Duisburg: Diskongruentes Kulturmanagement

Aktuelles Stadtwappen der Stadt Duisburg

Image via Wikipedia

Würde man aktuell einen Künstler-Index für meine Stadt erstellen analog des hirnrissigen IFO-Indexes der Wirtschaft, würde der eher in Richtung Minus tendieren. Und dieses Minus würde sehr, sehr groß sein. Schrieb ich vor kurzem noch, dass die Stadt Duisburg sich besinnen müsse und noch umkehren könne bin ich mir angesichts der aktuellen Signale, die aus dem Rathaus kommen nicht mehr so sicher. Mehr und mehr geht ein Riss durch die Stadt.

Einerseits scheint man alles daranzusetzen für 2012 doch noch irgendwas von Seiten der Stadt auf die Beine zu stellen – das ist reichlich spät, wenn nicht sogar zu spät und angesichts des klammen Haushaltes darf man gespannt darauf sein wie das Konzept dafür aussehen wird. Vermuten darf man, dass die Akzente im nächsten Jahr für das Event eingespannt werden – schließlich war das ja 2010 auch schon so. (Und dass die Akzente nur noch alle zwei Jahre stattfinden werden ist ja auch der klammen Situation der Stadt geschuldet.) Andereseits ist alles, was momentan nicht Stadtkultur ist offenbar nicht gern gesehen – zuletzt traf es das Goldengrün, das ab sofort nur einmal im Monat DJs auflegen lassen darf. Sehen wir von einigen geplanten Events zum Hafenfest ab – und selbst DAS stand ja etwas auf der Kippe – die aufgrund des Ordnungsamtes nicht stattfinden konnten. Lächerlich bis im höchsten Maße war zudem der Auftritt des Ordnungsamtes im Hübi während des Hafenfestes. Man darf doch annehmen, dass das Ordnungssamt weiß, dass das Hübi eine Konzession hat. Hier wird nicht nach Augenmaß gemessen, hier wird einfach nur stur die Gesetzesvorlage durchgedrückt.

Natürlich ist die Sicherheit von Personen wichtig. Dass nach der Loveparade strenger darauf geachtet wird die vorhandenen Gesetzesvorgaben durchzusetzen, dies ist verständlich. Doch mit dieser Rigidität, die einige Projekte scheitern ließ – damit hatte man nicht gerechnet. Dabei hofften viele Künstler noch auf Karl Janssen, dem Kulturdezernenten der Stadt Duisburg, als ihren Fürsprecher oder zumindest als Vermittler zwischen Ordnungsamt und Kreativszene. Doch bis auf lauwarme Absichtsbekundungen ist bisher von der Seite der Stadt nichts geschehen. Aktives Diskutieren, suchen nach kontruktiven Lösungen ist offenbar nicht gewünscht. Vorzeigbare Ergebnisse? Keine. Stattdessen erstellt die Stadt eine Facebook-Fanseite zum Mercatorjahr 2012. Erstes Posting: Juli diesen Jahres. Informationen über das geplante Programm? Fehlanzeige. Stattdessen entweder – was durchaus legitim ist – Links auf Artikel über das Mercatorjahr bzw. das Logo und ansonsten zwei belanglose Videos. Die Unterseite von Duisburg Nonstop ist bisher auch nicht gerade eine Quelle der sprudelnden Informationen was die Stadt so machen möchte. Ich kann allenfalls aus der Sicht eines unkommerziellen Veranstalters sprechen, der bei diversen Conventions mitgeholfen hat – aber eine jährliche Veranstaltung war da drunter. Und bei der wurden schon eine Woche nach dem letzten Veranstaltungstag die Vorbereitungen fürs nächste Jahr angegangen. Das geht auch gar nicht anders, man muss vorausschauend planen – alleine die Pressearbeit für Monatsmagazine muss ein halbe Jahr vorher anlaufen, die Räume müssen gebucht werden, das Programm muss entwickelt werden usw. usf. Die Stadt Duisburg nun hatte seit der Kulturhauptstadt 2010 ZWEI ganze Jahre Zeit sich ein Konzept zu überlegen. Man darf gespannt sein wie das aussieht.

Auf der einen Seite also gibt es den Eindruck, dass die Stadt überhaupt nicht daran interessiert ist die positiven Anreize des Jahres 2010 weiter fortzuführen – allenfalls steckt man noch etwas Aufwand in „Tiger and Turtle“, eine Landmarken-Skulptur. Aus dem Jahr 2010 ergaben sich mit den Akzenten in Ruhrort alleine so viele positive Anschübe, dass das Kreativquartier Ruhrort einfach mal weiter machte – und jetzt die stART-Conference im Quartier begrüßen darf. Andererseits aber ist die Stadt allerdings auch nicht imstande, die eigenen Kulturveranstaltungen gut zu vermarkten – pardon, die DMG ist nicht in der Lage die Potentiale der Stadt ins rechte Licht zu rücken. Das ist aber bekanntlich nichts Neues und die Duisburger haben zudem nicht vergessen, dass Gerste nach der Loveparade erstmal in den Urlaub flog weil es ja „nichts zu vermarkten“ gab damals. Seit der Loveparade versucht die DMG das Image der Stadt aufzupolieren – beweist aber wie bei den Stadtrundfahrten und dem unsäglichem Kopieren von Konzepten, die in New York vielleicht Erfolg haben, dass sie momentan dazu offenbar nicht in der Lage ist. (Wobei: Offenbar war die Idee mit dem offenem Doppeldecker-Bus auch aus den Staaten importiert…) Duisburg, so sei der DMG deutlich ins Stammbuch geschrieben, ist nun mal nicht New York. Nicht Paris. Nicht Rom. Wer die Stärken von Duisburg nicht sieht und nicht vermarkten kann muss sich fragen lassen, was für einen Job er eigentlich macht.

Duisburg hat immer noch Potential. Allerdings wird sich dieses mehr und mehr in den Untergrund flüchten, werden Künstler nach und nach die Stadt verlassen weil sie keine Lust haben sich mit dem Ordnungsamt der Stadt um jede Kleinigkeit zu streiten, werden Veranstaltungen aufgrund des Sparhaushaltes rigoros zusammengestrichen – hat die Stadtbibliothek in diesem Jahr eigentlich schon eine Freigabe ihres Etats erhalten oder muss sie wieder wie im letzten Jahr darauf hoffen, dass der Bürger mit Spenden in die Bresche springt? So gerne ich auch spende, es kann nicht Sinn und Zweck eines Engagements sein, dass Bürger Aufgaben der Stadt komplett übernehmen. Wäre ja noch schöner. Ich mag Duisburg. Das Furchtbare aber ist: Ich habe die Stadt mal innigst geliebt.

3 thoughts on “Duisburg: Diskongruentes Kulturmanagement

  1. als künstler kann ich nur sagen

    in duisburg was zu machen lohnt sich nicht

    in der schweiz gibt es städtchen (30tausend einwohner) da fahre ich als künstler hin um aufzutreten

    „die alten“ duisburger reden zwar von stadtkultur

    aber wenn mann nachfragt meinen sie köln oder düsseldorf oder gar berlin

    die veranstalter oder wirte sind da genauso

    sie haben sich auf das sterben eingerichtet

    machen comedy

    und haben keine eier mehr für kabarett

    unser ordnungsamt macht zwar alles kaputt

    aber das ist gar nicht nötig

    weil hier nix mehr kaputtzumachen ist

    ich trete kaum noch auf in duisburg

    wie meine kollegen aus duisburg

    die ich backstage in anderen städten sehe

    die wahrgenommenen „kabarettisten“ aus duisburg sind kabarettersatz al a trepper oder sting

    du ist tot

    reanimation zwecklos