Elektrisierendes Video: Wie die EnBW nicht das bekam, was sie wollte

EnBW

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Das Kultusministerium Baden-Württemberg und der Energieversorger EnBW suchten im Rahmen eines Schülerwettbewerbs „spannende“ Videos. Spannend ist jetzt, wie der Energieversorger auf einen kritischen Beitrag zum Thema Atomstrom reagiert. Bislang: Eher so gar nicht konstruktiv.

Der Auftrag ist klar definiert: „Schließt euch in Teams aus bis zu zehn Energie-Reportern zusammen, die alle die 7. bis 9. Klasse besuchen. […] Jetzt kann euer Einsatz als Energie-Reporter beginnen. Findet ein spannendes Thema und dreht euren eigenen Clip. Die einzige Bedingung: Die Hauptrolle in eurem Film muss der Energieverbrauch in eurer Stadt spielen. Beleuchtet, woher der Strom kommt, für was er verwendet wird oder wer die Menschen sind, die eine reibungslose Energieversorgung möglich machen.“ Dass die Frage, woher der Strom kommt in diesem Jahr eine besondere Rolle spielen wird, das konnten die Veranstalter nicht ahnen – Anmeldeschluss für die Gruppen war Ende Januar, Fukushima war noch nicht passiert. Doch hätte man nicht angesichts des 25. Jubiläums von Tschernobyl auch schon ahnen müssen, dass es durchaus auch kritische Stimmen zum Thema Stromerzeugung geben könnte? Wenn, dann hat man bei den Veranstaltern offenbar nicht intensiv darüber nachgedacht. Die Gewinner des Wettbewerbs jedenfalls dürfen die zur Herstellung verwendete Kamera – eine FLIP – behalten.

„Wichtig bei euerem Filmclip ist, dass es um das Thema „Energie in der Stadt“ geht. Das kann zum Beispiel der Verbrauch oder die Erzeugung von Energie sein. Wir freuen uns auf eure kreativen Ideen!“ liest man im FAQ-Bereich der Webseite. Kreativ ist das Video, dass die Jugendlichen der Neumattschule in Lörrach erstellt haben nun zweifellos. Und in den ersten Minuten zeigen sie recht deutlich, was sie von diesem Versuch des „Anschleimens“ an ihre Zielgruppe halten: Nichts. Absolut gar nichts. Ebenfalls gar nichts von diesem Video hält die EnBW, die als einzige Stellungnahme dazu bisher twitterte:

Das Thema erfordert einen differenzierten Dialog und mehr als sich nur oberflächlich damit zu beschäftigen.

Mag sein, dass Jugendliche der 7. bis 9. Klasse keine Raketenwissenschaftler sind – aber 12 Minuten und 46 Sekunden beschäftigen sich Jugendliche hier mit einem brisantem Thema, zu dem sicherlich auch einige Recherche gehört haben wird. Sieht man mal davon ab, dass zum Thema Tschernobyl eine ganze Menge auch im Internet zu finden sein dürfte zum 25. Jubliäum des Zwischenfalls. Sicherlich erfordert das Thema einen differenzierten Dialog – doch dem scheint sich die EnBW mit dieser Begründung, eine virtuelle Ohrfeige geradezu, entziehen zu wollen.

Der initiierte Wettbewerb sollte wohl vor allem den PR-Zwecken der EnBW dienen und man fragt sich durchaus, warum dieser vom Kultusministerium begleitet wird. Schließlich sollte der Sinn und Zweck von Schulbildung auch sein, einen kritisch denkenden Bürger zu formen. Stattdessen wollte man vermutlich ein wenig Greenwashing betreiben und Bilder von sanft im Wind drehenden Rädern und wunderbar funkelnden Solarflächen auf Dächern haben. Man hätte rechnen können und müssen, dass dies garantiert in Zeiten von Fukushima nicht unbedingt der Fall sein wird.

Es bleibt abzuwarten, ob EnBW nicht doch noch schlussendlich reagieren wird und dann in welcher Form – das Video hat es als Link jedenfalls auf die Facebook-Seite von EnBW geschafft und ist dort bisher nicht entfernt worden. Allerdings kann der Link nicht kommentiert werden, Facebook-Fans haben also noch nicht darauf reagieren können.  Ob es sich zu einem Shitstorm entwickelt oder nicht, das liegt in den Händen des Konzerns. Richtige Dialogbereitschaft oder konstruktive Auseinandersetzung ist EnBWs Sache allerdings momentan nicht.

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