BaBaSu: Minimalismus mit Projektionsfläche – Kai Schumacher und Pixtole bei Late Night Piano

Mit 20 oder 30 Besuchern hatten die Betreiber des BaBaSu gerechnet – am Ende mussten die Stuhlreihen für die ca. 50 Besucher noch erweitert werden. Der Duisburger Pianist Kai Schumacher und der Mülheimer Video-Künstler Pixtole verzauberten das Publikum mit einem atmosphärisch dichtem Konzeptabend.

Cage, Glass und Satie – sie stehen für eine Musikrichtung, die sich bewußt von überladenen Klangskulpturen oder überbordenden Akkordreihen fernhalten. Sie beschränken ihre Musik auf das, was notwendig ist, wiederholen bewußt Melodien und Begleitung, bleiben in einem überschaubarem Rahmen. Dennoch bleibt auch noch genügend Raum für ausdrucksvolle Klangketten – aber diese stehen nicht im Vordergrund. Für diesen Abend hatte Kai Schumacher eine Auswahl von Musik zusammengestellt, die diesem Geist des Minimalismus entsprach. Ein steter Musikfluß, der nur durch die obligatorische Pause getrennt wurde. Dazu passend wurde die Rückseite des Klaviers Projektionsfläche für die passenden Videosequenzen von Pixtole. Livebilder vermischten sich mit vorproduzierten Aufnahmen, entstanden unter anderem im Saal der Folkwang Hochschule oder bei Steinway in Düsseldorf. Dabei entstanden Bilder, die eindrucksvoll das Innenleben von Klavieren und Flügeln zeigten – etwas, was man nicht so häufig sieht.

Auf eine fassbare durchgehende Handlung verzichtet Pixtole bei den Videoaufnahmen an diesem Abend. Wie die Musik auch sind es Wiederholungen, die das Bildmaterial bestimmen – Funken, die über die Projektionsfläche blitzen, vorbeiziehende Elemente, die Kugeln sein könnten aber auch als Gucklöcher für das dahinterliegende Bild dienen, wobei diese Sicht nur immer Fragmente zeigt. Andere Szenen wiederum zeigen Fabrikgelände, Bahnhöfe, Landschaften. Und immer wieder liegt der Focus auf Kai Schumacher selbst, dessen Hände auf der Tastatur von einer Kamera live aufgenommen wird um dann künstlich verzögert wiedergegeben zu werden. Die Projektionsfläche des Künstlers mit dem Abgleich des realen Vorgehens während des Konzerts wirft die Frage nach den Bildern auf, die man sich selbst ständig macht. Und ob diese mit der Realität übereinstimmen. Immer wieder auch vorhanden: Das Motiv der Reise – die Sicht aus dem Zugfenster, Schuhe, die über den Bürgersteig gehen. Der Assoziationsstrom liefert keine jedoch keine vorgefertigten Verknüpfungen, er nimmt den Betrachter mit und reagiert auf die Musik.

Dass Kai Schumacher ein gutes Gespür für außergewöhnliche Kooperationen hat, hat er nicht zuletzt mit der „Orange Lounge“ in der Playlist-Reihe bewiesen. Die klangliche Brillianz an diesem Abend zeigte allerdings wiederum, dass Kai Schumacher zu Recht als ein Ausnahmetalent zu werten ist. Es stimmt einfach alles: Tempi, Lautstärke, Pedaleinsatz, die Übergänge zwischen den einzelnen Titeln waren aus einem Guss. Mit einem Wort: Perfekt.

Die nächste Herausforderung für die beiden Künstler: Einen aufgeklappten Flügel als Projektionsfläche für die Videos zu nutzen. Diese Form fasziniert den Künstler Pixtole: „Man geht dann nämlich vom eigentlich gewohnten quadratischem Projektionsbild ab.“ Für die Playlist-Reihe hat der Mülheimer schon desöfteren mit Visuals gearbeitet, die auf runde Flächen über der Bühne projeziert wurden. Wieviele Monate er und Kai Schumacher zusammen geprobt haben, weiß er gar nicht mehr. Ein Anruf von Kai Schumacher aber war es, der das Projekt dann in Gang setzte. Wann genau allerdings es zu einer Wiederholung des Programms kommt? „Vermutlich dann, wenn das BaBaSu einen Flügel hat,“ meint Pixtole lächelnd.

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