Traumzeit Tag 2: Fußball-WM gegen ÖPNV

Photo: Sabine Engels - Quelle: Traumzeit

Wahre Sturzfluten fielen heute vom Himmel herab und sorgten zwischenzeitlich dafür, dass nicht nur Autos eher schwammen als fuhren sondern. Dazu kam, dass der ÖPNV noch unter anderen Auswirkungen zu leiden hatte. Ganz Hamborn war zwischendurch von der Polizei abgeriegelt worden wegen  – jetzt halte man sich fest – feiernden Fußballfans. Autokorso gut und schön, aber man muss es ja nicht übertreiben und seine Neanderthal-Gene heraushängen lassen. „Wir sind einfach auf der falschen Fete“, so ein Kommentar eines Besuchers zum andern. Man darf aber getrost hinzufügen: Traumzeitbesucher waren auf der besseren.

Eine Entdeckung: Der Jazz von Jean-Marie Machado, der im letzten Jahr solo zu Gast war und dieses Mal von seinem Nonett „Danzas“ unterstützt wurde. Tänze aus allen Welten und allen Zeiten prägen das Programm „Fiesta Nocturna“. Immer wieder schimmern die Vorlagen durch – Tango, marokkanische Musik, Tarantella. Die Arrangements lassen aber immer Raum für Ungewöhnliches – da ist das Blech offenbar so gelangweilt dass alle drei Musiker improvisierend zusammen loslegen ohne auf den anderen zu hören. „Danzas“ ist keine Musik, die wirklich zum Tanzen gedacht ist, in ihr wird die Erinnerung an den Tanz aufbewahrt.

Ein gewagtes Stück, die Auftragskomposition II an diesem Tag. Die Duisburger Philharmoniker zusammen mit Peter Bolte und Jim Campbell. Da trafen Streicherflächen in denen immer wieder das selbe Motiv wiederholt wurde auf experimentelles Improvisieren des Alt-Saxofons Peter Boltes. Dessen Parfource-Ritt durch sämtliche Spieltechniken des Instruments wurde untermalt von der Elektronik Jim Campbells, der zuvor gespieltes Material verfremdete. Als Echo in den Raum zurückwarf, von verzerrten Streichern untermalt. Während man bei den Streicherblöcken durchaus Jazz-Harmonien heraushören konnte, so schwebten die Töne in der Improvisation frei im Raum, um wucherten die Themen der Streicher. Herausfordernde aber lohnende Musik für ein auserlesenes Publikum.

Was passiert wenn man zwei Weltklasse-Pianisten, einer davon ein Weltklasse-Komiker, an zwei Klaviere setzt? Heraus kommt ein einmaliges Konzerterlebnis: Chilly Gonzales und Helge Schneider. Die Kraftzentrale vibriert bei beiden Künstlern, die mühelos nicht nur ausgezeichneten Boogie-Woogie oder den Säbeltanz darbringen können, sondern das Klavier mitunter auch als Schlagzeug gebrauchen. Hinzu kommt die einmalige Komik Helge Schneiders, die in der von Gonzales einen ebenbürtigen Partner gefunden hat. Es ist als ob beide schon seit Urzeiten zusammen musizieren würden. Helge Schneider einen Telefonanruf mitten im Konzert mit „Bin auf der Arbeit“ zu beantworten hören ist einfach sensationell.

Zum Schluss kam Get Well Soon – die melancholisch instrumentieren Songs von Konstantin Groppe und die Bildsprache der auf einer Leinwand im Hintergrund eingespielten Videos waren so perfekt abgestimmt, dass beim Song „We are Ghosts“ die Band quasi Liveplayblack machte – während sie selbst auf der Leinwand zu sehen waren, hörte man aus dem Dunkel die Band. Es entstand ein eindrucksvolles Konzert, das mit Sicherheit zu den Höhepunkten des Tages gerechnet werden kann. Live wirken die Songs mit Vibraphon und Violine noch intensiver als auf den bisher vorgelegten Alben. Passende hätte der Ausklang an diesem zweiten Tag nicht sein können.

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