Tom Petty and the Heartbreakers – Mojo

Tom Petty and the Heartbreakers – Mojo
(Warner)

Hm.

Knifflig.

Imojoch mag Petty seit seinem ersten Auftritt im Rockpalast 1977 sehr. ‚Mojo‘ habe ich mir 3 mal angehört, recht kurz hintereinander und dachte mir: ‚Pöh, ziemlich belanglos.‘ Nicht mehr der Himmel, sondern der Blues war die Grenze. Und auch wenn es da -zig Varianten gibt und einige davon zu hören waren, fand ich es nichts weiter als nett durchzuhören, aber ohne echte, richtig gute Hooks, ohne ohrwurmverdächtige Melodien und/oder Refrains, die hängen bleiben, sich einnisten und die man kaum bis gar nicht mehr aus dem Sinn bekommt. Natürlich gibt es auch die fiesen Schleicher, die sich langsam ihren Platz erobern, aber das war ich zumindest von Petty & Kumpanen nicht gewohnt. Andererseits: ein bluesiges Album auch nicht.

Nach einer dreitägigen ‚Laß sacken‘-Phase (ohne fiesen Schleicher) habe ich mich mal online umgesehen, was denn von anderen so geschrieben wurde und war doch etwas verwirrt: Lob. Viel Lob. Ja, auch Verrisse und auch einige Kritiken im mittigen Bereich, aber es überwogen die guten, lobenden Worte und teils gab es sogar fast euphorische Kritiken.

Okay, was hab ich also verpaßt?

Ich beschloß, es mir erneut anzuhören.

Alsdann: Durchgang 4.

Und auch wenn ich die musikalische Vielfalt trotz des eher begrenzten Bereichs (s.o.) weiterhin als durchaus vorhanden ansah, fielen mir nun vor allem drei Songs negativ auf, nämlich ‚No Reason To Cry‘, weil der Song ein übler Bremsklotz auf einer bis dahin zumindest nicht einschläfernden Scheibe ist, die Tempi variierten zwar ziemlich, aber ein akustisches Liebeslied? Neee, tut mir leid, Füller. Langweilig. Skip, next please.

Ja, und das Ende ist ebenfalls mau, nur sind es diesmal gleich die beiden letzten Songs, die nervten: ‚Something Good Coming‘ balladiert schläfrig vor sich hin und Pettys nasales Genöle hilft da auch nicht wirklich, im Gegenteil. Aber gut, der Songtitel versprach ja was Gutes, aber das ist eine Lüge: ‚Good Enough‘ ist so eine dieser ziellos vor sich hin mäandernden Nummern, die sich ans Ende verkriechen oder dorthin verfrachtet werden, um zwischendrin bloß nicht zu stören. Bluesig, langsam, heavy, öde.

Der Trick beim 5. Durchlauf war also, diese Songs gar nicht erst zu hören und siehe bzw höre da: es fluppt(e).

Okay, immer noch nicht so richtig, also meinetwegen so wie ‚Damn The Torpedoes‘ oder ‚Full Moon Fever‘ es taten, um mal zwei Alben zu nennen, die zwar auch ihre Füller hatten, welche aber bei weitem weniger nervig waren und den Hörgenuß nicht störten, finde zumindest ich.

Was ich sagen will: es machte mir einfach mehr Spaß, nur diese 12 Songs zu hören und vor allem fielen mir jetzt sogar 2 Lieder auf, die ich richtig gut fand, nämlich ‚The Trip To Pirate’s Cove‘ und ‚Don’t Pull Me Over‘, beide eher untypisch für Pettys Werk, aber das gilt für die ganze Platte, von daher darf es auch ein Reggae (okay: vom Reggae angehauchtes Stück) sein -‚Don’t Pull Me Over‘-, in dem der Meister dann auch gesanglich fordert: ‚It Should Be Legalized‘. One more dance with Mary Jane, höhö.

Ja, und in ‚Pirate’s Cove‘ wird ein wirklich fieser 😉 Trick verwendet, der mir merkwürdigerweise zu Beginn der Hörsessions völlig entgangen war: der Gesang wird in der darauf folgenden Instrumentalpassage -ja, wie nennt man das?- via Echo deutlich leiser wiederholt, mal ein-, mal zwei mal, was im nachhinein die durchaus hypnotische, psychedelische Wirkung des Songs vorzüglich unterstützt. Interessante Idee, gefällt mir wirklich ausnehmend gut.

Tja, der Rest -wie sag ich’s- stört nicht weiter, es bluest mal dezent, mal polterig, aber dabei bleibt es auch weitestgehend, mit einer Ausnahme: ‚Jefferson Jericho Blues‘. Musikalisch ein flotter Blues, der sofort klar macht, wohin die Reise geht, textlich aber kein fanal, sondern übelst banal.

Dazu muß man folgendes wissen: Thomas Jefferson, 3. Präsident der VSA (1801-1809), hatte zahlreiche Sklaven, ebenso seine Frau Martha Wayles Jefferson. Im Jahre 1802 kamen Gerüchte auf, er habe eine Beziehung zu einer Sklavin seiner Frau, namentlich Sally Hemings, von der ein anderes Gerücht besagte, sie, Hemings, könnte sogar die Halbschwester seiner Frau sein.

1996 wurde eine DNA-Analyse durchgeführt, deren Ergebnis es als sehr wahrscheinlich erscheinen läßt, T. Jefferson sei der Vater von Hemings Kindern.

So weit das. Die erste Strophe handelt auch von dieser Beziehung und der Song hätte sich mit zeitgenössischem Rassismus beschäftigen oder eine harsche Anklage immer noch vorhandener südstaatlerischer Gesinnung sein können, aber nix davon passiert. Nein, es folgen zwei Kröpfe (okay, Strophen), in der der Sänger sich darüber ausläßt, wie sehr er ein Mädchen vermißt und wie langsam doch die Zeit vergeht.

Ja, toll. Und warum wird bitte die Jefferson/Hemings-Geschichte als Aufhänger genommen? What’s your (petty) excuse, Tom?

Son Quatsch. Chance extrem leichtfertig verschenkt, denke ich.

Ansonsten spielen die Heartbreakers wie immer kompetent (die kennen ihre Vorbilder) und aus einem Guß, so daß ich insgesamt sage: kleine Enttäuschung, aber auf recht hohem Niveau.

Comments are closed.