Tom Schimmeck am 4. November in Dortmund

Auf dem Kongress „Öffentlichkeit und Demokratie“ vom 1. bis 3. Oktober in Berlin hielt der Journalist, Autor und einstige Mitbegründer der „taz“ Tom Schimmeck einen vielbeachteten Vortrag. “Wem gehören die Medien?, fragte Schimmeck in der Friedrich-Ebert-Stiftung, um den Medieninhabern heftige Vorwürfe zu machen und zu fordern: „Verleger müssen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, denn unsere Medien haben nicht nur einen Warencharakter.“ 

„Die Öffentlich-Rechtlichen brauchen eine Renaissance. Dem Erstickungstod von Anstalten wie etwa dem hessischen Rundfunk müssen wir entgegentreten, die Entleerung der Hauptkanäle verhindern“, so Schimmeck. „Wir brauchen auch lebendige und zornige Journalisten. Gefördert über Stiftungen und Vereine. Denn viele werden über lebenslange Praktika gebrochen und durch den Druck des Marktes.“ Seiner Meinung nach sei die „feinere Mittelschicht“ unter den Journalisten deutlich überrepräsentiert und mit ihr eine bestimmte Wahrnehmung und Lebenswirklichkeit, weshalb es Themen wie der Mindestlohn so schwer hätten. Und wir müssten „größere Internetprojekte wagen, Magazine, Portale und Foren aufbauen, die echte Öffentlichkeit schaffen“ und Wege finden, dass sie Erfolg haben und sich tragen. „Wir müssen!, betonte Schimmeck. Denn „ohne Öffentlichkeit gibt es keine Demokratie – und die gehört uns“ (Bericht im Vorwärts). 

Tom Schimmeks Rede ist im (fast) vollständigen Wortlaut nachzulesen bei den Ruhrbaronen. Dort war auch zu erfahren, dass Schimmeck am Donnerstag in Dortmund über „Medien, Macht und Meinungsmache“ referiert und diskutiert, und zwar bei der

ver.di Dortmund, Königswall 36, 4. November, 19.30 Uhr, Eintritt frei 

Der Abend richte sich ausdrücklich nicht nur an Journalistinnen und Journalisten, vielmehr gehe es um eine politische Diskussion über demokratische Öffentlichkeit und die Rolle der Medien.

Heribert Prantl (SZ)schreibt über seinen Kollegen: „Wenn man seine Texte liest, denkt man sich: Karl Kraus ist ja eigentlich tot, Kurt Tucholsky auch. Tom Schimmeck erinnert an sie, an die ganz Großen unseres Metiers. Aber er ist er selber. Er ist Essayist, er ist Kommentator, er ist auch Prophet.“

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