Kuhls Kolumne: MIT DEN HARTZERN KANN MAN ES JA MACHEN

ob-kuhl-0206Dies ist meine zwanzigste Kolumne und – wie bei runden Geburtstagen üblich – schaut man zurück. Oft wurde ich gefragt, warum ich die Kolumne bei Xtranews mache. Immer habe ich zurückgefragt, wo denn sonst. Dieser Blog ist das einzige wirklich freie Medium in Duisburg, was man nicht erst im Nachgang der Love-Parade-Katastrophe erfahren konnte. Den folgenden Beitrag habe ich Thomas Rodenbücher vor einem guten Jahr gegeben – wie allen anderen hiesigen Medien auch. Er hat ihn als einziger gebracht. Seitdem gibt es zwischen uns eine Vertrauensbasis, die dann zur ersten Kolumne im Februar geführt hat. Hier die Geburtstagsnummer in voller Länge.

Am Montag, den 31.05.10 konnte man vor den Filialen wie der Hauptstelle der Sparkasse Duisburg ein eigenartiges Treiben beobachten. Überall kleine Personengrüppchen innerhalb wie außerhalb des Gebäudes. Warten auf das ihnen qua Gesetz zustehende Geld. Hartz4er mit Rechtsanspruch ohne Kohle, ohne Frühstück, ohne Hoffnung…

Seit Monaten kommt das Geld, das am letzten Werktag ausgezahlt werden soll, jedes Mal später. Mit Öffnung der Sparkasse um 8Uhr30 treffen die ersten ein – um sich bis 13Uhr15 schikanieren bzw. abzocken zu lassen.

Nun gibt es da eine Kette von Verantwortlichkeiten: Die Bundesagentur für Arbeit weist die 359 Euro „Verbrauchsgeld“ an, der Oberbürgermeister (als Dienstherr der Arge) und seine Arge leiten es weiter an die Sparkasse und die zahlt es dann aus. Ein Vorgang, der idealtypisch wie bankentechnisch in Zeiten des Computers (wie Homebanking und Börsengeschäfte beweisen) in Sekundenschnelle abgeschlossen ist. Wenn keiner pennt oder Zinsen schindet… Genau das ufert aber langsam aus – und geht auf die Knochen der Ärmsten der Armen.

Während die Bundesregierung Banken wie Spekulanten eben mal schnell das Zehn-Jahresaufkommen von Hartz4 (400 = 10 x 40 Mrd.) über den Tresen schiebt, warten in Duisburg und Essen ALG2-Empfänger wie vor den Hungerküchen der Weimarer Republik auf das ihnen zustehende Geld.

Als Kabarettist, der nicht wie das Theater mit 80 Euro pro Platz und Vorstellung von der bankrotten Stadt Duisburg gefördert wird, stand ich Hartz4-Empfänger dann auch dabei – und hatte die Schnauze restlos voll.

So kam ich um 11Uhr15 ins Gespräch mit Herrn Ratajczack (stellvertretender Leiter der Hauptstelle SpaKaDU), der mir lapidar mitteilte, er sehe noch keinen Eingang, und mich verärgert darauf hinwies, dass ich (aufgebracht) zu laut rede.

Also rief ich im Rathaus an und informierte die Zentrale, dass das Geld noch nicht da sei und der Oberbürgermeister sich gefälligst schleunigst um die Schlamperei seiner Arge kümmern solle. Dann ging ich (sicherheitshalber) auch noch zur Polizeiwache Averdunk-Zentrum und bat darum, den OB über den Missstand zu informieren, was dazu führte, dass ein überforderter Beamter mich rausgeschmissen hat.

Die Kö wieder runter, im Rathaus, wollte ich Herrn Sauerland sprechen. Die Rezeption teilte mir mit, die Polizei habe schon angerufen, und Herr Bayrack, Leiter des OB-Büro’s, komme gleich. Der teilte mir sachlich wie freundlich entgegenkommend mit, dass er soeben mit der Arge telefoniert habe, das Geld sei „schon lange“ auf der Bank.

Zurück in der Sparkasse war dann auch der Chef, nachdem Kötter-Security ihn informiert hatte, dass ich jetzt mit ca 70 Personen in der Kassenhalle stünde und ziemlich laut sei, zum Gespräch bereit, um mir zu sagen, das Geld sei (12Uhr25) noch nicht da.

Wieder draußen sagte mir ein Mitdemonstrant, jemand von der Sparkasse habe ihm mit einem Augenzwinkern gesagt, um 13Uhr wäre das Geld abholbereit. Das habe ich für eine Latrinenparole gehalten…

Ich bin dann zu Harald Landgraf vom Wochenanzeiger gegangen, den ich beruflich kenne, und der – nachdem ich ihn informiert hatte – mit mir zur Sparkasse gegangen ist, um die Opfer dieses Arge-Sparkassen-Komplotts zu befragen

Wenige Minuten nach 13Uhr war das Geld dann tatsächlich da.

Später traf ich noch Josip Sosic, den Pressesprecher des OB, den ich vom Studium herkenne, und habe ihn über die Sauerei in Kenntnis gesetzt.

Irgendwer hat hier gelogen.

Ich weiß nicht, wer.

Ich weiß auch nicht, ob wir das herauskriegen werden.

So geht man nicht mit Menschen um!

Thomas Kuhl

PS:

Was sie hier lesen, das erkläre ich an Eides statt.

Des Weiteren kann ich jeden Einzelnen dieser Vorgänge mit Zeugen belegen, da ich nirgendwo alleine hingegangen bin.

PPS:

Wir leben schon in einer untergehenden Stadt. Wir sind arm. Da muß nicht auch noch so ‚ne Scheiße sein…

2 thoughts on “Kuhls Kolumne: MIT DEN HARTZERN KANN MAN ES JA MACHEN

  1. Ich glaube das. Ich brauche keinen Eid.
    Das ist übliche Vorgehensweise mit Hartzlern.
    Hartzler sind Menschen 2. oder 3.Klasse, die darf man ruhig fertigmachen.
    Und wenn die sich noch darüber aufregen-was normal ist, ich würde eher stutzig, wenn man sich NICHT darüber aufregt- dann sind sie noch die Bösen.
    Hartzler sind dumm, faul, verrückt oder kriminell.
    Merken die Menschen eigentlich, was in Deutschland vorgeht.
    „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ — außer Du bist Hartz4ler.

  2. Nachsatz:
    Das Fertigmachen ist gewollt.
    Roland Berger hat die Mitarbeiter der ARGE geschult, wenn man mit den Klassen-Erwerbslosen umgeht. Die3. Klasse macht so fertig, daß sie nicht mehr kommen. Verschwinden, 1. im Alltagsbetrieb und 2. in der Statistik.
    Wohin verschwinden sie?
    Das ist jetzt die Rätselaufgabe !