Nato will sich stärker gegen Angriffe aus dem Netz wehren

Die Nato erhöht den Druck auf ihre Mitgliedstaaten, aktiver gegen
Angriffe aus dem Internet vorzugehen, so DER SPIEGEL in einer Vorabmeldung für sein am Montag erscheinendes Magazin. In einer von Generalsekretär
Anders Fogh Rasmussen verteilten internen „Nato-Planung für
Cyber-Verteidigung“ heißt es, die jewei ligen Länder müssten
„angemessene Verteidigungsmaßnahmen entwickeln“, um potentielle
Angreifer mit „robusten“ Methoden möglichst schon im Vorfeld einer
drohenden Attacke zu behindern. Die größte Gefahr im Internet gehe nicht
von Kriminellen oder Terroristen aus, sondern von anderen Staaten. In
dem Konzept kündigt die Nato auch an, einen Katalog für „internationale
Verhaltensnormen im Cyberspace“ zu entwickeln, anhand dessen Vorfälle
bewertet werden sollen. Wann ein Angriff aus dem Internet den
Bündnisfall auslöse, müsse im Einzelfall durch den Nato-Rat entschieden
werden. Damit spielt Rasmussen auf den Zusammenbruch von Teilen des
nationalen Computernetzwerkes in Estland im Frühjahr 2007 an, als
mutmaßlich russische Hacker Banken und Regierungsrechner lahmgelegt
hatten, weil die estnische Regierung ein sowjetisches Kriegerdenkmal
verlegt hatte. In Teilen der Nato war damals erwogen worden, erstmals
den Bündnisfall aufgrund von Attacken über das Internet auszurufen. Im
Juni will Rasmussen einen Aktionsplan vorlegen, wie das Konzept
umgesetzt werden kann. Laut dem Papier soll die Nato im Cyberspace
spätestens 2012 voll einsatzfähig sein. In Deutschland hat vor kurzem
erstmals der Nationale Cyber-Sicherheitsrat getagt, der die Arbeit des
neueingerichteten Nationalen Cyber-Abwehrzentrums koordiniert.

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