DGB Krefeld kritisiert Entscheidung des VRR zum Sozialticket

Confederation of German Trade Unions

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Krefeld – Der DGB in Krefeld hat erhebliche Zweifel, dass die Entscheidung des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr zur Einführung eines so genannten "Sozialtickets" zum Preis von 30,- Euro eine richtige Entscheidung gewesen ist.

Das was jetzt als "Sozialticket" eingeführt werden soll, sei nach Auffassung des DGB erwiesener Maßen ein sozialpolitischer, verkehrspolitischer und betriebswirtschaftlicher Flop.

" Ein solches Experiment hat es bereits in Dortmund gegeben. Das 15 Euro Ticket ist in Dortmund von 24.000 Fahrgästen angenommen worden. Parallel stiegen die Einnahmen der Dortmunder Verkehrsbetriebe von 139,2 Mio. im Jahr 2008 auf 143,3 Mio. im Jahr 2009. Die Betriebskosten des Unternehmens stiegen nicht. Nur durch die Abgaben an den VRR entstand ein rechnerisches Defizit. Dann wurde der Preis für das Ticket auf 30 Euro erhöht. Im Ergebnis ist die Zahl der Sozialticketabnehmer auf 8.000 gesunken und die Einnahmen gingen um mehr als 8 Mio. Euro im Jahr 2010 zurück", so DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke.

In der Rechenfibel für angehende und fortgeschrittene Verkehrspolitiker wird folgende Aufgabe gestellt:

Ein Verkehrsunternehmen will seinen Umsatz erhöhen und viele neue Kunden erreichen. Es gibt drei Möglichkeiten.

1. Das Verkehrsunternehmen macht nichts und bietet kein Sozialticket an. Verkehrspolitiker wissen, es gibt viele Kunden, die gerne mit Bussen und Bahnen fahren, für die es aber kein passendes Angebot gibt.

2. Das Verkehrsunternehmen bietet ein Ticket für den Preis von 30 € an. 8.000 Kunden entscheiden sich für dieses Ticket. Fortgeschrittene Verkehrspolitiker wissen, dass in der Hauptsache bereits vorhandenen Kunden auf das billigere Ticket umsteigen und kaum neue Fahrgäste gewonnen werden.

3. Das Verkehrsunternehmen bietet ein Sozialticket für 15 € an. 24.000 Menschen kaufen diesen Fahrschein. Fortgeschrittene Verkehrspolitiker wissen, mit diesem neuen Produkt werden viele Menschen angesprochen, die bisher noch keine Kunden des öffentlichen Nahverkehrs waren.

Mit welcher Möglichkeit kann das Verkehrsunternehmen den größten Umsatz erzielen, gleichzeitig viele neue Fahrgäste gewinnen und sogar seinem öffentlichen Auftrag zur Daseinseinvorsorge gerecht werden?

Die Zahlen entsprechen dem Feldversuch aus Dortmund. Bekanntlich hatte das dortige Nahverkehrsunternehmen ein Sozialticket zunächst für 15 € angeboten. Die Verdoppelung des Preises hat die Verkaufszahlen um 2/3 absacken und den Umsatz deutlich sinken lassen.  

Der VRR wollte offensichtlich aus diesem Desaster nicht lernen. Ein Sozialticket für 30 Euro im Monat sei in erster Linie ein Angebot für Menschen mit niedrigstem Einkommen, die sehr stark auf den Nahverkehr angewiesen sind und jetzt schon ein Monatsticket zum Normalpreis erwerben müssen. "Für sie kann das Angebot eine Ersparnis sein. Für die Verkehrsbetriebe bedeutet diese Regelung ein spürbares Defizit, " meint Köpke. Hierdurch würde auch kaum zusätzliche Mobilität erzeugt. 

Ein Sozialticket für 15 Euro im Bereich des VRR würde dagegen mehrere Hunderttausend zusätzliche Fahrgäste und erheblich größere Einnahmen zur Folge haben. Wer seine Augen offensichtlich vor diesen Fakten verschließt, handelte sozial und betriebswirtschaftlich unverantwortlich. Der DGB in Krefeld fordert die Einführung eines Sozialtickets, welches diesen Namen auch verdient. Denn nicht mehr als 15 Euro seien im Hatz IV Regelsatz für Mobilität im Nahbereich eingeplant. 

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2 thoughts on “DGB Krefeld kritisiert Entscheidung des VRR zum Sozialticket

  1. richtg

    wenn man berücksichtigt daß dem hartz4er weniger als 15 euro für mobilität zugestanden sind müsste die arge die differenz zu den 15 tragen

    daß bei sauerlands-asozial-politik kein DU-paß zustande kommt ist noch so ne sache

  2. Öffentliche und halböffentliche Institutionen haben sich noch nie einen Namen damit gemacht, dass sie effizient in betriebswirtschaftlichem Rechnen sind.