Linke NRW wählt Nachfolger des zurückgetretenen Landesgeschäftsführers Günter Blocks

Auf dem am 10. und 11.9.2011 in Mülheim stattfindenden Landesparteitag der NRW-Linken sind die Delegierten zu einer wichtigen Personalwahl aufgerufen. Am 11.9.2011 sucht die Partei den Nachfolger für den im Frühjahr von seinem Amt zurückgetretenen bisherigen Landesgeschäftsführer Günter Blocks.

Blocks, der gesundheitliche Gründe für das Ausscheiden aus seinem Parteiamt angab, hatte das Amt seit Gründung der Landespartei inne. Blocks galt in der Partei als gewiefter Stratege und für manche auch als erfolgreicher Strippenzieher, der mitunter nicht zimperlich im Umgang mit in Ungnade gefallenen Genossen war. In einem waren sich aber fast alle einig: Günter Blocks war die „lebende Parteisatzung“ nicht nur der NRW-Linken. Sein profundes Wissen in der trockenen Materie der Statuten einer Partei war unumstritten. Sein persönlicher Einsatz, neben seiner eigentlichen Berufstätigkeit, war groß und an manchen Tagen immens. Abseits seiner offiziellen Parteirolle ist er aber für einige ein eloquenter, durchaus diskreter Gesprächspartner gewesen, der dann auch Klartext reden konnte. Seine Gesundheit zwang ihn letztlich zum Rücktritt. Er hinterlässt, zumindest als Chefstratege der NRW-Linken, für viele Mitglieder eine große Lücke. Ganz in seinem Sinne aber, gehört er zum Kreis derer, die aktuell die meisten Anträge für diesen Parteitag gestellt haben. Und auch da gehts oft um Satzungsfragen. Nicht nur daran, wird sich der Nachfolger, oder Nachfolgerin, messen lassen müssen.

Diese Lücke wollen nun eine Frau und vier Männer schliessen, die sich am Sonntag den Delegierten zur Wahl stellen. Scheinbar aussichtsreichster Kandidat dürfte der Parlamentarier  Rüdiger Sagel (MdL NRW) aus Münster sein. Sagel verfügt über 14-jährige parlamentarische Erfahrung. Zuerst Mitglied bei den Grünen, später fraktionsloser Einzelkämpfer für die Linken und seit der letzten NRW-Wahl Abgeordneter der Linken im Düsseldorfer Parlament. Sagel hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass er für den Fall seiner erfolgreichen Wahl zum Landesgeschäftsführer, sein Landtagsmandat abgeben will. Sagel stehen nach seinen Abgeordnetenjahren im Parlament Pensionsansprüche zu. Nicht uninteressant ist es daher, dass der künftige Chef der Landesgeschäftsstelle aus Parteimitteln bezahlt werden soll. So gab es zu seiner Bewerbung auch kritische Stimmen in Parteikreisen.

Ein weiterer sehr interessanter Kandidat ist der Klever Jens-Uwe Habedank, Mitherausgeber des politischen Internetportals Linkes Netzwerk Kleve.

Habedank, der vielen Parteimitgliedern als Parteirebell ein Begriff ist, stellt sich mit einer kämpferischen und offenen Bewerbung dem Votum seiner Parteifreunde. Für manche ist er eine Reizfigur, wagte er es doch über viele Monate, teils öffentliche,  Kritik an seiner Partei und dem Landesvorstand zu üben. Auch Habedank ist ein Satzungsmensch. Und eben diese Kenntnisse machten es seinen Kritikern schwer, ja unmöglich, ihn aus der Partei zu entfernen. Vielmehr sorgte Habedank in seinem Klever Kreisverband für klare Verhältnisse, trotz der dortigen Anfeindungen gegen ihn. Am Ende mussten seine Kritiker entnervt ihre Hüte nehmen, verliessen freiwillig und zähneknirschend die Partei, aber behielten, ganz links, ihre kommunalen Mandate und bildeten eine neue Linksfraktion unter dem Namen AL. Auf deren Homepage findet sich allerdings wenig politisches, schon gar nichts aktuelles. Heute ist Habedank wieder voll in seinem Kreisverband Kleve integriert und anerkannt.

Habedank  bezeichnet sich selbst als einen Mann der Parteibasis, der er sicher auch ist. Seine in der Sache streitbare Natur hat nicht jedem gefallen. Hat aber denen imponiert, die für ein deutliches Mehr an innerparteilicher Demokratie stehen. Er ist kein Politprofi wie sein Mitbewerber, der Berufspolitiker Sagel, hat aber auf seiner Habenseite zu verzeichnen, dass er zielstrebig, oftmals unbequem, für die Belange seiner Partei einsteht. Er und Rüdiger Sagel bilden u.a. ein Personalangebot für diesen Landesverband, wie es unterschiedlicher kaum sein kann. Ob sich am Ende die Delegierten für den weniger prominenten Habedank aussprechen werden, ist offen. Das gerade der linke NRW-Landesverband immer für Überraschungen gut ist, ist hinlänglich bekannt. Jedenfalls täte ihm ein guter und authentischer Schuss „Basis“ gut.

Mut zur Erneuerung, auch personell, ist ein Begriff, den sich die LINKE mal auf die Fahne geschrieben hat. Ob sie die Kraft dazu hat, wird sich zeigen.

 

 

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