Belangloses Geschwätz (7): vom heiligen Land ins tiefe Meer

deutsche Bischöfe
Foto: Focus
Vor knapp drei Jahren hatten sich die deutschen Bischöfe ins Heilige Land aufgemacht, worüber Florian Sendtner im Heft 4 /2007 der Zeitschrift „Konkret“ folgendes berichtet:
Die deutschen katholischen Bischöfe suchten Israel heim. Wenn schon keine Kreuzzugsheere mehr aufbrechen an die Stätten, wo unser lb. Herr Jesus wandelte, so machte sich nun zumindest die deutsche Bischofskonferenz komplett zur Pilgerfahrt auf. 27 Purpurträger wackelten auf den Spuren ihres Religionsgründers durch einen Staat, der seit seiner Gründung von seinen Nachbarn mit der Auslöschung bedroht wird. Sie palaverten am See Genezareth, spürten ihren Messias über die Wellen tapsen, ließen hie und da eine kleine Millionenspende zur Stärkung des christlichen Vorpostens zurück. Und absolvierten ihren Pflichtbesuch in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, wo sich der Mainzer Bischof Karl Lehmann noch an die Brust klopfte und in diskreten Worten an den kirchlichen Antijudaismus erinnerte.
Stunden später wurde zurückgeschossen: Ramallah stand auf dem Programm, eine eingehende Besichtigung der Mauer, und man posierte für die Katholische Nachrichtenagentur im Caritas-Krankenhaus von Bethlehem mit einer Palästinenserin und ihrem behinderten Kind. Und schon kann der erste nicht mehr an sich halten: "Morgens in Yad Vashem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto in Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch." Es ist Gregor Maria Hanke, Ratzingers jüngste Entdeckung, eben erst zum Bischof von Eichstätt ernannt, dem da die Mitra hochgeht wie eine Kassam-Rakete. Joachim Meisner, der Kölner Kardinal, wird von anderen historischen Assoziationen übermannt: "So wie die Berliner Mauer überwunden worden ist, wird auch diese Mauer überwunden werden. Das hat keinen Bestand." Den Satz "Für mich ist das ein Albtraum, das macht man mit Tieren, nicht mit Menschen," will er später nicht gesagt haben, obwohl er von den Korrespondenten von "FAZ" und "SZ" überliefert ist. Nicht zurückstehen will der Augsburger Walter Mixa, der eine "ghettoartige Situation" und "fast schon Rassismus" erkennt.

Also: nicht Rassismus, sondern fast schon Rassismus. Kein Ghetto, sondern eine ghettoartige Situation. Da ist der Walter Mixa exakt. Nicht dass man ihm Antisemitismus unterstellen könnte. Dieser hatte nämlich nicht nur schändliche Aspekte, sondern sogar auch die schändlichsten Aspekte, wie wir aus der Karfreitagspredigt des Vatikan-Hauspredigers Cantalamessa wissen.
Ja, der Antisemitismus hat so seine verschiedenen Aspekte: schändliche und schändlichste, aber auch – das ist schon ein Gebot der Logik – Aspekte, die nicht schändlich sind, sondern das Gegenteil. Denn wo es die schönen Aspekte des Urlaubs gibt, gibt es auch eine Baustelle. Wo es die angenehmen Aspekte einer Religion gibt, gibt es auch die katholische Kirche. Und wo es die schändlichsten Aspekte des Antisemitismus gibt, wird auch für die Juden gebetet, dass sie Erleuchtung finden und erkennen, dass Christus der Retter aller Menschen ist.
In Liebe, Güte und Barmherzigkeit mit den Gottesmördern wird der Herr am Todestag seines Sohnes freundlich gebeten, die „jüdische Treulosigkeit“ und den „Schleier von ihren Herzen“ wegzunehmen und die Juden so der „Verblendung ihres Volkes“ und der „Finsternis“ zu entreißen.
Dies ist im Katholizismus guter Brauch seit dem 6. Jahrhundert, bedauerlicherweise aber nach dem Holocaust kurzzeitig etwas aus der Mode geraten. Es bedurfte erst des deutschen Papstes, um konsequent zur Idee der Judenmission zurückzukehren. Joseph Ratzinger erklärte die gute alte lateinische Messe wieder als gleichberechtigt und setzte die Karfreitagsfürbitte für die Juden wieder vollständig in Kraft.

Daran mögen Sie erkennen, wie sehr der Kirche und ihrem Oberhaupt das Wohl der Juden – ja sogar deren Erleuchtung! – am Herzen liegen. Wie sehr sich der Holocaust in das kollektive Gedächtnis der Kirche eingebrannt hat, wird sichtbar nicht zuletzt dadurch, dass die Gottesmänner die schwere Sünde der Abtreibung immer wieder mit Auschwitz vergleichen.
Denn, um am Schluss dieser Serie auf deren Anfang und Anlass zurückzukommen: die Kirche liebt nun einmal Kinder. Nichts ist den Dienern Gottes wichtiger als das Wohl und Wehe unserer Kleinen. Und sie weiß: das Böse ist immer und überall.
Glauben wir also an die frohe Botschaft und erinnern uns an die Worte des Gottessohnes, wie sie im Matthäusevangelium geschrieben stehen:
"Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde" (Matthäus 18,6).

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