Brandneu ausgeforscht: Duisburg ist jetzt Traumstadt

Unsere Autorin Annett Tenter über eine vorgeblich empirische Umfrage einer unbedeutenden Fachhochschule,  die von der stadteigenen Duisburger Marketing Gesellschaft angeleiert wurde – mit dem suggestiven Ziel, das Image der sauerländischen Stadt Duisburg nach der Loveparade aufzuhübschen.

Eine Glosse.

Hat die Wahrheit gepachtet: Fachhochschule Westküste

Hat die Wahrheit über Duisburg gepachtet - die Fachhochschule Westküste in der Provinz

Verehrte Duisburgfans und die, die es werden wollen, schön dass Sie zu uns gefunden haben, sehen Sie Duisburg, wie wir es tun!

Sie haben die Ehre an einer eigens für Sie kreierten Multiplechoice-Klausur teilzunehmen!

Einzige Bedingung: Sie sind zwischen 19 und 21 Jahre alt, idealer Weise kein/e Deutsche/r, studieren Wirtschaftswissenschaften, sind im 1. Semester und waren noch nie in Duisburg. Dann kann es auch schon losgehen, seien Sie nicht nervös, bleiben Sie locker (wir sind es auch), es ist ganz einfach!

Womit assoziieren Sie die Stadt Duisburg? Sie haben zwei Ankreuzmöglichkeiten! Lassen Sie Ihren Assoziationen freien Lauf und wählen Sie spontan!

A: Ruhrpott
B: Industriekultur
C: Hafen
D: MSV
E: ZOO
F: Oberbürgermeister Adolf Sauerland
G: Loveparade-Katastrophe

Dem Gewinner, also dem, der die meisten richtigen Antworten gibt, winkt eine Flusskreuzfahrt rund um die Ruhrmündung in Ruhrort im Sommer 2011, also rund um die Mercatorinsel, was die einstige Erzinsel ist und die Stelle beschreibt, wo die Ruhr in den Rhein mündet. Verbunden mit einem Landgang auf eben dieser dann hoffentlich nicht mehr übel riechenden Schutt- und Aschehalbinsel, die eines Tages mal so richtig berühmt werden wird, dann nämlich, wenn Haniel in die dort dann darauf stehenden Wolkenkratzer umgezogen sein wird, die man dort ja gut hinsetzen kann, weil es in Homberg sowieso nichts zu sehen gibt.

Wir hoffen sehr, Ihnen dann auch einen Parcours über die zwar schon im Mai 2010 eröffnete Hanieltreppe ermöglichen zu können, die bis dato aber aus Sicherheitsgründen immer noch nicht freigegeben ist, da der TÜV nicht zuständig. Der Grund hierfür sind baustatische Erwägungen.

Es musste halt alles sehr schnell gehen damals, schließlich musste sie pünktlich zur Eröffnung der 33. Duisburger Akzente, immerhin im Kulturhauptstadtjahr (!) fertig werden, was an dem Tag war als unser hoher Besuch aus Barcelona dort seine big show aufführte, von der wir leider nicht mehr wissen wie die hieß. Damals, um das noch eben anzufügen, achteten 50 nicht geschulte Ordner darauf, dass sich nicht mehr als 50 Gäste gleichzeitig auf dieser Treppe befanden, da sie für mehr seitens unseres Bauamtes nicht freigegeben worden war.

Die Berechnung wurde so ähnlich wie später im Karl-Lehr-Tunnel durchgeführt, pi mal Daumen. Die Ordner hatten im Vorfeld aber einen Rechentest durchzuführen, den sie bestanden, womit gemeint ist, dass alle bis 50 zählen konnten, sich selbst inbegriffen. Dass sich dann aber doch mehrheitlich 100 Personen auf dieser Treppe aufhielten, die, wir vergaßen es zu erwähnen, von der Friedrich-Ebert-Brücke herab auf die Mercatorinsel führt, hatten wir der regionalen Presse erfolgreich nicht gemeldet.

Der Gewinner unserer marketingstrategisch wichtigen Umfrage wird also der erste sein, der ohne Begleitung von Security diese Treppe benutzen darf, um nachfolgend einen Kaffee in Homberg zu trinken – das ist doch schon was!

Zur Begrüßung empfängt Sie auf der Brücke zudem ein Schild mit der Aufschrift „Duisburg ist the place, where things really happen“, denn wir haben uns dazu entschieden, diesen teuer bezahlten Slogan aus dem Hause einer renommierten Werbeagentur aus dem Siegerland, den wir bedauerlicher Weise am 27. Juli 2010 von unserer Homepage entfernen mussten, wieder aufleben zu lassen, weil dieser Spruch, den Sir Norman Foster eigens für unser schönes Duisburg kreierte, doch eigentlich echt ganz toll ist. Ein Satz also, auf den man durchaus stolz sein kann.

Und eben weil Duisburg der Ort ist, an dem die Dinge wirklich geschehen, gibt es hier auch immer etwas zu vermarkten, auch dann, wenn ich im Urlaub bin. (Aber wofür hat man schließlich Parteifreunde und Kollegen, nicht wahr?)

Wir haben uns aber zudem noch ein ganz besonderes Schmankerl für den Gewinner unseres hübschen Multiplechoice-Testes einfallen lassen: eine blaue Krawatte mit weißen Rauten, die, wir wollten es eigentlich nicht verraten, tun es aber trotzdem, im 50er-Pack derzeit reduziert in der Metro gibt. Mit dieser Krawatte versuchte unser Herr Oberbürgermeister im Jahr 2010 „Krawattenmann des Jahres“ zu werden, schaffte das aber leider nicht. Nun ja, jetzt hat er eine neue, und in Cannes auf der Immobilienmesse trug er neulich sogar gar keine!

Die Marke Duisburg ist ja in der hiesigen Presse vielfach Nest beschmutzt worden, daher zählen wir auf Sie! Bitte helfen Sie uns beim Erneuern und beim Korrigieren des dadurch entstandenen Imageschädigenden Bildes, danke sehr, das ist sehr freundlich.

Nicht unerwähnt lassen an dieser Stelle wollen wir, dass genau Sie DIE repräsentativen Deutschen dieser Umfrage sein werden, von denen es heißen wird, dass sie in der Lage sind zu differenzieren.

In diesem Sinne, Tach auch, Ihr Herr Hopfen.

P.S. Mit der Teilnahme an diesem Test erklären Sie gleichzeitig, dass Duisburg ein lohnendes Tourismusziel in Deutschland ist.
P.P.S. Da der Test anonym durchgeführt wird, brauchen Sie nicht zu erwähnen, woher Sie kommen.
P.P..P.S. Mich wundern Ihre Antworten nicht. Ich habe mit diesem Ergebnis gerechnet. Das kann ich.

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