Captains Table – Tag 2: Gemeinschaft, Warteschlangen und Politik

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Gerade wenn ein Serienfranchise sich explizit damit auseinandersetzt wie schön und edel die Zukunft sein kann – dies arbeitete Dr. Hubert Zitt auf dem ersten Panel des zweiten Tages vom Captains Table in Düsseldorf heraus, er untersuchte was Star Trek soziologisch in Hinsicht auf Rassismus und Gleichberechtigunge leistete – reflektiert sie damit auch immer die Gegenwart. Dass Kate Mulgrew im letzten Panel vor der offiziellen Verabschiedung auf das historische Ereignis des World-Trade-Center-Anschlags Bezug nahm darf daher nicht verwundern.

„Nine-Eleven ist vorbei, wir schauen in die Zukunft“, gibt sie den Fans mit auf den Weg bevor sie die Fragerunde beginnt. Und vielleicht wäre es bei dem bewegenden Anfangsstatement geblieben, wenn nicht die Frage aus dem Publikum gekommen wäre, was sie von Sarah Palin und Michelle Bachmann halte. „Sarah Palin gehört zurück nach Alaska und Michelle Bachmann zurück in die Kirche“, bricht es aus Kate Mulgrew heraus, die bis dahin Contenance bewahrte. „Diese Leute können die USA spielend ruinieren.“ Wenig später setzt sie nochmal nach: „Ich stimme Marx zu: Religion ist Opium für das Volk. Solange Religion als Opium benutzt wird, hält es sie davon ab sich zu entwickeln. Wer sich schreiend hinstellt und sagt: Du wirst in der Hölle verrotten weil du nicht an Jesus Christus glaubst – wo steht das geschrieben? Sie wollen Angst verbreiten.“ Noch einmal wird sie auf die Ereignisse Bezug nehmen als es um Mut, vielleicht besser noch Courage geht. „Diese Leute, die verhindert haben dass die Maschine in das Pentagon stürzte – woher nahmen sie nur den Mut? Fünf Leute saßen im Flugzeug, sie wußten, sie werden abstürzen – sie redeten miteinander, riefen ihre Familie zum Abschied an, texteten. Und dann war das letzte was hörte: Let’s roll.“ Das zweite Mal an diesem Nachmittag hat man einen kleinen Einblick in ihre Seele gewonnen, merkt man dass es privat geworden ist.

Den ersten Einblick, bei dem sie sichtlich berührt war, war die Frage ob sie endlich das Buch über die Erfahrungen mit ihrer alzheimerkranken Mutter fertig geschrieben habe. Sie schweigt einen Moment, das Gesicht wird nachdenklich, dass ihre Mutter mittlerweile gestorben ist weiß der Fan offenbar nicht. Wörtlich sagt sie, ihre Mutter habe ihr ein Schwert durchs Herz gebohrt, die Erinnerungen seien furchtbar, aber gerade deswegen sei die Mutter immer anwesend. 6 Essays sind geschrieben, das Buch selbst aber noch nicht. Zwar schlüpft sie dann wieder in ihre Rolle als charismatische Entertainerin, doch kurz zuvor sah es für einen Moment aus als würde sie sich eine Träne verkneifen müssen. Vielleicht ist man der Person Kate Mulgrew nie so nahe gewesen wie bei diesem Panel.

Dass Avery Brooks auch an diesem Morgen nach dem sympathischem Dr. Hubert Zitt die Fans irritiert, manche von ihnen sind nur am heutigen Sonntag gekommen um „Captain Sisko“ zu sehen, sollte nach der – gelinde gesagt – außerordentlichen Erfahrung des Samstages nicht überraschen. Obwohl er heute etwas gemäßigter wirkt als gestern, verschwindet er für einige Minuten von der Bühne, lässt mehrere Fans sich selbst vorstellen und führt damit die Form des Open Mike in die Veranstaltung ein. Ein Koan zu lösen ist vermutlich einfacher als zu versuchen die Antworten auf die Fanfragen von Avery Brooks zu verstehen – der Trost, dass die eigenen Kinder manchmal ihren Vater nicht verstanden haben – die Erziehung nennt Avey einen noch anhaltenden Prozess – ist doch etwas schal.

Der Saal füllt sich auch erst wieder richtig als Sir Patrick Stewart sein Panel hält. Ein unterhaltsamer Erzähler, der zwar keine Profanitäten bei Twitter schreiben möchte, aber herausplauscht, dass er am gestrigen Abend im (vermutlich) Schlüssel ein gutes Essen und Alt Bier gehabt habe. (Übrigens verrät Garret Wang später, er sei auf Facebook…) Der Charakter des Captains Jean-Luc Picard ist in Deutschland überaus beliebt. Vielleicht weil The Next Generation im Grunde eine Familie versammelt – und in dieser Familie gibt es den gütigen, manchmal strengen, aber immer freundlichen und charakterfesten Vater namens Jean-Luc. Die Harmonie bricht in der Nachfolge-Serie Deep Space Nine dann auseinander. Vielleicht, weil Deep Space Nine das dunklere Star-Trek ist, bei der das erste Mal übergreifende Handlungsbögen eingesetzt werden. Deutsche Serienfans sind – wie Stargate beweist – eher für Serien mit abgeschlossenen Folgen zu gewinnen. Auch das sind Fragen, die an diesem Wochenende diskutiert werden.

Und wenn man in der Warteschlange für das Panel von Kate Mulgrew steht, das sich um eine halbe Stunde verschiebt, ist man erstaunt darüber, dass gerade Deutsche – die sonst schon bei fünf Minuten Bahnverspätung meckern – friedlich, locker und entspannt sein können. Star Trek ist das, was alle verbindet – und der Kontak mit dem Fan, der vor einem steht ist schnell geknüpft. Wie Christen sich allgemein auf die Bibel als Basis einigen können, wenn auch dann leichte Differenzen darüber entstehen, wie man diese nun zu deuten hat, kann man das Bild auch auf eine Convention dieses Typs anwenden. Star Trek ist die gemeinsame Basis, die alle vereint – ob man jetzt von „Enterprise“ nur einige Folgen kennt oder alle sieben Staffeln von Voyager gut findet – das spielt dann keine Rolle. Eigentlich. Dr. Hubert Zitt zitiert Mike Hillenbrand bei der Verabschiedung: „Bei Star Trek geht es um Menschen.“ Diese Menschen stehen bereitwillig für ihren Star auch eine Stunde in der Autogrammschlange um ein Photo mit Widmung zu bekommen. Warten dann auch von drei Uhr in der Frühe bis zur Eröffnung des Schalters für die Möglichkeit, ein Photo mit allen drei Star-Trek-Captains zu bekommen. Es gibt Fans, die schleppen große Gemälde an um diese signieren zu lassen. „Jeder Jeck is anders“, würde ein Kölner sagen – wenn er es denn wagen würde, wir sind schließlich immer noch in Düsseldorf.

Was man merkt: Das Team des Maritim in Düsseldorf ist noch nicht so ganz an die Fans gewöhnt – die FedCon fand in diesem Jahr das erste Mal in diesem Gebäude statt und es ist noch eine große Unsicherheit teilweise zu spüren wie man mit den Massen umgehen soll. Ab und an ist auch das Personal der FedCon selbst nicht so ganz firm – was in Bonn relativ reibungslos funktionierte, dort hatte man ein eingespieltes Team und kannte die Räumlichkeiten, ist beim Captains Table nicht der Fall. Insgesamt hat das Team die Sonderveranstaltung jedoch gut über die Bühne gebracht. Verbesserungen sind immer möglich. Im Mai des nächsten Jahres wird die Fedcon XXII im Mai zu Gast sein. Dann wird wieder Garrett Wang moderieren und erneut werden Fans aus Belgien, Niederlanden, den USA nach Deutschland kommen. Sie werden mit Kreativität und Engagement dabei sein, sich Gedanken machen über eine mögliche Zukunft. Und das ist gut so.

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