Global Rheingold – Akzente-Eröffnung mit El Fura dels Baus

Global Rheingold
Image by MarvD via Flickr

Es war eine strahlende Eröffnung der Local Hero Woche und zugleich der Auftakt für die Duisburger Akzente. Die spanische Theatergruppe El Fura dels Baus inszenierte auf der dazu eigens eingerichteten Mercator-Insel das „Global Rheingold“ – eine atemberaubende Melange aus Artistik, Musik, Kunst und Lichtinszenierung am späten Abend vor der Industriekulisse Ruhrorts.

Es sind die Nibelungen, die in weißen Anzügen zu Beginn des Stückes zu hören sind, die im Untergrund an ihren Kunstwerken arbeiten. Doch ihr Alberich entspringt nicht dem Rhein sondern schwebt mit Flügeln versehen über ihnen bevor die Rheintöchter ihren Auftritt haben. Später werden wir noch die Warnung Erdas an Wotan hören dass der Ring kein Heil bringen wird und zum Schluss der Inszenierung das Finale. Doch die meterhohen Figuren, die auf dem Schiff und am Ufer zu sehen sind sind keineswegs Wagners Riesen. Es ist Gerhard Kremer Mercator, der der weiblichen Figur namens Concordia gegenübertritt. Diese ist halb wie Erda in der Erde versunken, wartet auf den Tod. Denn die Zeit in der Kohle und Stahl und Eisen sie geprägt haben sind lange vorbei. Nur noch Vergessenheit möchte Concordia, die Verkörperung Duisburgs, die im Ruhrpott-Dialekt Mercator antwortet.

Das zentrale Thema der Inszenierung drehte sich weniger um Wagner und die Geschichte des fluchbeladenen Rheingoldes: Es war vielmehr eine Aufforderung an die Stadt, die mit ihren Problemen zu kämpfen hat, diese anzupacken und die Zukunft trotzt oder gerade wegen dieser Probleme posititiv zu sehen. Sicherlich sind die alten Industrien verschwunden und dem Untergange geweiht – Stahl und Kohle. Doch die Riesenfigur Mercators bringt Hoffnung mit.

Die stringente Erzählweise verliert sich dann ab diesem Augenblick und es ist eher ein Bilderassoziationsstrom, der den Schwerpunkt auf das Neue, das Anbrechende und Hereinbrechende legt. So zitieren El Fura Del Baus nicht nur Heinrich Heines „Loreley“ sondern auch Zeilen aus der Persephone-Kantate von Steve Pogson, die in Duisburg 2008 aufgeführt wurde – der Wechsel der Jahreszeiten, das Veränderliche der Welt und die Mahnung, dass man mit dieser Welt besonders vorsichtig umgehen muss münden schließlich in das Finale des Rheingolds. Die Regenbogenbrücke ist als Feuerwerk umgesetzt – die Verheißung einer neuen strahlenden Zukunft ist allerdings durch das, was in Wagners Musik angekündigt ist alles andere als das glückliche Ende. Doch dieses wird von der Theatergruppe umgedeutet: Hier ist nichts verflucht oder mit schweren Vorzeichen bedeckt. Stattdessen sind die Möglichkeiten des Hafens der Kulturhauptstadt vielleicht noch gar nicht richtig ausgelotet worden – neue Wege und neue Antworten müssen auf die neuen Fragen gefunden werden betont die Theatergruppe. Und legt damit das Ende des Rheingolds von Wagner, die trügerische auf dem Abgrund aufgebaute Idylle, neu fest, benennt es um. In Hoffnung.

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