und Medienlandschaft spricht. Denn Wulffs Fehler und auch sein Umgang damit stehen in keinerlei Verhältnis zu dem medialen Echo und der hieraus entstandenen gesellschaftlichen Reaktion, die im deutschen Wutbürgertum ihren Ausdruck findet.

Unsere Aufmerksamkeit sollte stattdessen den wirklich dringlichen Geschehnissen in Deutschland und der Welt gelten: der demografische Wandel, die Entwicklungen im Pulverfass Naher Osten oder die weltweite Schuldenkrise stellen viel drängendere Hürden für unsere Zukunft als das Privatleben von Christian Wulff.

*Gastkommentar von Marion Sendker (Vorsitzende Junge Union Ennigerloh) und Michael Sendker (Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Warendorf)

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4 thoughts on “Der Präsident im Wulffspelz – Auch Politiker sind Menschen

  1. Daß er als Ministerpräsident geschäftliche Beziehungen mit einem Unternehmer hatte, Gelder genommen hat und das dann bei einer Anhörungabgestritten, bzw. geschickt verschwiegen hat, zählt nicht?
    Die Tricksereien mit den Umbuchungen hätte er bestimmt nicht gemacht, wenn alles so harmlos war. Von der Zinshöhe mal zu schweigen, die der „normale“ Bürger nicht bekommt.
    Im Ministerpräsidentengesetz des Landes steht ausdrücklich, daß der Ministerpräsident keine Gelder oder sonstige Zuwendungen oder Vergünstigungen nehmen darf. Um selbst der Anschein der Korruption
    zu vermeiden, ist das Gesetz strikt und eindeutig.
    Ein Brötchen, ein Pfandbon, eine Frikadelle ist heute schon Kündigungsgrund (lächerlich). Und er nimmt wieviel? Er hat gegen das Gesetz verstoßen und weiß es ganz genau.Nun soll es öffentlich werden.
    Das macht ihn so wütend und da hat er seine Fassung verloren.
    Der Anruf oder die Anrufe sind in meinen Augen nur zweitrangig.
    Das der Ministerpräsident gegen sein Landesgesetz verstößt und dann noch lügt und so tut, als wäre es Nichts. Krkrkr

  2. So blauäugig wie Herr und Frau Sendker kann man die Affaire Wulff nicht angehen. Jeder Beamte, der sich derlei Vorteile verschafft hätte, wäre längst kein Beamter mehr, und Herr Wulff möchte immerhin den ersten Staatsdiener mimen. Er selbst hat anlässlich unterschiedlicher Gelegenheiten den Mund sehr voll genommen, wenn es um die Integrität von Politikern ging, und an diesen Ansprüchen muss er sich natürlich messen lassen. Nun hat er sich als MP der Möglichkeiten bedient, die ihm angeboten wurden. Das ist legal, aber nicht legitim, vor allen angesichts seiner hohen veröffentlichten moralischen Ansprüche. Er hat weiterhin versäumt, klar Stellung zu beziehen, als er konkret befragt wurde. Warum konzidierte er nicht, dass er sehr wohl geschäftliche Beziehungen zum Ehepaar G. hatte und erklärte diese? Besser wäre natürlich gewesen, er hätte das getan, was ein „Mensch“, wohlgemerkt kein MP, tut: wenn das Geld für den Erwerb eines Hauses nicht ausreicht und die Bank auch keinen Kredit gewährt, spart man weiter und kauft das Haus später. Das tun Menschen üblicherweise, und er möchte doch so gern als Mensch wahrgenommen werden. Gut, hat er also nicht getan, hat die ungewöhnlichen Chancen die sich ihm als MP – nicht als Mensch – boten, leichtfertig genutzt. Und da beginnt seine Naivität, möglicherweise aber auch sein Grössenwahnsinn. Ein Mensch in exponierter Stellung, zumal dann, wenn er aus dem Steuersäckel üppig bezahlt wird, steht unter Beobachtung. Für seine glamouröse Selbstdarstellung bediente er sich der Presse und hatte wahrscheinlich das Bewusstsein, dass er auch dort Freunde hatte. Das beweist, dass er lernresistent ist, denn das Beispiel des Barons von und zu und auf und davon ist ja noch nicht so alt. Er war informiert, dass zu seinem Kredit recherchiert wurde, auch vor seiner Reise, hatte folglich alle Handlungsmöglichkeiten, die er jedoch – Opfer seiner Selbstüberschätzung? – nicht nutzte. Und dann dieser Anruf vom Grosskotz: „Ich bin auf dem Weg zum Emir“. Holla, da kann der normale Mensch natürlich nicht mithalten, das kann nur ein BP von sich behaupten. Wer ernsthaft meint, die BILD beschimpfen und nötigen zu können, der ist nicht mehr in dieser Welt. Und im nachhinein stellt sich heraus, dass die Welt auch schon einmal sein Opfer wurde. Hier hat jemand völlig die Bodenhaftung verloren.

    Wenn er nun noch über einen Rest an gesundem Menschenverstand verfügt hätte – von Moral mag man im politischen Bereich schon gar nicht mehr reden -, hätte er all seinen Mut zusammengerafft, sich nicht selbst entschuldigt, sondern um Entschuldigung gebeten, und zwar die Presse, aber auch die Bürger, die er repräsentieren soll qua Amt. Nichts dergleichen passiert, er laviert weiter, kommuniziert per Anwalt und unterstellt dem gesamten Land Dämlichkeit, als er sagt, dass in einem Jahr alles vergessen ist. Soll er sich mal beim OB Sauerland erkundigen, wie viele Monate ein Jahr hat, jedenfalls erheblich mehr als 12, denn der war auch davon ausgegangen, dass in einem Jahr die von ihm so viel zitierte Normalität wieder eingekehrt sein würde. Normalität ja, die ist eingekehrt, nämlich in dem Sinne, dass er abgewählt werden wird. Dumm ist nur, dass man einen BP nicht abwählen kann. Doch die Bürger dieses Landes haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht sich gegen Präsidenten, die ihr Amt als Einstieg in die Bussi- und Eventgesellschaft betrachten, ihre kostenlos Designer-ausgestatteten Gattinnen wie Trophäen präsentieren und ansonsten die missachten, die mit ihren hart erarbeiteten Steuergroschen solch ein Luxusleben finanzieren, zu wehren, und das nachhaltig.

    Herr Wulff hat das bis zu seinem Amtsantritt hoch angesehene Amt aus Dummheit und Selbstüberschätzung schwerstens geschädigt und wird ihm in keiner Weise gerecht. Er kann noch die Flucht nach vorn antreten, um sich selbst zu retten, doch als BP ist er nicht mehr akzeptabel. Er würde ein Tontillon im Schloss Bellevue bleiben, und das hat das Land nicht verdient.

  3. Herr Wulff als Ministerpräsident:
    2003 Urlaub in Spanien beim Unternehmer Geerkens
    2004 Besuch bei Ehepaar Geerkens in Spanien
    2008 Urlaub in Spanien bei Dieter Baumgartl (Aufsichtsratchef des
    Versicherungskonzern Talanx)
    2008 500 000 € Privatkredit des Ehepaars Geerken
    2008 Urlaub beim Unternehmerpaar Meyer + Solaro auf Norderney
    2009 Besuch beim Unternehmerpaar Meyer+Solaro auf Norderney
    2009 Urlaub bei Geerkens in der Villa in Florida
    An + Abreise kostenloses Upgrade vom AIR-Berlin Chef Hunold
    Wulff bezahlt rückwirkend die 3000€ nach.
    Herr Wulff als Bundespräsident:
    2010 Urlaub in einer Ferienanlage des AWD-Gründers CARSTEN
    MASCHMEYER (der viele Anleger in den Ruin brachte, be-
    sonders viel Rentner)
    Angeblich hat Wulff einen angemessenen Preis bezahlt.
    Was ist angemessen?
    Kann ein Ministerpräsident+ Bundespräsident überhaupt diese
    Nähe zur Wirtschaft und zu Unternehmern eingehen+zulassen?
    Es ist schon ein Vorschlag gemacht worden, daß H.W. auch mal
    Urlaub bei Hartz4-Beziehern und Obdachlosen macht.

    Die Unternehmer können seine Freunde sein. Sein Amt erfordert aber trotzdem Distanz und mehr Fingerspitzengefühl, sowie Ehrlichkeit und Offenheit in diesen Fällen. Dieses Lavieren des mit der/seiner Wahrheit hinterläßt einen komischen Anschein + ein Geschmäckle……………….?

  4. Habe gerade gelesen, Wulff legt nichts offen.
    Seine Antworten bleiben unter Verschluß.
    Angeblich wegen der Anwaltsschweigepflicht.
    Nun, von der kann man entbunden werden.
    Liegt in der Hand von Herrn Wulff.
    Er hat das Amt im Dient des Volkes. Er dient dem Volk???????
    Er ist ein Lügenbaron .