Hasse ma 298 Euro?

Der Kollege Jens Matheuszik vom „Pottblog“ hat schon Recht: die Zahlen und Vorschläge, die der Bund der Steuerzahler jetzt zu den Theatersubventionen im Ruhrgebiet vorgelegt hat, sind … Jens schreibt: „sehr merkwürdig“.

Der Bund der Steuerzahler. Seitdem ich das politische Geschehen verfolge, ist mir dieser Verein immer wieder aufgefallen. Um ehrlich zu sein: unangenehm aufgefallen. Allein schon der Name – sehr merkwürdig.

Aber ich will sie keineswegs beeinflussen. Das ist überhaupt nicht meine Art; deshalb zitiere ich korrekterweise aus einer Pressemitteilung. Da heißt es:

„Der Bund der Steuerzahler ist die Vertretung aller ehrlichen Steuerzahler.“

Diese Selbsteinschätzung wird angeführt zur Begründung im Statement von Dr. Karl Heinz Däke: Es bestehen nach wie vor erhebliche rechtliche Zweifel, ob der Ankauf der Daten durch den Staat problemlos erfolgen kann.

Wenn dann die Medien einfach so, also möglicherweise etwas irreführend berichten, der Steuerzahlerbund sei gegen den Ankauf der Daten-CDs aus der Schweiz, dann beschwert sich Dr. Däke … nicht.

Ich habe diese Geschichte nur deshalb vorangestellt, damit Sie sehen, dass es mir wirklich nicht leicht fällt, mich auf diesen Verein zu berufen, der sich nicht scheut, sich selbst Ehrlichkeit zu attestieren. Zumal, um auch dies noch einmal zu konstatieren, Jens Matheuszik vom „Pottblog“ völlig zu Recht auf gewisse Ungereimtheiten in der Erhebung der NRW-Abteilung zu den Theatersubventionen hinweist.

Aber – wie gesagt – ich will sie keineswegs beeinflussen. Ich möchte nur meinen kleinen Anteil zu ihrer politischen Meinungsbildung beisteuern. Ganz objektiv, versteht sich. Und deshalb gehört es sich so, dass ich Sie wissen lasse, zu welchen Ergebnissen die Vertretung der ehrlichen Steuerzahler in NRW meint gekommen zu sein.

Nun denn: nach einer Meldung des WDR „muss die Stadt Duisburg jeden Besucher mit 298 Euro subventionieren.“ Zum richtigen Verständnis: jeder einzelne Besucher, jede einzelne Besucherin erhält für jeden einzelnen mehr oder weniger gelungenen Theaterabend an der Neckarstraße einen kleinen Zuschuss in Höhe von 300 Euro.

Entschuldigung: nicht einmal 300 Euro, nur 298 Euro. Wenn die Zahlen des Steuerzahlerbundes überhaupt stimmen. Es könnte ja noch eine Richtigstellung der Duisburger Stadtspitze folgen. Und wer weiß: hinterher sind es in Wirklichkeit nur läppische 250 Euro. Nur mal so als Beispiel.

Übermorgen entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Höhe der Hartz-IV-Sätze für Kinder. Einer dpa-Meldung zufolge erwartet der Paritätische Wohlfahrtsverband „mehr Geld für Hartz-IV-Kinder“. Wie viel Geld bekommt eigentlich so ein Kind aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten? Schon jetzt! Monat für Monat. Obwohl wir mit einigem Recht annehmen dürfen, dass es sein Leben lang nichts Nennenswertes zum Steueraufkommen beisteuern wird.

Klar, keine 298 Euro. Noch nicht! Aber bedenken Sie bitte: man kann das eine nicht mit dem anderen vergleichen. So ein Kind zieht die Stütze Monat für Monat ab. Ein ehrlicher Steuerzahler gönnt sich dagegen einen schönen Theaterabend höchstens einmal so hin und wieder. Solch ein Vergleich ist also, um es noch einmal klipp und klar zu sagen, in höchstem Maße unzulässig.

Zulässig dagegen dürfte es sein, die Theatersubventionen der einzelnen Städte miteinander zu vergleichen. Ergebnis:

Während jede Theaterkarte in Bochum und Essen mit nur mit 80 bzw. 93 Euro bezuschusst werden, muss die Stadt Duisburg jeden Besucher mit 298 Euro subventionieren.

Jetzt frage ich Sie: wieso dürfen sich eigentlich diese Banausen aus Bochum oder Essen auch „Kulturhauptstadt“ nennen?! Im Grunde tun die doch nix für die Kultur! Wenn irgendjemand irgendwo irgendetwas für die Kultur macht, dann sind wir das. Wir Duisburger. Wir haben nämlich den Kulturmanager des Jahres. Janssen, übernehmen Sie!

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