Herr Broder, Herr Sarrazin und das Juden-Gen

Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin

Es ist Sonntag, und Sonntag ist Springer-Tag. Ja, ich weiß: auch die Frankfurter Allgemeine und der Berliner Tagesspiegel erscheinen am Sonntag, aber eben nur in Ausnahmefällen auch beim Bäcker oder bei der Tankstelle um die Ecke. Da beschränkt sich die Auswahl an Sonntagszeitungen in aller Regel auf die BamS und die WamS. Also entweder die Bild oder die Welt am Sonntag. Oder man bleibt schön im Bett und guckt im Internet, was so geschrieben steht. In der BamS oder in der WamS, versteht sich.

Schlimm ist freilich, wenn Texte gar nicht mehr im Original gelesen werden, sondern aus Sekundärquellen zitiert wird. Das findet auch der Publizist Henryk M. Broder, der sich gegenüber der BamS geäußert hat, was ich wiederum bei WELT Online gefunden habe. „Ich bezweifle, dass alle, die Thilo Sarrazin jetzt so voreilig kritisieren, sein Buch überhaupt gelesen haben“, hat er gesagt, der Broder. Und was stört ihn daran? Klare Sache: „Es ist der erste Fall von Hexenjagd in Deutschland seit Mitte des 17. Jahrhunderts.“
Nun soll es ja auch im dritten Sechstel des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu Fällen von Menschenjagd gekommen sein. Vermutlich handelte es sich hierbei jedoch nicht um Hexen, die verfolgt wurden. Im Gegensatz zu Herrn Sarrazin, der folglich eine Hexe sein müsste. Vermutlich gibt es ein Gen, das Hexen von anderen Menschen unterscheidet.

Ebenfalls in der BamS und ebenfalls zu Herrn Sarrazin äußert sich der Publizist Michel Friedman, wovon ich bei FOCUS Online erfahre. Allerdings anders; Friedman auf Hexenjagd: „Es kann keine Toleranz mehr für diese Intoleranz geben. Wir brauchen Brückenbauer und keine Hassprediger, schon gar nicht im Vorstand der Deutschen Bundesbank.“
Derweil hatte der so Gescholtene bereits weitere Erkenntnisse aus seinen Überlegungen zum Genpool unters deutsche Volk gestreut – via WamS. „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“, lässt uns Völkerkundler Sarrazin heute wissen. Das konnten sie freilich noch nicht wissen, der Friedman und der Broder.
„Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden“, sagte Sarrazin jetzt der Welt am Sonntag, aber auch der Berliner Morgenpost, die ebenfalls im Springer-Verlag erscheint.

Zum besseren Verständnis: alle Menschen haben zu 99 und nochwas Prozent einen identischen „Genpool“, wie Sarrazin dies nennen würde, der wiederum zu 98 nochwas Prozent mit dem der Menschenaffen identisch ist. Doch um diese Gene geht es nicht. Es geht um ein bestimmtes Gen, das Basken-Gen, zum Beispiel. Oder, weitaus interessanter: das Juden-Gen.
Na sicher: das ist absoluter Blödsinn. Auch ohne großangelegte Rassenforschung, die übrigens auch zu ihren besten Zeiten kein Juden-Gen entdecken konnte, lässt sich leicht denken, dass die übergewichtige, aus Äthiopien stammende, Unterschichtsisraelin mit, sagen wir mal: Woody Allen zwar mehr als 99 Prozent aller Gene gemeinsam hat, aber eben nicht das ominöse Juden-Gen.
Na klar redet Sarrazin absoluten Stuss; doch darum geht es gar nicht. Entscheidend ist, dass es mal gesagt wurde: das, was in Deutschland immer noch bei einem nicht ganz unbeträchtlichen Teil des Volkes schichtenübergreifend auf fruchtbaren Boden fällt.

Das Volk, die Rasse, der Genpool. Denn das ist ja klar: ist das Genum proximum und die differentia specifica erst einmal anerkannt, sind wir uns erst einmal einig über die Existenz eines Basken-Gens oder, noch besser: eines Juden-Gens, dann – Hosianna! – gibt es logischerweise auch das Deutschen-Gen. Ein Volk, ein Gen, ein Bundesbanker.
„Wer die Juden über ihr Erbgut zu definieren versucht, auch wenn das vermeintlich positiv gemeint ist, erliegt einem Rassenwahn, den das Judentum nicht teilt“, meint Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, dazu. Scheinbar nicht ganz sicher, ob Sarrazin dies nun positiv gemeint hat oder nicht. „Vermeintlich positiv“, okay, aber eben doch Rassenwahn.
Und Henryk M. Broder, der – das muss auch einmal gesagt werden – gar nicht behauptet hat, das Werk des Rassentheoretikers Sarrazin gelesen zu haben, musste einfach davon ausgehen, dass da irgendetwas Positives dran sein müsse. Schließlich war ihm nur bekannt, dass es gegen die Türken und Araber geht. Da konnte ja das Juden-Gen keinen Alarm schlagen.

Werner Jurga


Das Foto ist der Wikipedia entnommen, wo es von „own Work“ unter CC-Lizenz veröffentlicht wurde. Für die Lizenzbedingungen bitte hier klicken.

47 thoughts on “Herr Broder, Herr Sarrazin und das Juden-Gen

  1. „…dass die übergewichtige, aus Äthiopien stammende, Unterschichtsisraelin mit, sagen wir mal: Woody Allen zwar mehr als 99 Prozent aller Gene gemeinsam hat, aber eben nicht das ominöse Juden-Gen“ ????

    es geht um Aschkenasim, Sie Besserwisser….

  2. BinKeinGenetiker So, 29 Aug 2010 at 19:36:19 -

    Ich bin kein Genetiker, aber diese Leute vielleicht schon:

    Das Unternehmen iGENEA schreibt:
    „Es gibt bestimmte genetische Merkmale, die auf eine jüdische Herkunft hinweisen. Mit einem DNA-Test von iGENEA kann Ihr DNA-Profil auf diese Merkmale hin untersucht werden.“
    Quelle: http://www.igenea.com/genealogie-dna-juden-judentum-ahnenforschung-40.htm

    Die taz berichtete 2006 über Forscher aus Utah und das „jüdische Intelligenz-Gen“:
    „Genetiker von der Universität Utah wollen nun nachgewiesen haben, dass die aschkenasischen (also die europäischstämmigen) Juden über ein eigenes „Intelligenz-Gen“ verfügen.“
    Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/07/04/a0156

    Und bei Jewish Chronicle Online:
    „A new study carried out by geneticists in New York and Tel Aviv suggests that Jews have a particular genetic signature.“
    Quelle: http://www.thejc.com/news/world-news/33213/jews-share-a-genetic-signature

    Ach, Herr Jurga… Sie schrieben: „Scheinbar nicht ganz sicher, ob Sarrazin dies nun positiv gemeint hat […].“ Sie meinen sicherlich „anscheinend“ und nicht „scheinbar“.

      • BinKeinGenetiker Mo, 30 Aug 2010 at 14:48:37 -

        Die Bedeutung von „anscheinend“ ist laut Nachschlagwerken „Es hat den Anschein“. Die Bedeutung von „scheinbar“ hingegen ist: Es scheint nur so (aber es stimmt gar nicht in Wahrheit).

        Da Sie sagen, dass sie wirklich „scheinbar“ meinten, ist die Bedeutung Ihres Satzes also:

        „NUR ZUM SCHEIN (ABER NICHT IN WAHRHEIT) nicht ganz sicher, ob Sarrazin dies nun positiv gemeint hat oder nicht.“

        Na, wenn sie dem Herrn Kramer das unterstellen, dass er uns so an der Nase herumführt… schon etwas verwegene Theorie.

  3. Im 20. Jahrhundert betrug der Anteil von jüdischen Mitmenschen 1% an der Weltbevölkerung.
    In diesem Jahrhundert haben Mitglieder dieser Mini-Minderheit rund 30% aller Nobelpreise in den naturwissenschaftlichen Disziplinen abgeräumt.

    Sorry, hat aber wohl nix mit Intelligenz zu tun.

    • Ich kenne sowohl die taz als auch den von Ihnen angeführten Artikel. Sogar diesen hier aus dem Tagesspiegel:
      http://www.tagesspiegel.de/wissen/abrahams-kinder/1860976.html

      Ich werde mit diesen Forschungsergebnissen nicht warm, auch wenn sie von jüdischer Seite in angeblich jüdischem Interesse kommen. Diese Sülze liegt im Interesse einiger Juden, nicht aller.
      Empirisch wenig überraschend: wenn immer (mindestens) mütterlicherseits durchvererbt wird, dann bleiben Übereinstimmungen nicht aus. Bei den Äthiopiern habe ich dennoch meine Zweifel.
      Ich bleibe dabei: die Definition von Volkszugehörigkeit via Blut ist eine – vielleicht nicht nur deutsche – Marotte, die ihren Ursprung in den Nürnberger Rassegesetzen hatte. Bzw. in deren Ursprüngen.

      • BinKeinGenetiker Mo, 30 Aug 2010 at 19:33:59 -

        Sind SIE eigentlich Genetiker, Herr Jurga?

        Ich meine, sind Sie vom Fach? Sie scheinen sich ja in dem Thema sehr sicher zu sein, da möchte ich gerne wissen, was genau Ihre Qualifikation ist.

        • Nein, ich bin kein Genetiker. Und richtig: ich bin in diesem Thema sehr sicher. Ich bestreite doch überhaupt gar nicht die Forschungsergebisse der hier angeführten Genetiker. Ich beanspruche ausschließlich eine Definitionskompetenz zum Begriff „Volk“. Genau diese billige ich Genetikern nicht zu. Damit befinden wir uns auf dem Gebiet der Soziologie, Politologie, Historie und vielleicht noch der Philosophie. Zurück zu Ihrer Frage: ja, ich bin vom Fach.

    • Wenn zum Lesen des fremdsprachigen Originals die Fähigkeiten fehlen, dann zitiert man schnell mal, was andere von anderen abgeschrieben haben. Dem zitierten Artikel mangelt es an einigen Stellen am Konjunktiv.

  4. Wow. Es ist schon erstaunlich, wie bereitwillig einige Menschen die These vom Gen annehmen.. Ich kann nur dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden zustimmen: Wer Juden über Genetik zu definieren versucht, bedient sich eines recht alten Rassismus, der widerum Wissenschaft nur da zu gebrauchen versucht, wo er das braucht. Igitt!

    Ansonsten: Sehr guter Artikel. „Ein Volk, ein Gen, ein Bundesbanker.“

      • einfach nur ohne sinn ihr kommentar, einfach nur ohne sinn! schämen sollten sie sich, ob so ein kommentar nun peter, jürgen, ahmad,dennis oder kevin sagt, sollte keine rolle über die beurteilung eines kommentars sein
        einfach nur schwach, traurig, dass sie nicht fähig sind, anders zu argumentieren
        von einem „mo ping“ ist wohl nix anderes zu erwarten

  5. es geht um Aschkenasim-juden.

    typischer fall von mediale hetze und vernichtungszug gegen sarrazin.

    man nimmt eine aussage, verdreht sie wie man es gerade braucht, und baut seine ganze argumentation drauf auf.

    eckelerregend ist das, was linke medien eliten veranstalten. DDR zersetzungsmethoden sind es.

    • In meiner Antwort (23:19) auf Jochen Trebmann (20:36) hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass ich dies gelesen und erst danach, wie Sie meinen, „dummes Zeug“ geschrieben habe. Glauben Sie es, oder lassen Sie es! Bewiesen es jedenfalls, dass mir Ihr Hinweis keine neuen Horizonte eröffnen konnte.

    • Mhm, vielleicht sollte man sich Seiten die man verlinkt erst mal durchlesen 😉
      (z.B. den Artikel des Tagesspiegels)
      Dann würde nämlich ziemlich schnell klar, dass nicht von einem „Juden-Gen“ die Rede ist, sondern lediglich von einer recht engen genetischen Verwandtschaft.
      Der Ausdruck „Juden-Gen“ ist bestenfalls eine unzulässige Vereinfachung. Schlechtestenfalls handelt es sich hierbei um reinen Populismus, wider besseren Wissens.

      Das wird beispielsweise auch in folgendem Artikel erläutert:
      http://www.faz.net/-01gzui

  6. BinKeinGenetiker Mo, 30 Aug 2010 at 14:53:13 -

    Sie können das natürlich für Mumpitz halten. Das ist ja Ihr gutes Recht.

    Bloß frage ich mich, warum man sich so über Sarrazin empört, wenn er lediglich wiedergibt, was u. a. auch von renommierten Wissenschaftlern (sie Universität von Utah) vertreten wird.

    • Mumpitz, nochmal zur Differenzierung. „Alle Juden“ teilen ein Gen“, spricht Sarrazin. Gut, sagen wir bestimmte Abschnitte auf der DNA / DNS. Vielleicht bewiesen, bestimmt kein Mumpitz.
      Mumpitz wird es, wenn dieser Umstand mit der vermeintlich oder tatsächlich höheren aschkenasischen Durchschnittsintelligenz korrelliert wird. Erst recht, wenn daraus noch eine Kausalbeziehung konstruiert wird.
      Bis hierhin bekanntlich auch in Kreisen „renommierter Wissenschaftler“ aufzufinden. Mumpitz, in diesem Fall jüdischer Mumpitz. Darüber mag man sich empören oder auch nicht.
      Ich habe mich über Sarrazin empört, der – darüber dürften wir uns einig sein – ganz andere Motive hat, die Biologisierung des Volkskundlichen salonfähig zu machen. Und er geht weiter als die angeführten jüdischen Kreise: Sarrazin presst die ganze Welt in sein biologisches Bild von den „Genpools“.
      Ich bin nicht bereit, diese Reanimierung des Völkischen unwidersprochen hinzunehmen. Weil es Mumpitz ist? Okay. es gibt ein Recht auf Mumpitz. Es gibt aber kein Recht darauf, die ihrer Identität unsicheren Loser mit völkischem Geschwurbel gegen Gruppen, die vermeintlich „noch tiefer“ stehen, aufzuhetzen. Um ehrlich zu sein: ich halte Sarrazins Gen-Geplauder für Volksverhetzung!

  7. Herr Jurga, auch ich habe noch einen Link zum Thema „Gene“ für Sie:

    Herr Prof. Noah Rosenberg hat an der Michigan State University den bisher detailliertesten „genetischen Stammbaum“ der Menschheit aufgestellt:

    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-7846-2008-02-22.html

    Genau wegen solcher genetischer Unterschiede kann man mit einem Gentest (eine Firma, die das macht, wurde oben ja schon verlinkt) seinen genetischen Stammbaum bis zu den Wikingern oder Kelten zurückverfolgen. Und ja, auch ob man jüdische Vorfahren hat, kann man auf diese Weise feststellen. Was Herr Sarrazin über das „Juden-Gen“ oder das „Basken-Gen“ gesagt hat, ist zwar sehr verkürzt und vereinfacht (was wohl daran liegt, dass es einfach ein Nebensatz in einer Antwort in einem Interview war), aber es ist in der Sache völlig korrekt.

    Auch, dass Intelligenz zu 50-80% vererbbar ist, ist völlig korrekt und wird von vielfältigen Studien und Untersuchungen bestätigt.

    Was man gestern bei Beckmann gut gesehen hat ist, wie statistisch nachgewiesene Phänomene von der Gesprächsrunde durch Einzelfälle oder persönliche Erfahrungen als falsch bezeichnet wurden. Die meisten Akademikerkinder hatten auch Akademikereltern, das sagt jede Statistik. Dann kommt aber Frau Özkan und sagt „Meine Eltern hatten einen Hauptschulabschluss, ich hatte ne Abinote von 1,6, und nun?“ Ja, und nun? Was soll das aussagen. Ich habe auch einen Freund, dessen Vater „nur“ Bauarbeiter war, der aber gerade dabei ist zu promovieren. Natürlich gibt es solche Fälle, wie es auch Fälle von Hauptschulkindern gibt, die Akademikereltern haben. Aber im Großen gesehen, ist die Korrelation eben doch sehr stark, und darum geht es doch.

    • Herr Tom, Danke für den Link! Aber mir reicht es jetzt mit den Genen. Habe nun, ach! – wie ich finde – hinreichend darlegt, welche Äußerungen zur Genetik ich für plausibel halte, und welche nicht so sehr. Gestatten Sie mir also bitte die Gegenfrage: haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum Ihnen und den mit Ihrer Meinung Übereinstimmenden Ihr / ihr Genpool so furchtbar wichtig ist?
      Wenn ich in die Psychologie wechseln darf: heben Sie schon einmal etwas von „Überkompensation“ der Minderwertigkeitskomplexe“ gehört?

  8. Herr Sarrazin hat recht!

    Ich weiß gar nicht, was alle haben – Herr Sarrazin hat doch recht, wenn er sagt, dass die Deutschen verdummen. Er selbst ist doch das beste Beispiel dafür!

    Mit anderen Dingen hat er natürlich nicht recht:

    Die wachsende Verdummung ist keineswegs auf die armen Migrantenkinder beschränkt. Sie findet sich zunehmend auch bei so genannten gebildeten Deutschen. Zum Beispiel auf Managementebene (davon kann ich als Freiberufler ein langes Lied singen) oder auch bei Journalisten. Ein Beispiel:

    Die Empörung über Sarrazins Äußerungen ist groß, aber der WAHRE HAMMER, nämlich seine Aussage gegenüber der Welt-Redaktion „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“ wird nur am Rande thematisiert und nicht vertieft. Und keiner fragt Sarrazin, woher er weiß, dass Juden oder Basken ein bestimmtes Gen haben, wie das Gen genau aussieht, was es bewirkt, oder ob er irgendwann eine Ausbildung zum Gen-Wissenschaftler gemacht hat.

    Aua.

    Das liegt vermutlich daran, dass ein großer Teil der Bevölkerung offenbar nicht sicher ist, ob es dieses ominöse jüdische Gen nicht vielleicht doch gibt. Wer spaßeshalber einmal nach Begriffen wie „jüdische Rasse“ googelt, wird sich wundern, wie viele Menschen nicht sicher sind, ob es eine jüdische Rasse gibt. Da werden Judentum, jüdisches Volk, Israelis, jüdischer Glaube, Zionismus oder Semiten wild durcheinander geworfen. Kein Wunder, dass man dann irgendwann auch glaubt, es gäbe eine jüdische Rasse mit eigenem jüdischen Gen.

    Aua.

    Necla Kelek, die Sarrazins Buch vorstellte, sagt unter anderem: „Der Islam ist keine Rasse, sondern Kultur und Religion.“ Aha! Wenn der Islam keine Rasse ist, dann ist das Judentum doch auch, keine, oder? Und wenn die Juden ebenfalls „nur“ eine Kultur und Religion sind, wieso können sie dann ein bestimmtes Gen haben?

    Aua.

    Was wir brauchen, ist Aufklärung über elementare Dinge, dann haben Menschen wie Sarrazin auch weniger Chancen, mit solchen Behauptungen für Diskussionen zu sorgen, weil sie dann eh keiner mehr ernst nimmt.

    Doch so, wie es aussieht, ist die Lage ernst. Und ich weiß nicht, ob ich deshalb heulen oder kotzen soll.

  9. TheGurkenkaiser Di, 31 Aug 2010 at 14:25:22 -

    Wenn Juden angeblich os schlau sind, wieso reißen sie dann nicht die Weltherrschaft an sich? Und kontrollieren Staaten und verfassen weise Protokolle, in denen sie die Welt unter sich aufteilen?

  10. Jeder weiß, dass Herr Sarrazin recht hat! Das Volk hat die Realität erkannt, nur unsere Politiker nicht!
    Die Deutschen haben es einfach satt, wie unsere selbstherrlichen Politiker und grünen Weltverbesserer mit Ihren immer gleichen Phrasen eine mittlerweile unerträgliche Schönfärberei betreiben und ein fröhliches Muti-Kulti-Miteinander propagieren wollen. Sie entfernen sich immer mehr von den Problemen, die die Menschen in unserem Land bewegen. Wohlwissend, dass Sie gerade zu dem aktuell diskutierten Integrationsproblem schon seit Jahren nur noch tatenlos zuschauen können, wie die Karre immer weiter in den Dreck fährt und die vom hart arbeitenden Bevölkerungsanteil erwirtschafteten Steuereinnahmen in unberechtigte Sozialausgaben fließen, die zunehmend ins Unermessliche steigen.
    Gerade die vielen SPD- und Grünenpolitiker, die für sich beanspruchen, sozialdemokratische Maßstäbe zu setzen, geben ein trauriges, geradezu schäbiges Bild in dieser Diskussion ab. Sie haben verlernt, was soziale Gerechtigkeit bedeutet! All die von Herrn Sarrazin zu Recht ins Feld geführten Missstände wurden bislang von den jetzt so vorlauten Politikern immer nur rosarot und wunderbar geredet. Dabei sind es genau diese Probleme, zu denen sie schon lange nicht mehr in der Lage sind, irgendwelche Antworten zu finden. Im Gegenteil, sie sind nicht mal mehr bereit, nach Antworten zu suchen. Diese Antworten würden nämlich eine deutliche Aussprache der Konsequenzen verlangen, wozu offensichtlich kein deutscher Politiker mehr in der Lage ist. Vielmehr treten sie jetzt auch noch die freie Meinungsäußerung mit Füßen, indem Sie auf einen Mann eindreschen, der es wagt, das auszusprechen bzw. schwarz auf weiß niederzuschreiben, was für die Menschen in unserem Land schon jahrelang Realität ist. Nämlich eine Einwanderungspolitik, die die Note „Mangelhaft“ verdient und auf einen harten Prüfstand gehört. Es kann nicht sein, dass Deutschland in der ganzen Welt als das favorisierte Einwanderungsland gilt, nur weil man hier ohne Leistungsanreize ein schönes Leben auf Kosten anderer verbringen kann.
    Herr Sarrazin sollte eine Partei gründen, die sich der Lösung dieser Probleme annimmt. Dies kann unser Land weiter bringen, wenn es gelingt, ohne rechtsradikale Einflüsse daran zu arbeiten. Das Volk hat die Realität erkannt, nur unsere Politiker nicht!

  11. Ich habe weder das Buch gelesen, noch bin ich Genetiker. Was ich allerdings besitze ist gesunder Menschenverstand. Worum geht es hier eigentlich? Es geht um die Angst vor Identitätsverlust. Was in Zeiten der Globalisierung nicht weiter wundert. Das ist mit Sicherheit kein primär deutsches Problem. Im Gegenteil, denn die Einwanderer kämpfen ebenso um Erhalt ihrer Identität. Darüber wird gerne vergessen, dass der Genpool ständiger Veränderung unterworfen ist, was auch Sinn macht, wenn man über genetische Gesundheit nachdenkt.
    Wenn Menschen sich entschließen hier Herkunftsland zu verlassen, nehmen sie ihre Kultur und ihre Tradition mit, auch Deutsche tun dies. Man findet sich in Kolonien, Ghettos oder wie auch immer man das bezeichnen mag, wieder? Und warum? Weil Menschen sich nach Gleichem sehnen, nach Sicherheit und Geborgenheit, die sie in ihrer Gemeinschaft finden. Ist das verwerflich oder gar gefährlich? Ja – hin und wieder ist es das. Integration sollte nicht die Aufgabe von Kultur und Tradition bedeuten, allerdings sollten sich alle Einwanderer darüber im Klaren sein, dass sie sich an geltende Gesetze des Landes zu halten haben und noch wichtiger, dass sie schnellstmöglich die Sprache des Landes lernen. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern ist global zu verstehen.
    Man sollte sich klar machen, um wie viel ärmer die Menschheit wäre, hätte es nie Völkerwanderungen gegeben. Vermutlich hätte sich die Menschheit damit schon selber abgeschafft.

  12. Sarrazin hat sich nicht eindeutig erklärt. So nimmt er wachsende Spannungen zwischen Gruppierungen in Kauf. Ist Genetik hier zielführend? Wohin?

    Bezeichnet Ethnie richtigerweise den jüdischen Zusammenhalt?
    Halbjude, Konvertit, Nichtjude – sowas stand schon mal in israelischen Pässen:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Teudat_Zehut#Document_contents
    So gesehen müsste ich Viertelkatholik sein. Aber Katholiken bilden keine Ethnie, „Ossis“ auch nicht.^^ Eine „Nicht-Einmischung“ bis zur Großmutter verlangte der „Ariernachweis“. Wie sieht das im Judentum aus?

    Artikel 21 der Charta verbietet eine Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung und überdies jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit. (c&p; europa.eu)
    Welche Punkte träfen vereinigenderweise in Deutschland zu auf: Araber, Moslems, Türken, Juden, Israelis, „Russlanddeutsche“, Deutsche, Ostfriesen, Roma&Sinti, Memmis (Menschen mit Migrationshintergrund)?

    Entschuldigen Sie die „unprofessionelle“ Herangehensweise – ich bin Nazi-Enkel und mir wurde „dieser Minderwertigkeitskomplex“ (nicht nur) in die Wiege gelegt.

  13. „(…)Sie sollten ernsthaft in Betracht ziehen, die Halacha den Möglichkeiten der Zeit anzupassen, um jeden als Juden anzuerkennen, der dies zum Beispiel per Gentest belegen kann.(…)“ Quelle: Jüdische Allgemeine, „Konversionsgesetz – Einfach jüdisch“, 19.08.2010: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8449
    Wer sucht nach dem „Deutschen-Gen“? Möge niemand bei sich beide Gene entdecken…

  14. Tjalf Boris Prößdorf Mo, 06 Sep 2010 at 22:59:35 -

    Also, hagalil.com – Herkunftsanalyse mittels DNA, Tagesspiegel – Abrahams Kinder, Jüdische Allgemeine – Kinder Abrahams …
    Jetzt kann man, Herr Jurga, ja anderer Meinung sein, als diese Artikel.
    Auf Herrn Sarrazin aber in der Art loszugehen, wie Sie das in Ihrer Glosse tun, ist aber doch erstaunlich.