DGB und IG-Metall – Mehr als 36 % aller Beschäftigten in Krefeld in prekären Jobs

Krefeld – Neueste Auswertungen der Beschäftigtenstatistik belegen, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Während im Jahre 2003 in Krefeld noch 85862 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wohnten, sind es 2009 nur noch 80545. Ein Jahr zuvor waren es noch 1530 mehr. Auch für 2010 im so genanten Aufschwungjahr stagniert die Zahl noch bis Sommer bei 80500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze ging seit 2003 um ca. 7200 Stellen zurück, während die Zahl der Teilzeitstellen seit 2003 um knapp 2000 zugenommen hat. Ebenso ist die Zahl der Mini-Jobs rasant gestiegen. 2003 waren knapp 16500 Krefelder auf einen Mini-Job angewiesen, bis 2009 sind 5200 Menschen hinzugekommen.

Insgesamt ist die Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse, dazu gehören Teilzeit, Leiharbeit und Mini-Jobs, von 29544 im Jahre 2003 auf 37186 im Jahre 2009 gestiegen, das entspricht 36,4 % aller Beschäftigten!  Hinzu kommen noch knapp 1000 Arbeitsgelegenheiten, sogen. 1 € Jobs. 

"Wir sehen mit großer Sorge, dass weit mehr als 36 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in prekären Jobs beschäftigt sind. Das Normalarbeitsverhältnis in Vollzeit mit Versicherungspflicht droht perspektivisch in die Minderheit zu geraten. Die Ausweitung der prekären Beschäftigung ist ein soziales Pulverfass und muss schnellstens gestoppt werden, denn sie ist ein wesentlicher Grund dafür, dass immer mehr Menschen trotz Arbeit in Armut leben müssen", so der 1.Bevollmächtigte der IG-Metall in Krefeld, Ralf Claessen.

Bei den Frauen stehen mittlerweile 55, % aller Beschäftigten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, hier zeige sich laut DGB, wie sich arbeitsmarktliche Entwicklungen besonders auf Frauen auch in Krefeld auswirken.

"Wohin die Entwicklung geht, sieht man daran, dass in den letzten 7 Jahren sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in großem Umfang in nicht Versicherungspflichtige umgewandelt wurde. Seit 2003 sind über 5.000 nicht versicherte Beschäftigungsverhältnisse hinzugekommen. Besonders betroffen sind Frauen und junge Menschen, die in hohem Maße in prekärer Beschäftigung landen. Altersarmut und steigende Soziallasten sind die Folge", so DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke.

Deutschland ist Vorreiter bei den Auswüchsen des Niedriglohnsektors.22 Prozent der Beschäftigten, 6,5 Millionen Menschen arbeiteten zu Niedriglöhnen, 2,2 Millionen Menschen bekommen pro Stunde weniger als sechs Euro, 1,3 Mio. Beschäftigte beantragen zusätzlich noch Hartz IV.

"Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeitsmärkte. Beschäftigung darf nicht länger entwertet werden. Deshalb muss auch in Deutschland gelten: Mindestlöhne, und zwar nicht unter 8,50 Euro pro Stunde und gleiches Geld für gleiche Arbeit" fordern Claessen und Köpke für die Gewerkschaften in Krefeld, für"Arbeit, die arm macht, kann und darf nicht weiter das Ziel von Beschäftigungspolitik sein."

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