Christlich-jüdische Leitkultur und Kopftücher: Religionsgelehrter pocht auf Verschleierung

Im Zuge der aktuellen Debatte über christlich-jüdische Leitkultur und Kopftücher liegt eine Anweisung eines religiösen Gelehrten vor. Darin heißt es:

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Jeder Mann, der bei prophetischen Reden etwas auf dem Haupte hat, entweiht sein Haupt. Jede Frau aber, die mit unverhülltem Haupt betet oder prophetisch redet, entweiht ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die Geschorene. Will nämlich eine Frau sich nicht verschleiern, so soll sie sich auch die Haare abschneiden lassen. Gilt es aber als Schande für eine Frau, sich das Haar schneiden oder kahl scheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann braucht sich nämlich das Haupt nicht zu verhüllen, weil er Bild und Abglanz Gottes ist; die Frau dagegen Abglanz des Mannes. Der Mann ist nämlich nicht aus der Frau, sondern die Frau aus dem Manne. Auch wurde der Mann nicht um der Frau willen geschaffen, vielmehr die Frau um des Mannes willen. Deshalb soll die Frau ein Machtzeichen auf dem Haupte haben um der Engel willen. Übrigens ist im Herrn weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau. Wie nämlich die Frau vom Manne stammt, so ist wiederum der Mann durch die Frau; alles aber ist aus Gott.“

Diese Anweisung ist für die gegenwärtige Debatte über die christlich-jüdische Leitkultur insofern von besonderer Bedeutung, weil sie vom geistigen Führer derjenigen sektiererischen Gruppen verfasst wurde, die als einzige mit Fug und Recht das Attribut „christlich-jüdisch“ für sich in Anspruch nehmen könnten. In einem Schreiben an eine Gemeinde griechischsprachiger Juden und anderer mit dem Christentum sympathisierender Gottesfürchtiger erließ ein abtrünniger imperialistischer Soldat namens Saulus unter seinem Kampfnamen Paulus (im Bild rechts) jene verbindliche Kleiderordnung, die – wie zitiert – bei Nichtbeachtung des Kopftuchgebots strenge Sanktionen für Frauen vorsieht (Brief an die Korinther, Kapitel 11,3-13).

Micha Brumlik

Dem deutsche Erziehungswissenschaftler und Autor Micha Brumlik ist dieser Rext Anlass genug zu fragen: „Muss die Bibel verboten werden?“ In einem Beitrag für die taz erläutert Brumlik seine Erwägung.

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