Shakespeare für Einsteiger: Arkadas-Theater bei der HOFKultur Ruhrort

In neunzig launigen und witzigen Minuten präsentiert das Arkadas-Theater sämtliche Werke Shakespeares. Leicht gekürzt und orientalisiert. Ein gelungener Theaterabend mit szenisch rasanten Ideen.

Es ist ein Abend, der den drei Schauspielern Nadeem Ahmet, Aydin Isik und Murat Seven vollen Körpereinsatz abverlangt – Fechten, Rennen, Umziehen, diverse Mal auf der Bühne sterben: „Shakespeares sämtliche Werke leicht gekürzt und orientalisiert“ ist wahrlich ein Bravourstück, bei dem sich Komik und Tragik die Waage halten. Die Balance zu halten und dabei noch unterhaltsam zu sein ist alles andere als einfach – doch dem Arkadas-Theater gelingt dies am Premierenabend mit spielerischer Leichtigkeit. Geschickt nutzt dabei das Ensemble die Gegebenheiten des Ortes: Den Balkon des Innenhofes mit den zahlreichen Fenstern als Auftritts- und Abtrittsmöglichkeiten. Die berühmte Balkonszene aus „Romeo und Julia“ jedoch findet dann doch etwas anders als erwartet statt.

Die Orientalisierung, die das Arkadas-Theater dem Originalstück übergeworfen hat, ist überaus gelungen: „Titus Andronicus“ erscheint als türkischer Koch, die Amme in „Romeo und Julia“ wehklagt in Klageweiber-Art über den Tod von Tybalt, „Othello“ als Rap mit türkischer Perkussionsbegleitung und schlussendlich wird aus „Hamlet“ der „Prinz von Dönerland“. Dabei stellt das Ensemble die Klischees nicht der Lächerlichkeit preis sondern nutzt sie vielmehr um einen neuen Blickwinkel auf Altbekanntes zu ermöglichen – ein Lachen mit, nicht über die Fremdartigkeit als Ziel. Und dann gibt es immer diese Momente, in der man die Magie des „Original-Shakespeares“ spürt, etwa wenn Nadeem Ahmet den in „Hair“ vertonten Monolog aus „Hamlet“ spricht, in dem der blaue Baldachin und die prächtige Welt ihm nichts weiter mehr ist als eine verpestete Umwelt. Wenn zu Beginn das Ensemble die Welt als Bühne präsentiert, auf der wir alle nur unsere Rollen spielen.

„Shakespeares gesammelte Werke leicht gekürzt und orientalisiert“ funktioniert so einerseits als reine Revue, andererseits auch macht das Stück auch Lust auf die Urstücke, den Urtext. Die knappen 90 Minuten sind dabei nie langweilig, gespickt auch mit aktuellen Anspielungen – ein vergnüglicher, rasanter und kurzweiliger Abend mit Shakespeare für Einsteiger, den man nicht verpassen sollte.

Nächste Vorstellungen: 28. und 29. Mai, 21:00 Uhr, Harmoniestraße 15
Eintritt: 5,- / 8,- €

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