Rot Weiss Essen schafft die Sensation und besiegt Union Berlin nach Elfmeterschießen mit 6:5 – Das Georg-Melches-Stadion explodierte voller Emotionen.

Der Mythos Hafenstraße ist am Freitagabend wieder auferstanden. Wer hätte gedacht, dass noch ein Mal 15.000 Zuschauer ins Georg-Melches Stadion an der Deutschlandweit bekannten Hafenstraße in Essen pilgern, denn bald werden die Rot Weissen in einem neuen Stadion auflaufen, da eine neue Heimstätte bereits in Bau ist. Passend dazu das diesjährige Saisonmotto „Abschied auf Ruinen“.

„Wir wollen unsere letzte Saison in diesem legendären Stadion genießen und viel Spaß haben.“, so RWE Präsident Michael Welling.

Der Gegner in der ersten Pokalrunde hieß ausgerechnet Union Berlin, ein Verein der mindestens genau so ein positiv „verrücktes“ Umfeld wie der Gastgeber hat. Bei Union Berlin bauten sogar die Fans die neue Heimstätte der „Eisernen“. Auch bekannt ist bei den „Eisernen“ das traditionelle Weihnachtslieder singen. „Da kriegt man Gänsehaut.“ so der Ehemalige RWE Coach Uwe Neuhaus und heutige Union Coach vor der Partie, er fügte hinzu: „Beide Vereine sind wohl mit St. Pauli in Deutschland einzigartig.“

Das in Essen etwas los sein wird sahen die Reisenden am Essener Hauptbahnhof bereits um 14 Uhr. Am Nachmittag verwandelten dort Rot Weisse Anhänger den Busbahnhof zur Party-Meile. Die EVAG (Essener Verkehrsgesellschaft) schien mit dem großen Andrang überfordert zu sein, denn die Sonderbusse waren überfüllt.

Der Mannschaftsbus der „Eisernen“ fuhr um Punkt 19:00 Uhr auf den Parkplatz des Georg-Melches Stadion vor. Während die RWE Kicker bereits viel früher anwesend waren. „Das kribbelt, da kann man nicht Zuhause sitzen.“ so Kerim Avci deren komplette Familie sowie Freundeskreis ebenfalls anwesend waren.

Rund eine Stunde vor Beginn der Partie stieg die Nervosität bei den Essenern, man hörte sie mehrere Male tief durchatmen, bevor es dann um Punkt 19:45 Uhr zum Aufwärmen ging herrschte eine ungewohnte „Stille“ im Kabinentrakt. „Heute sind wir einmal nicht der FC Bayern München sondern der Underdog.“ so einer der Kicker.

Während des Aufwärmens füllte sich das Georg-Melches Stadion gewaltig.Bis zum letzten Platz war alles rappel voll. Das Motto hieß klar „Reiß die Hütte ab.“

Um Punkt 20:30 Uhr betraten beide Teams samt Schiedsrichtergespann das Spielfeld und „Das Match“ des Jahres begann.

Beide Teams übten von Beginn an hochkonzentriert Druck aus, wobei RWE anfänglich in einigen Situationen unsicher wirkte, doch mit jedem Spielzug legte sich diese Unsicherheit und das Team von RWE-Coach Waldemar Wrobel schaffte es sogar einige Male in den gegnerischen 16er.

Die Stimmung im Georg-Melches Stadion sorgte für Gänsehaut, die rund 13000 Zuschauer belebten die „alte Ruine“ wie zu alten Zeiten.

Beide Teams gingen wie vermutet mit hoher Aggressivität in die Partie, so dass Schiedsrichter Robert Kempter die Partie einige Male unterbrechen musste.

Doch die rund 13000 Zuschauer störten sich ganz und gar nicht an kleineren Unterbrechungen, dass Georg-Melches Stadion rockte, so das die „kleinsten“ Zuschauer gar Angst hatten und den Papa fragten, was denn nur los sei.

Timo Brauer kristallisierte sich ein wenig heraus, denn der Kapitän der Rot Weissen mit erkennbar viel Ballbesitz war doch in einigen Aktionen zu eigensinnig.

Auch RWE-Keeper Dennis Lamczyk zeigte seine ganze Klasse. Der ehemalige Schalker, ausgebildet von Oliver Reck (Torwarttrainer MSV Duisburg), gerade bei hohen Bällen war er gut vorbereitet.

Doch Essen im weiteren Spielverlauf, so um die 21. Spielminute die dominantere Mannschaft, doch keiner traute sich so wirklich bis auf Lukas Lenz. Er zog aus rund 17 Metern ab und holte einen Eckball für die Rot Weissen aus. Doch keiner ahnte, dass der folgende Eckball das Stadion an der Hafenstraße explodieren ließ, denn Timo Brauer verwandelte sicher zum 1:0 Führungstreffer (22. Spielminute) für die Rot Weissen. Somit war die Sensation perfekt. Was sich nach diesem Führungstreffer abspielte war unglaublich, denn die Fans von Rot Weiss Essen verwandelten die „Ruine“ zur Festung.

Auch nach dem Führungstreffer ließ RWE nicht locker. Die Truppe von Trainer Waldemar Wrobel brachte Zuschauer, Medienvertreter sowie TV- Zuschauer zum Staunen. Was Essen ablieferte, hatte kaum etwas mit Regionalliga Fußball zu tun, sondern eher mit Zweitliga Niveau.

Um Punkt 21:16 Pfiff Schiedsrichter Kempter zur Halbzeitpause. Die Essener gingen hoch verdient mit einer 1:0 Führung in die Pause. Den Treffer erzielte Kapitän Timo Brauer nach einem Eckball der von Lukas Lenz erarbeitet wurde. Essen über die gesamten 45. Spielminuten die Mannschaft mit mehr Ballbesitz, nur im Torabschluss einige Male zu ängstlich.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit begann RWE aggressiver. Während die Stimmung im Stadion zu Beginn der zweiten Halbzeit ein wenig nachließ, begann Union mit einigen gefährlichen Offensivaktionen die gefährlich hätten enden können für die Gastgeber.

Ab Mitte der ersten Hälfte setzten die Zuschauer noch ein Mal ein Zeichen und drehten den „Turbo-Motor“ auf, so das die Spieler dieses auf den Platz versuchen umzusetzen, was die Zuschauer vorgaben: nämlich Vollgas geben. Die Mannschaft begann sich erneut in die Hälfte der „Eisernen“ zu kämpfen, so dass Union Berlin einige Ballverluste in Kauf nehmen musste.

Als sich die Gastgeber in der 60. Spielminute einen Eckball erkämpften, wurde dieser von den Zuschauern gefeiert wie ein Treffer.

In der 63. Spielminute wurde Lukas Lenz ausgewechselt. Er erarbeitete den Eckball zum 1:0 und wurde von den Fans an der Hafenstraße mit riesigem Applaus verabschiedet. Für ihn kam Benedikt Koep in die Partie. Nach einem Foul in der 71. Spielminute der Eisernen an Timo Brauer entschied Kempter auf Freistoß für die Gastgeber.  Dieser wurde von Suat Tokat ausgeführt und der eingewechselte „Benni“ Koep verwandelte sicher zum 2:0 Führungstreffer für die Rot-Weissen. Was sich nach diesem 2:0 abspielte hat Essen das letzte Mal in den 90-er gesehen. Die Ruine bebte, und wie!  Zäune, Fahnen, alles wackelte was wackeln konnte.

Aber auch der Schlussmann der Essener zeigte was er konnte. Der von Oliver Reck ausgebildete Torwart bewies seine Strafraumbeherrschung und „boxte“ einige erfolgreich gegen die „Pille“, so dass die Berliner auch nicht ansatzweise die Chance hatten einen Treffer zu erzielen.“ Torwarttrainer Torsten Albustin bekam auf der Tribüne seinen Stolz kaum aus den Gesicht. „Meine Torleute sind einfach alle Drei toll.“ äußerte „Albu“ emotionsgeladen nach der Partie.

Doch bevor es dann zum Schlusspfiff kam, trat RWE in den letzten 7 Minuten ziemlich siegessicher auf, so kam es zu vielen Fehlpässen. Union Berlin nutzte diese Unkonzentriertheiten prompt und schaffte es in nur 9 Minuten die ganze Partie zu drehen. Für Union Berlin trafen Zoundi (82. Spielminute und der Ex-MSV Spieler Simon Terodde zum 2:2 (90+1. Spielminute)

So kam es zur langen Pokalnacht-Verlängerung hieß es. Dort setzte sich in 2 * 15 Minuten ebenfalls keiner durch, und es kam zum Elfmeterschießen. Dort wurde es ebenfalls spannend. Doch RWE-Keeper Dennis Lamczyk schaffte das, was 2001 Union-Torwart Sven Beuckert im Pokalhalbfinale tat. er hielt nämlich zwei Elfmeter und erarbeitete sich damit nun einen ganz großen Namen in Essen.

Nach der Partie knallte es dann kräftig im Georg-Melches Stadion. Die Spieler der Gastgeber ließen sich ordentlich feiern. Solche Bilder gab es zuletzt 2004 beim Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Fazit zur Pokalnacht: Rot Weiss Essen dominierte die Partie klar. Doch auch Union verkaufte sich gut nur wie vor der Partie von vielen geahnt wurde. Der „Mythos Hafenstraße“ wurde für die „Eisernen“ aus Berlin zum Verhängnis. Doch RWE hatte gegen Ende der Partie eine unsichere Phase, so erarbeiteten sich die „Eisernen“ zwei Treffer, die nochmal für ordentlich Spannung sorgten. Doch im Elfmeterschießen packte es dann RWE. Aber bei RWE spielte auch klar der Zusammenhalt eine große Rolle. Denn bei RWE waren Trainer, Betreuer, Spieler, Mitarbeiter sowie Fans eine Einheit die gemeinsam das Ziel Einzug in die 2. Runde des DFB Pokal erreichten. Anzumerken sei, dass Teammanager Damian Jamro z.B.  von 7 Uhr morgens bis in die Nacht für RWE arbeitete, um diese „Pokalnacht“ so wie sie war, nämlich für alle Beteiligten einzigartig, zu ermöglichen.

Aber auch Union Berlin und die Fans der „Eisernen“ traten als Einheit auf. Selbst nach einer Niederlage in Essen feierten die Union-Fans ihre Truppe. Fazit beide Vereine sind wohl mit St. Pauli einzigartig und positiv verrückt.

Die Bilder zur Pokalnacht finden Sie unter dem folgenden Link: http://xtranews.de/imagedesk/index.php/Fu-ball-Regional–und-3-Liga/Rot-Weiss-Essen—Union-Berlin-Pokalnacht

 

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