Nicole Rensmann: Angel die Zombiebraut

Xtranews präsentiert exclusiv: Angel, die Zombiebraut von Nicole Rensmann. Wir bringen heute den vorläufig letzten Teil des Work-in-Progress von Nicole Rensmann. Den Prolog und die Entstehungsgeschichte des bisherigen Fragments kann man an dieser Stelle bei uns nachlesen. Wir wünschen viel Spaß mit dem ersten und leider auch schon letztem Kapitel des Romans „Angel – die Zombiebraut“.

1. Kapitel

Sie brauchte dringend einen Job und die Ironie des Schicksals – Angel wusste, dass es sie verhöhnte – hatte sie zur einzigen freien Stelle geführt, die es in dieser beschissenen Stadt gab: Ins Leichenschauhaus. »Sie können sofort anfangen, Frau -« Dr. Kropp blickte auf ihre Bewerbungsmappe, kniff sein linkes Auge zu und sah Angel mit dem rechten an, das nun – schwarz und klein – wie das Auge der toten Krähe aussah, die sie gestern überfahren hatte.»Amorph?« Sie nickte. Ihren realen Namen kannte sie nicht, und obwohl sie alles andere als ein Angel war, aber sich auf gewisse Weise amorph fühlte, hatte sie sich selbst Angel Amorph getauft.

Angel erhob sich. »Ich habe noch einen Termin. Kann ich auch morgen anfangen?« Eine Lüge. »Heute«, er stand auf. »Oder nie! Die Stelle ist begehrt.« Sie hätte sich einen Tag Aufschub erhofft. Aber Angel brauchte den Job. Dr. Kropp reichte ihr einen grauen Kittel. »Ihre Arbeitszeit ist von 16.00 Uhr bis Mitternacht. Eine Pause haben Sie nur, wenn das Schicksal auf Ihrer Seite ist.«
»Das Schicksal war noch nie auf meiner Seite
»Alles hat seinen Grund, Frau Amorph«. Ohne sie anzusehen, deutete er Angel, ihm zu folgen. »Sind Sie sensibel?«
»Nein.«
»Haben Sie in der Vergangenheit einen geliebten Menschen verloren?« Angel schüttelte den Kopf. Diese Art von Konversation ging ihr auf die Nerven. »Aber Ihre Eltern sind beide tot.«
»Ich hatte keine Möglichkeit, sie zu lieben.« Er nickte, als wisse er genau, was sie meinte.

Den Rest des Weges folgte Angel ihrem neuen Chef schweigend den fensterlosen Flur entlang, von dem beidseitig versetzt Türen abgingen. Am Ende öffnete Dr. Kropp eine dieser Türen mit der Aufschrift: Treppenhaus. »Der Aufzug funktioniert schon seit Jahren nicht mehr.« Die Stufen führten tiefer in das kühle Gebäude der Städtischen Pathologie, das mit dem Leichenschauhaus und einem Bestattungsunternehmen unter einem Dach als Luxushotel für Tote diente.

Angel sortierte Akten, schrubbte Böden, sterilisierte Werkzeug. Der Anblick eines obduzierten Menschen blieb ihr erspart. Außer Dr. Kropp begegnete sie keinem Angestellten oder einer anderen Hilfskraft. Leise war es jedoch nie. Obwohl Dr. Kropp nicht im selben Raum gearbeitet hatte, schallten die Melodien  ihr nicht bekannter Chöre über den Flur. Und nicht selten hatte er mitgesungen. Morgen musste sie sich einen MP3-Player mitbringen, sonst würde sie vermutlich an Ohrenkrebs sterben. Angel kicherte. Sie hatte schon geglaubt, dass außer ihnen beiden niemand im Leichenschauhaus arbeitete, als sie beim Verlassen des Gebäudes Stimmen hörte. Dr. Kropp klang aufgebracht, während sich der Gesprächspartner bösartig anhörte. Trotz dieses veränderten Tonfalls erkannte Angel den Urheber, dessen Worte ihr Gänsehaut und Herzklopfen verursacht hatten – zu Lebzeiten.

Angel lauschte. Doch bevor sie herausfinden konnte, hinter welcher Tür der Streit stattfand, stürzte Stan – ihr Stan – aus Dr. Kropps Büro. Wie immer beachtete er sie nicht und ging an ihr vorbei. Sein Gesicht sah nicht wie das des so schüchternen Stans aus, den sie vergötterte. Eher wie einer dieser Zombies, die im ausgetrockneten Flussbett unter der Brücke ihr Lager aufgeschlagen hatten und sich alles was sie brauchten, mit Gewalt beschafften. Angel überlegte kurz, ob sie Stan folgen sollte, entschied sich dann jedoch dagegen. »Ist alles in Ordnung mit Ihnen?«, fragte sie und drückte die Bürotür auf.

© Nicole Rensmann, Remscheid im Februar 2010

Fortsetzung folgt … irgendwann, irgendwo ...

Vielleicht sogar an diese Stelle, wer weiß…

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3 thoughts on “Nicole Rensmann: Angel die Zombiebraut

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  2. Schade. Nicole scheint sich seit 10 Jahren nicht weiterentwickelt zu haben. Auch ihre aktuellen Sachen lese sich immer noch wie Fandom-Geschichten. So schreibt man eigentlich, wenn man 15 ist und irgendeinem großen Autor nacheifern will.