Adolf Sauerland – ein bemerkenswerter Oberbürgermeister

Neulich, also vorgestern, ist eine Delegation der gewählten Vertreter des Stadtrates von Duisburg unter der Leitung von Adolf Sauerland nach München gefahren. Passiert ist nicht viel – oder vielleicht eben doch. Denn was man dort erleben konnte, war ein Paradebeispiel für das Versagen von gewählten Politikern. Vorab jedoch noch eine Warnung:

Dieser Text wird sehr subjektiv sein, was natürlich daran liegt, dass ich Adolf Sauerland für eine klassische Fehlbesetzung halte – was ich in meinem persönlichen Blog auch gerne zum Ausdruck bringe. Zudem besteht mein „Wissen“ aus mündlichen Überlieferungen, denen ich zwar Vertraue, die ich jedoch nicht bestätigen oder verifizieren kann. Aber nun zum Thema:

In Duisburg gibt es eine Freifläche, die ehemals der Deutschen Bahn AG gehörte. Schlappe 35 Hektar, die auf den liebevollen Namen „Duisburger Freiheit“ hören. Pläne, was es mit diesem Gelände mal geben soll, gab es zahlreiche. Unter anderem war es als „Gate to Asia“ im Gespräch und letztlich wurde der Star Architekt Foster gebeten, sich der Planung anzunehmen. Foster war die logische Konsequenz, ist doch der Masterplan zur Umgestaltung des Innenhafens und der Innenstadt Duisburg auch von ihm.

Natürlich, wie in solchen Geschichten üblich, kam alles ganz anders und führte zu einer Situation, in der ich nicht Adolf Sauerland heißen wollen würde. Denn…

… die Deutsche Bahn AG trat das Grundstück an Aurelis ab. Dieses Unternehmen war einstmals eine reine Tochter der Deutschen Bahn AG und für die „wertoptimale Verwendung“ der Grundstücke verantwortlich, um die viele Unternehmen die Bahn beneiden: Filets der Städteplanung.

Nun ist Aurelis systembedingt an der Maximierung des Gewinns interessiert. Und da können langsame Planungen einer Stadt schon mal einen Zielkonflikt mit dem Wunsch nach schneller und hoher Rendite auslösen. Und so tauchte plötzliche der „Vorschlag“ auf, man könne doch statt einer richtig schicken Ecke in der Innenstadt auch an einen gewerblichen Interessenten verkaufen.

Dieser „Interessent“ war das Möbel-Unternehmen des Herrn Krieger, das derzeit vornehmlich im östlichen Deutschland aktiv ist und gerne nach Westen expandieren möchte. Um sich der Stadt vorzustellen, wurde dann eben der Termin in München vereinbart und Adolf und seine Mannen fuhren hin.

Die WAZ umschreibt die Präsentation dort leicht euphemistisch:

Richtig begeistert waren die Duisburger Abgesandten von dem in München Gesehenen nicht: Alles sei sehr groß, hieß es, architektonisch eher schlicht und vor allem so ganz anders, als man der Foster-Präsentation erwartet hatte.

Tatsächlich aber, so heißt es aus dem engsten Umfeld der Teilnehmer, sei die Veranstaltung ein Witz gewesen: Wenig Inhalt, viel warme Luft und vor allem reichlich eigenartig. Das anschließende Essen sei allerdings reichhaltig, fast schon opulent und sehr gut gewesen.

Und dann, während die Teilnehmer in der nunmehr Tafelrunde von Adolf Sauerland dem Verdauungskoma nahe waren, wurde ihnen kurz vor dem Abschied noch eine „erfreuliche Mitteilung“ gemacht:

  1. Es ist nicht geplant, dass Aurelis das Grundstück verkauft, vielmehr hat man bereits 30 der 35 Hektar verkauft
  2. Rieger weiß, dass seine Pläne nicht den Vorstellungen der Stadt entsprechen, es scheint aber keinen Zweifel daran gegeben zu haben, dass er überzeugt ist den längeren Atem zu haben – und einfach wartet bis der Druck auf die Politik so groß ist, dass man die Genehmigungen (die auf Plänen beruhen, die der Stadtrat zu verantworten hat!) schon erhalten wird.

Die völlig verdatterte Delegation musste also entwaffnet feststellen, dass man bereits beschlossen hatte, ein riesiges Möbelwarenhaus, ein ebenfalls riesiges Hochregal-Lager und einen Umschlagplatz für die entsprechende Logistik zu schaffen. Und das man sie regelrecht vorgeführt hatte.

Adolf Sauerland versucht zu retten, was zu retten ist:

Unmut herrschte auch darüber, dass der Ex-Eigentümer der Fläche, Aurelis, die Stadt über den Verkauf nicht informiert hatte.„Das ist der Beginn einer Diskussion“, stellte Oberbürgermeister Adolf Sauerland klar. Denn ein von der Politik zu beschließender Bebauungsplan werde regeln, was und wo gebaut werden kann.

Aus meiner Sicht ist dies jedoch eine Luftblase: Wie lange wird der Stadtrat „standhaft“ die Bebauung eines legal erworbenen Grundstücks verhindern können  – und wann wird der Druck aus der Bevölkerung so groß werden, dass man irgendwas machen müssen wird – nur nicht das Grundstück weiter unbebaut lassen kann. Besonders schön übrigens auch die Aussage des Vertreters der FDP:

Bei einem 40 Meter hohen Lager-Koloss mitten in der Stadt stelle sich „die Frage der Optik“, meint Wilhelm Bies (FDP).

Noch mal: Wir sprechen von einem Grundstück in der Innenstadt von Duisburg, direkt neben dem Hauptbahnhof. Da ist so ein Klotz sicherlich genau das, was man dort sehen möchte 😉

Persönlich finde ich die ganze Geschichte erbärmlich und ein weiteres Zeichen in einer langen Kette. Ich fühle mich bestätigt in meiner Annahme, dass Adolf Sauerland Duisburg nicht auf den rechten Weg bringen kann. Und ich frage mich, wie lange sich die Duisburger Bürgerinnen und Bürger noch in dieser Art regieren lassen werden.

Die Hintergründe gibt es natürlich auch hier auf XN: Klick!

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