Helmut Schmidt sieht keinen Grund, aus der Kirche auszutreten

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Image by Nuria Fatych via Flickr

Hamburg (ots) – Altkanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt denkt nicht darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Er sei zwar ein „sehr distanzierter Christ“, sagte er im ZEITmagazin, doch er bleibe in der Kirche, „weil Traditionen nützlich sind. Die Kirchen gehören zum Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält“.

Im Zusammenhang mit den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche sagte Schmidt: „Prinzipiell glaube ich, dass Religionsführer – egal, ob katholisch oder evangelisch, buddhistisch oder muslimisch – menschliche Wesen sind wie Sie und ich; und dass der Anteil von Leuten mit einem kleinen charakterlichen Defizit unter ihnen genauso groß ist wie unter uns gewöhnlichen Menschen ohne religiöses Amt.“ Es sei ein Glücksfall, wenn eine Religionsgemeinschaft oder eine Kirche jemanden zum Oberhaupt mache, der ohne solche Fehler sei.

Schmidt lobte die zurückgetretene Ex-Bischöfin Margot Käßmann, „ihre Konsequenz verdient Anerkennung“.

Über den Kruzifix-Streit sagte Schmidt: „Das Festhalten an alten Traditionen ist etwas Heilsames. Wenn es in einem Dorf Tradition ist, dass ein Kreuz im Klassenzimmer hängt, würde ich es um Gottes willen dort lassen, solange niemand Anstoß daran nimmt.“ Über die religiös begründete Unterdrückung von Frauen sagte er: „ich würde sehr zurückhaltend sein, wenn es darum geht, auf der ganzen Welt die Unterdrückung der Frauen zu bekämpfen, möglicherweise sogar mit Panzern und Kanonen, wie in Afghanistan. Besserwisserei gegenüber den Nachbarn oder gegenüber den Chinesen oder den Arabern gefällt mir nicht“.

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